„Helsinki-Hühner“ im Häuschen

Vogelgrippe ist auch eine Gefahr für Schulhennen / Tiergestütztes Lernen kommt gut an

Sie freuen sich, dass es ihren Hühnern gut geht: Schulleiterin Nicole Schöllhammer, Projektmanagerin Anja Haupt (von links) und die Schülerinnen und Schüler der Oberschule Helsinkistraße. Foto: AS

Artikel vom: 23.02.2022

Marßel – (AS) „Was machen denn die Hühner?“ Die Frage stellten sich kürzlich Nicole Schöllhammer, Leiterin der Oberschule an der Helsinkistraße und Anja Haupt, Leiterin des Jahrgangs 7, Klassenleiterin sowie Managerin und Ideengeberin des Projekts „Helsinki Huhn“.
Sie habe die zehn Tiere auch am 19. September 2021, einem Sonntag, vom Verein „Rettet das Huhn“ e. V. abgeholt. Bereits unterwegs hätten sie Eier gelegt, erinnerte sie sich schmunzelnd zurück. Jetzt seien es ein paar mehr, die sich in ihrem Domizil – wegen der Vogelgrippe im Moment nur im Häuschen – auf dem Schulgelände wohl fühlten und täglich acht bis neun Eier legten. Nur Henriette sei eine Zeit lang zum Aufpäppeln in ein „Erholungsheim“ gekommen. Inzwischen gehe es ihr aber wieder gut.
Die Tiere fressen Hühnerfutter, bekämen aber auch für sie verträgliche Reste aus der Mensa oder ab und zu Spinat und Kopfsalat. Eine Kollegin koche Reis, Nudeln oder harte Eier, die ein richtiges Energiefutter für die Hühner seien, so Anja Haupt. Rund 30 Kinder aus zwei Wahlpflichtkursen, Freiwillige aus anderen Klassen, eine pädagogische Mitarbeiterin, die sich in die Tiere „schockverliebt“ habe, sowie Eltern und Kollegiumskinder kümmerten sich um die Hühner; rund 50 Personen, schätzten die beiden Pädagoginnen.
„Im Rahmen eines Projektes führen Schülerinnen und Schüler aus dem Jahrgang 8, die coronabedingt keinen Praktikumsplatz finden konnten, unter anderem tatkräftig kleinere handwerkliche Tätigkeiten rund um den Hühnerstall durch. Das Projekt wird durch die Lehrenden Lara Cassens und Tim
Michaelis betreut“, ergänzt Anja Haupt.
Die Eier würden an die Kollegen gegen eine Spende abgegeben oder sie dienten als „Aufwandsentschädigung“ für den Pflegedienst, beispielsweise in den Ferien.
Zirka 100 Euro gäben sie im Monat aus, für Instanthaltung und laufende Kosten, Futtermittel und Einstreu, erläuterten Nicole Schöllhammer und Anja Haupt. Die Kosten seien nicht gedeckt, es werde viel von privat mit finanziert und gefüttert.
Bei allen komme das tiergestützte Projekt gut an und sei der „absolute Lernstoff“, denn man nehme in Realität wahr, „was das bei den Kindern oder in uns auslöst“. So gebe es keine Konflikte und alle gingen gut mit den Tieren um. Einige Hühner ließen sich auch tragen, locken oder vollführten kleine Kunststücke. Und die Kinder erweiterten ihr Wissen über Hühnerhaltung, Warenkunde, Verbraucherverhalten und Tierschutz, denn die Hennen stammten aus der Massentierhaltung.
„Wir sind das den Hühnern schuldig. Sie sind Legehybriden. Sie tun den Kindern gut, und wir wollen ihnen auch etwas Gutes tun“, so Anja Haupt.
Um das Sozialverhalten der Kinder weiter zu festigen, habe die Schule Mittel aus dem Bremer Landesprogramm „Schüler:Innen stärken“, das dem Bundesprogramm „Aufholen nach Corona“ unterstehe, beantragt. Für ihre Hühner wünschen sich die Pädagoginnen Licht, eine Webcam und eine Wärmeplatte, damit niemand mehr bei Minustemperaturen mit der Thermoskanne Trinkwasser besorgen muss. Anja Haupt schwebte zudem eine „Begegnungsstätte für Huhn und Mensch“ vor, eine Sitzgruppe, wo direkt mit einzelnen Hühnern gearbeitet werden kann.


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