Szenarien für den Nahverkehr 2040
Bis 2040 soll der Nahverkehr vollständig emissionsfrei sein. Die Elektrobusse, die seit 2025 in Bremen-Nord eingesetzt werden, zeigen, wohin die Reise geht. Foto: nik
Artikel vom: 13.01.2026
Bremen – (nik) Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat ein Gutachten zur Kostenentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs im Bundesland Bremen erarbeiten lassen. Dies soll einen detaillierten Überblick über den künftigen Finanzierungsbedarf ermöglichen. Hohe verkehrspolitische Erwartungen würden auf unzureichende Strukturen treffen, wird die Problemstellung umrissen. Bezüglich der Kostenentwicklung ist von einer „nachgeholten Inflation für ein ganzes Jahrzehnt in nur drei Jahren“ die Rede. Die kommunalen Finanzen seien absehbar durch Energie- und Wärmewende belastet und das Deutschland-Ticket habe durch den „Bedeutungsverlust der Tarife“ den Aktionsradius verengt. Es finde ferner ein harter Wettbewerb um qualifiziertes Fachpersonal statt, der sich kostensteigernd auswirke.
Für den Zeitraum bis ins Jahr 2040 wurden daher zwei verschiedene Modellszenarien entwickelt, welche an den verkehrspolitischen Zielen der Regierungskoalition orientiert seien. Als eigene Ziele nennt der Verband, die steigenden Kosten aufzufangen und Spielräume zu schaffen. Den Aufwendungen der Verkehrsunternehmen werden die Fahrgeldeinnahmen gegenübergestellt, aus der Differenz errechnet sich der Finanzierungsbedarf aus öffentlicher Hand. Als Basisjahr bilden die Zahlen aus 2024 die Grundlage: Von Aufwendungen in Höhe von 370 Millionen Euro stammen 110 Millionen aus dem Fahrscheinverkauf. Das Deutschland-Ticket zahlt darauf nicht ein, sondern findet sich in der öffentlichen Finanzierung wieder (bundesweiter Ausgleich), die mit 245 Millionen den größten Posten bildet. Auf „sonstige Erlöse“ etwa aus Werbung, Vermietung oder wie bei der BSAG dem Verkauf kleiner Modellfahrzeuge entfielen immerhin zehn Millionen. Aufgeschlüsselt nach Verkehrsarten liegt der Finanzierungsbedarf bei Bussen und Straßenbahnen bei etwa 40 Prozent, beim regionalen Schienenverkehr sind dies 19 Prozent.
Das Szenario „Modernisierung 2040“ legt dabei den Fokus auf den Erhalt der bestehenden Substanz mit „umfassender Modernisierung von Infrastruktur und Fahrzeugen“. Hierfür sei ein jährlicher Aufwuchs der öffentlichen Finanzierung von 4,4 Prozent erforderlich, womit bis 2040 eine Verdopplung erreicht wäre. Das Fahrgastaufkommen würde um neun Prozent steigen. Ein ehrgeizigeres Szenario mit dem Titel „Deutschlandangebot 2040“ gehe hingegen „den entscheidenden Schritt weiter“: Es sieht eine flächendeckende Angebotsausweitung und den Ausbau der Kapazitäten vor. So soll flächendeckend ein „Mindestbedienstandard“ erreicht werden, womit sicher ländliche Regionen gemeint sind. So stelle man strukturelle Gerechtigkeit her. Eine Antriebswende bei Bussen soll zügig eingeleitet werden, wofür in Bremen-Nord im vergangenen Jahr schon ein großer Schritt getan werden konnte. Die Fahrplanleistung der Straßenbahn soll um 40 Prozent gesteigert werden, die Fahrpläne um fünf Prozent beschleunigt. Dies sei durch optimierte und priorisierte Ampelschaltungen zu erreichen. Ferner soll das bestehende Netz ausgebaut werden. Das Szenario sieht eine jährliche Steigerung der Finanzierung von 7,1 Prozent vor, womit im Jahr 2040 ein Volumen von 740 Millionen Euro erreicht wäre. Diesem Finanzierungsbedarf stehe ein stark gestiegener Nutzen gegenüber.
Ein Transformations-Fahrplan sieht vor, dass zunächst ein „Modernisierungspakt“ geschlossen und dafür ein Finanzierungspfad festgelegt werden soll. Ab dem Jahr 2028 will man beim sogenannten „Deutschland-Takt“ in die Umsetzung kommen. Man rechnet für das Jahr 2032 mit ersten autonomen Fahrzeugen, bis dahin sollen zudem Papiertickets der Vergangenheit angehören. Als Ziel im Jahr 2040 will man dann deutschlandweit emissionsfreien Nahverkehr erreicht und die Fahrgastzahlen deutlich gesteigert haben. „Ein leistungsstarker, klimafreundlicher ÖPNV ist nicht zum Nulltarif zu haben. Nur mit substanziellen, dauerhaft wachsenden Mitteln kann in der Freien Hansestadt Bremen die Qualität des öffentlichen Verkehrs gesichert und zukunftsfähig gestaltet werden“, äußert der Verband. Ein klares Bekenntnis der Politik zum öffentlichen Verkehr sei dafür unerlässlich: „Die Politik muss dem ÖPNV den Stellenwert geben, den er in der Lebenswirklichkeit vieler Menschen längst hat.“
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