Schulen als smartphonefreie Zone

Fokus auf Konzentration und Leistung: Verbot privater Handynutzung ab dem 1. Juni 2025

Für die Bildungssenatorin gibt es keinen guten Grund, weshalb Schulkinder ständig telefonisch erreichbar sein sollten.  Foto: rdr

Artikel vom: 25.05.2025

Bremen (nik) – Sascha Karolin Aulepp ist seit 2021 Senatorin für Kinder und Bildung in Bremen. Im Interview spricht die Juristin, Richterin und Politikerin über Probleme bei der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen.

Das BLV: Frau Senatorin, Sie haben ein Pauschalverbot privater Handynutzung an allen Bremer Schulen erlassen. Was soll damit denn erreicht werden? 

Sascha Karolin Aulepp: Handys lenken ab, stören die Konzentration und behindern die Schülerinnen und Schüler beim Lernen. In den Pausen sollen die Kinder und Jugendlichen miteinander sprechen, sich bewegen, den Kopf frei haben, damit sich das Gelernte festigt, und nicht aufs Handy starren. Das bestätigen uns die Bildungsforscher sehr einhellig. Auch die Kinder- und Jugendärzte sagen mir, sie sind so froh, dass die Kinder in Kita und Grundschule einen handyfreien Raum haben, für die psychische und für die körperliche Gesundheit der Kinder und Jugendlichen.

Wenn man die Schüler danach fragt, werden sie sagen: Handys sind doch eh schon verboten und ihre Eigenverantwortung betonen… 

Ja, das stimmt, ich habe mit Schülerinnen und Schülern gesprochen, das wird mir auch gesagt. Aber es gibt auch diejenigen, die genau wissen: eine Auszeit, oder „Digital Detox“, wie sie das nennen, würde mir gut tun. Aber wenn alle anderen weiter online sind, schaffe ich das nicht. Es ist eine Entgrenzung, das Gefühl, etwas zu verpassen, immer sofort antworten zu müssen, weil sonst die anderen vielleicht sogar anfangen zu lästern. Wenn alle das Handy aus und in der Tasche haben, sollte das auch allen leichter fallen.

Wie schätzen Sie denn die Verantwortlichkeit der Eltern ein? Wie erklären die es den Jugendlichen? 

Es ist völlig klar, dass Schule nicht alles regeln oder die Welt retten kann. Schule kann zeigen, dass es ohne Handys geht, und Medienkompetenz lehren. Wir haben dafür eine Eins-zu-eins-Ausstattung: Jedes Schulkind verfügt über ein Tablet. Die Lehrkräfte sind mit den angebotenen Fortbildungen gut aufgestellt, den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln. Aber Eltern haben schon die Verantwortung, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wenn das Handy beim Essen ständig auf dem Tisch liegt, ist das blöd. Und wenn es klingelt, muss man es nicht direkt zur Hand nehmen. Es ist wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern direkt reden, Interesse zeigen. Gerade im Grundschulalter sollte man schon fragen, wofür die Kinder das Handy überhaupt brauchen.  Auch das Bedürfnis von Eltern, immer zu wissen, wo ihr Kind ist und es immer erreichen zu wollen, ist eine Form der Entgrenzung.

Wie soll die praktische Umsetzung des Verbots aussehen? 

Die Schulleitungen haben gesagt, sie finden ein generelles Verbot gut. Das konkrete Kontrollieren, die praktische Umsetzung können wir als Behörde ihnen nicht abnehmen, aber wir können ihnen den Rücken stärken. Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Handy ausgeschaltet in der Tasche lassen, oder auch „Handygaragen“ in denen die Geräte während der Schulzeit aufbewahrt werden. Die Lehrkraft kann nun das Verbot durchsetzen und sich dabei auf die Behörde berufen. Man könnte sagen: „Steck es jetzt ein, beim zweiten Mal steck ich es ein.“ Dann bleibt es definitiv bis Unterrichtsende außer Reichweite „geparkt“.

Bremen wurde mal als Versuchslabor für die Republik bezeichnet. Denken Sie, dieser Schritt könnte auch andere Bundesländer dazu bewegen, dem Beispiel zu folgen? 

Wir diskutieren das unter den Bildungsministern der Länder schon eine ganze Weile. Ich habe nun gesagt, wir machen das jetzt, wir schaffen eine klare Regelung. Und auch die neue Bildungsministerin im Bund, Karin Prien, vorher Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, findet die Idee gut. Sprache ist die Grundlage für alle Lernerfolge, und darauf wollen wir uns fokussieren. Da gehört auch zu, miteinander zu sprechen. Wir haben in den Grundschulen mit dem „Leseband“ eine gute Grundlage dafür geschaffen. Dringend und unbedingt brauchen wir aber nun Bildungsinvestitionen, um Schulbau, Sanierung und Ganztag zu ermöglichen. Daher halten wir daran fest, dass sich der Mitteleinsatz hier mindestens an den anderen Stadtstaaten orientiert.


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