Kinderärzte ungleich verteilt

Regionalausschuss Bremen-Nord erörtert die Versorgung der Stadtteile

Immer mehr Kindern und Jugendlichen stehen immer weniger Kinderärzte gegenüber.  Symbolfoto: fr

Artikel vom: 05.02.2026

BREMEN-NORD – (nik) Obwohl in Bremen-Nord besonders viele Kinder und Jugendliche leben, gibt es deutlich weniger Kinderarztpraxen als in anderen Stadtteilen. In einem Brief an das Gesundheitsressort hatten die Kinderärzte im vergangenen Jahr ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass sich die Versorgungslage in den kommenden Jahren erheblich verschlechtern könnte, wenn mehrere Kollegen absehbar in den Ruhestand wechseln werden. Der Regionalausschuss Bremen-Nord suchte nun nach Lösungen und hatte dafür den Vorstandsvorsitzenden der kassenärztlichen Vereinigung Bremen, Dr. Bernhard Rochell, als Referenten eingeladen. 

Die Mediziner beschrieben zunächst die gegenwärtige Lage: Aktuell komme zwar kein Kind zu kurz, doch es mussten bereits Aufnahmestopps verhängt werden und die Zahl der Ärzte werde sich in naher Zukunft halbieren.  Man müsse das Problem auch mit Armutsfragen verknüpft betrachten: Zwischen Burglesum und Walle befinde sich keine einzige Praxis, doch gerade in diesem Bereich gebe es große soziale Herausforderungen. Viel Zeit gehe ihnen durch Sprachbarrieren verloren. Die kassenärztliche Vereinigung tue, was sie könne, doch dies sei ein Problem der Stadt.

Ein Beispiel für eine Lösung gebe es in Bremerhaven: Dort sei eine Unterversorgung öffentlich festgestellt worden. Die kassenärztliche Vereinigung arbeite dort nun daran, ein kommunales medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) einzurichten, wo Ärzte im Angestelltenverhältnis arbeiten sollen, statt sich mit eigener Praxis niederzulassen. Für das Projekt namens „Gesundheitshaven“ sei es aber bisher noch nicht gelungen, Ärzte anzuwerben. Ein solches Versorgungszentrum wäre wegen der Versorgungslücke besonders für Grambke und Marßel ein Gewinn. Es biete aber nur Vorteile, wenn es bestehende Praxen ergänze und nicht ersetze. Die Lokalpolitiker stellten fest, dass insgesamt Voraussetzungen geschaffen werden müssten, damit Menschen in Bremen-Nord leben und arbeiten wollen.

Bernhard Rochell von der kassenärztlichen Vereinigung beschrieb zunächst das umgekehrte Problem einer „Ärzteschwemme“, die es in den 1980er-Jahren gegeben habe. Wenn diese Generation in den Ruhestand ginge, würde die KV ein Drittel ihrer Mitglieder verlieren. Das sei also ein flächendeckendes Problem. Eine Ursache der „inhomogenen Verteilung“ sei, dass die Bedarfsplanung nach Bundesgesetzgebung erfolge. Weil das ganze Stadtgebiet ein einziger Planungsbezirk sei, könne keine Unterversorgung konstatiert werden. Es werde lediglich dargestellt, auf wie viele Einwohner die Arztpraxen verteilt sind. Eine kleinräumliche Betrachtung nach Stadtteilen wäre wohl wünschenswert, habe sich aber „auf Bundesebene bisher nicht niedergeschlagen“. 

Die Versorgung nach Stadtteilen zeige mit acht Ärzten eine Überversorgung in Vegesack, während Burglesum nur drei und in Blumenthal zur zwei Ärzte niedergelassen sind. Die kommunalen medizinischen Versorgungszentren seien ein Zuschussgeschäft und erzielten keine hohe Patientenbindung. Nur im Fall einer Unterversorgung könnten Mittel für so eine Eigeneinrichtung verwendet werden. Bei dem „runden Tisch“ zur ärztlichen Versorgung, den das Gesundheitsressort veranstaltet hatte, habe es viele Anregungen gegeben. Was daraus werde, stehe noch aus, das Format müsse verstetigt werden. Man solle dann auch Vertreter der Krankenkassen und Stadtteilbeiräte dazu einladen.


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