Warten auf den Stromzähler
So sieht es nach einer „Zählerlosnahme“ aus: Günter Voß stand nach der Räumung der Wohnung vor vollendeten Tatsachen. Foto: nik
Artikel vom: 12.07.2026
Blumenthal – (nik) So etwas habe er als Vermieter zuvor noch nicht erlebt, sagt Günter Voß und meint damit zunächst den Zustand, in dem die Dreizimmerwohnung, die er in der Rönnebecker Straße vermietet, hinterlassen wurde. Über ein Jahr wurde keine Miete mehr gezahlt, sodass sich allein der finanzielle Schaden auf 15 000 Euro beläuft. Die Tapeten in der Wohnung wurden großflächig durch offenbar vernachlässigte Katzen von den Wänden gefetzt. Der Mieter der Wohnung sei über alle Berge, jedenfalls für Günter Voß nicht mehr zu erreichen. Seit der Räumung am 20. Mai fingen für ihn aber die Probleme erst an. Denn wo die Zahlungen ausbleiben, wird irgendwann auch der Strom abgestellt.
Günter Voß geht davon aus, dass etwa Anfang Juni der bereits gesperrte Stromzähler von Wesernetz abgebaut wurde, „klammheimlich“, wie er sagt. Nun kann er die Wohnung nicht wieder instand setzen und neuvermieten, denn das geht nicht ohne Stromanschluss. Dafür muss er sich nun praktisch als Neukunde anmelden. Nach eigenen Angaben habe er die swb telefonisch, wie auch per Mail über einen Zeitraum von sechs Wochen mehrfach kontaktiert: „Die erzählen dann permanent, es wäre eigentlich alles da, es gebe eine Ticketnummer dafür, aber es greift keiner zu.“
Es sei wohl so, dass externe Dienstleister in einem „Zugriffsverfahren“ entscheiden könnten, welche Aufträge sie in welcher Reihenfolge abarbeiten. Über sechs Wochen heiße es immer wieder, das könne vier bis sechs Wochen dauern. Er wurde zudem per Mail darum gebeten, von weiteren Anfragen in derselben Angelegenheit abzusehen. Der 85-Jährige sollte sich per Überweisung seines Orthopäden allerdings längst einer Knie-Operation unterzogen haben. Angesichts der nun über einen Monat andauernden Hängepartie bei der Renovierung habe er dafür noch immer keinen Termin vereinbaren können.
Der swb-Pressestelle zufolge seien genaue Auskünfte nur anhand der Anschlussnummer möglich. Es gebe zahlreiche Faktoren im individuellen Fall, sodass man dazu keine pauschalen Aussagen machen könne. Eine Erklärung könne sein, dass in der Ferienzeit weniger Monteure zur Verfügung stehen, auch habe man wegen erhöhter Krankenstände eine „Bearbeitungswelle“ vor sich hergeschoben. Im Falle einer Energiesperre wegen Zahlungsunfähigkeit könne die swb auf entsprechende Beratungs- und Hilfsangebote verweisen, die in Zusammenarbeit mit einem „Runden Tisch“ zum Thema geschaffen wurden. Eine „Zählerlosnahme“ als weitergehende Maßnahme nach der Stromsperre erfolge in der Regel dann, wenn der Vorgang ins Inkasso-Verfahren übergehe. Der Presseprecherin zufolge liege „der Vorgang (neuen Zähler setzen) zur Bearbeitung bei der Tourenplanung vor – auch bei der Terminvergabe macht sich die Ferienzeit bemerkbar.“
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