Konflikte ohne Gewalt lösen
In vertraulichen Gesprächen berichten die Kinder den Ehrenamtlichen von dem Konflikt, in den sie geraten sind. Foto: fr
Artikel vom: 20.06.2026
Bremen-Nord (rdr) – Im Jahr 2021 ist Ruth Gerbracht in Rente gegangen. Das habe sich angefühlt wie von „hundert auf null“. „Und dann sucht man sich eben ein Ehrenamt.“
Im April 2022 gründete die Seniorin dann mit anderen Engagierten den Bremer Landesverband des Seniorpartner in School e. V. Mittlerweile sind es rund 100 Ehrenamtliche der Generation 55plus, die einmal in der Woche vier Stunden Mediation an mittlerweile 27 Grund- und Oberschulen anbieten. In Bremen-Nord sind Mediatoren an der Grundschule Alt-Aumund, Dillener Quartier und der Oberschule Lehmhorster Straße aktiv. Weitere Schulen hätten angefragt, doch es fehlen die Ehrenamtlichen, bedauert Ruth Gerbracht. Wer sich als Mediator ausbilden lassen möchte, wird an viermal drei Tagen in insgesamt 90 Stunden dazu geschult. Finanziert wird der Lehrgang über das Startchancenprogramm.
In der Regel haben die Mediatoren eine „feste“ Schule, wo sie mit einem weiteren Ehrenamtlichen etwaige Konflikte schlichten. Dazu stellen die jeweiligen Schulen einen „Raum der guten Lösungen“ zur Verfügung. Einmal wöchentlich sind die Streitschlichter vor Ort und bieten Kindern die Möglichkeit zum Gespräch an.
Diese Gespräche finden im geschützten Raum statt und sind absolut vertraulich. Eltern oder Lehrer würden vom Inhalt nichts erfahren. „Das finden die Kinder gut“, sagt Ruth Gerbracht. „Wir wollen ihnen beibringen, Konflikte gewaltfrei zu lösen.“ Das sei bei den Erst- und Zweitklässlern, bei denen es beispielsweise um eine Rangelei gehe, einfacher als bei den Älteren. Da würde es häufig um Beziehungskonflikte gehen. Beispielsweise wenn ein Kind mit dem anderen befreundet sein möchte, dabei aber auf Ablehnung stößt. Oder man es nicht mitspielen lässt.
Oft kommen die Kontrahenten gemeinsam zum Gespräch. „Wir fragen die Kinder, was sie auf dem Herzen haben, und jeder berichtet aus seiner Sicht“, erzählt Ruth Gerbracht. „Wir versuchen dann herauszufinden, welche Bedürfnisse vorhanden sind und wollen Verständnis füreinander zu schaffen.“ Partei für eine Seite ergreifen, würden die Freiwilligen nie. Man sei beim Streit schließlich nicht dabei gewesen.
Die Mediatoren bieten auch Einzelgespräche an. „Dann kann sich schon mal herausstellen, dass ein Kind bereits genervt zur Schule kommt, weil es zu Hause Streit mit den Geschwistern hatte“, berichtet Ruth Gerbracht. Die Arbeit des Seniorpartner in School e.V. komme gut an, weiß die Ehrenamtliche. „Wir bekommen von Lehrern gespiegelt, dass Kindern nach dem Gespräch viel ruhiger, konzentrierter und aufmerksamer sind.“ Gerne würde der Verein weitere Freiwillige zu Mediatoren ausbilden. Insbesondere in Bremen-Nord sei noch Luft nach oben, so Ruth Gebracht. Interessierte sollten empathisch, offen und teamfähig sein sowie ein großes Verständnis für Kinder haben.
Wer sich darüber informieren möchte, kann sich bei der Vorsitzenden Eva Spiro unter e.spiro@seniorpartner-bremen.de oder Ruth Gerbracht unter r.gerbracht@seniorpartner-bremen.de melden. Nähere Informationen finden sich auf der Homepage des Vereins www.seniorpartnerinschool.de.
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