Fortschritte mit Verzögerungen
Das sogenannte „Shed“-Dach sorgt mit seinem gezahnten Profil für einen interessanten Lichteinfall im obersten Stockwerk. Foto: nik
Artikel vom: 29.06.2026
Blumenthal (nik) – Ehrgeizige Pläne, die eigentlich viel zu teuer seien: Mit dem Berufsschulcampus-Projekt auf dem BWK-Areal verbinden sich nicht nur bildungspolitisch große Hoffnungen, sondern vor allem hinsichtlich der Stadtentwicklung in Blumenthal. Der Umbau des zentralen Sortiergebäudes 43/44, ein Projekt der Wirtschaftsförderung WfB, ist mittlerweile merklich vorangeschritten.
Auf fünf Stockwerken mit jeweils einer Fläche von 1800 Quadratmetern entstehen Unterrichtsräume für die Berufsfachschulen des Schulzentrums Blumenthal, die aktuell auf Gebäude an der Eggestedter Straße und an der Lüder-Clüver-Straße verteilt sind. Die Schulen haben sich bereits mehrfach auf Umzugstermine vorbereitet, die nicht gehalten werden konnten: Zuerst sollte es schon im Sommer 2024 so weit sein, Ende 2025 wurde ein Umzug in diesem Herbst in Aussicht gestellt. Während die Fortschritte zwar deutlich sichtbar sind, sieht es dennoch nicht danach aus, als könne es bei diesem Termin bleiben.
Begonnen haben die Arbeiten 2022, sodass man nun immerhin einen Anhaltspunkt hat, wie lange es dauert, so einen „Neubau im Altbau“ zu realisieren. Dabei können auch Probleme und Verzögerungen auftreten, mit denen man nicht gerechnet hat: „Die Schadstoffsanierung war deutlich umständlicher als erwartet“, sagt Daniel Schaefer, WfB-Projektleiter für Erschließungsmaßnahmen. Die Menge an Asbest sei erst erkennbar geworden, als man das Tragwerk freigelegt habe. Es fehlten auch Unterlagen, aus denen man Informationen zur Gebäudestatik hätte entnehmen können. Man sei davon ausgegangen, das Dach komplett erneuern zu müssen, dann habe sich aber herausgestellt, dass eine Sanierung möglich war.
Aufwändig war auch der Einbau der Treppenhäuser, zudem wurde ein Schacht für einen Aufzug neu angelegt. Der breite, mittige Flur, „Boulevard“ genannt, ermöglicht nun den Blick durch die gesamte Gebäudelänge von 90 Metern. Einige Etagen sind weiter als andere: So wurde im zweiten Stock bereits der Estrich eingebracht, in den Stockwerken darüber läuft man entweder noch auf Beton oder auf Styroporplatten, die als Wärmesperre dienen. Zudem ermöglichen sie, Leitungen im Boden zu verlegen.
Ein fast ebenso großer Neubau, der an der Rückseite des Gebäudes anschließen soll, gehört mit zum Plan, damit soll nach aktuellem Stand 2027 begonnen werden. Projektleiter Daniel Schaefer ist darauf bedacht, keine unrealistischen Erwartungen aufkommen zu lassen. Ein zentrales Problem sei der erhebliche Anstieg der Kosten für jedwede Bauprojekte in den vergangenen Jahren. Die Notwendigkeit für Schulneubauten liegt angesichts der Entwicklung der Schülerzahlen auf der Hand.
Bürgermeister Bovenschulte nutzte zuletzt eine Fragestunde mit Blumenthaler Bürgern im Dezember für ein klares Bekenntnis zu dem Campus-Projekt. Ob und wann eine Instandsetzung all der anderen historischen Kämmereigebäude erfolgen kann, wer damit beauftragt wird, und wann der Berufsschulcampus tatsächlich als solcher bezeichnet werden kann, bleiben unter den aktuellen Bedingungen aber Fragen, die schwer zu beantworten sind.
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