Lange Wartezeit in der Notaufnahme
Im Klinikum Bremen-Nord soll eine 93-Järhrige sieben Stunden gewartet haben, ehe sie in der Notaufnhme betreut wurde.Foto: Archiv
Artikel vom: 25.01.2026
Bremen-NOrd – Hilde Tauchert (Namen von der Redaktion geändert) möchte auf keinen Fall mehr in die Notaufnahme des Klinikums Bremen-Nord. Die 93-Jährige war am Samstag, 3. Januar, 10 Uhr, per Krankenwagen eingeliefert worden, berichtete ihr Schwiegersohn. Um 17.30 Uhr sei sie auf Station aufgenommen worden. Nach den ersten Untersuchungen sei sie von den grellen Strahlen der Lampen im Untersuchungszimmer geblendet gewesen, habe nichts zu Essen und zu Trinken bekommen. Für ihre Notdurft habe man ihr eine Pfanne gebracht, aber nicht wieder abgeholt. Nach etwa einer Stunde wollte sie sich dieser entledigen und sei dabei von der Liege gefallen, wobei sie die Infusion verloren habe. Blutend sei sie zur Tür gekrochen und habe dagegengeschlagen.
„Nach dem Manchester Triage System soll die Wartezeit selbst bei einem Fall geringer Dringlichkeit 120 Minuten möglichst nicht überschreiten. Sieben Stunden ist eine extreme Missachtung dieser Maßgabe. Und da es sich um eine 93-jährige handelt, kommt der Verdacht der Vernachlässigung und sogar der unterlassenen Hilfeleistung auf“, so ihr Schwiegersohn.
Beschwerden seien nun an die Bremer Ärztekammer und die Senatorin für Gesundheit gegangen, so der Schwiegersohn. Die Landesärztekammer habe die Beschwerde angenommen und werde sie auf ihrer Sitzung am 26. Februar behandeln.
„Es tut uns sehr leid, dass sich die Patientin bei uns nicht gut betreut fühlte. Wir haben dies noch einmal zum Anlass genommen, den Fall genau zu prüfen. Aus unserer Sicht stellen sich die Abläufe etwas anders dar als vom Angehörigen der Patientin geschildert“, so Timo Sczuplinski, Sprecher von Gesundheit Nord.
Am Tag der Behandlung habe es ein hohes Patientenaufkommen in der Notaufnahme gegeben und Fälle, die deutlich schwerer gewesen seien und somit zuerst versorgt werden mussten, unter anderem eine 90-minütige Reanimation, bei der mehrere Kräfte gebunden gewesen seien.
Die Patientin sei nach Ankunft trotzdem direkt triagiert, also „ersteingeschätzt“, worden und habe nach ärztlicher Absprache aufgrund von Dehydration und Durchfall nach etwa einer Stunde eine 1000-Milliliter-Infusion bekommen. Wegen der Durchfallerkrankung habe sie nichts zu essen erhalten. Nach den ersten Untersuchungen habe sich das Ärzteteam zu einer stationären Aufnahme der Patientin entschlossen, um ihre Flüssigkeitsversorgung sicherzustellen.
„Die lange und sicher belastende Wartezeit resultierte wesentlich daraus, dass für die Patientin auf der Station ein Isolierzimmer benötigt wurde, das wegen des hohen Patientenaufkommens nicht schneller verfügbar war“, so der Sprecher weiter. Während sie auf das freie Isolierzimmer gewartet habe und nach erfolgter Behandlung habe die Patientin in einem Zimmer im Bereich der Notaufnahme mit Bett, Notfallklingel und gedämmten Licht gelegen. Nach der stationären Versorgung sei sie dann bereits nach wenigen Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. „Gerne erneuern wir auch unsere Einladung an die Patientin beziehungsweise deren Angehörige zu einem gemeinsamen Gespräch, um im direkten Austausch Details zur Versorgung und die Abläufe in der Notaufnahme zu erläutern“, hieß es aus dem Klinikum Bremen-Nord.
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