Vermülltes „Goldstückchen“?

Sicherheitsempfinden in der Vegesacker Fußgängerzone ist unterschiedlich ausgesprägt

Auch vorm Stadthaus und dem Netto-Markt in der Fußgängerzone wird das Elend mancher Menschen deutlich. Foto:rdr

Artikel vom: 16.05.2024

VEGESACK (RDR) – Auf der Tagesordnung der jüngsten Vegesacker Beiratssitzung stand unter anderem der Punkt „Sicherheit in der Fußgängerzone“. Gleich zu Beginn erklärte Ortsamtsleiter Gunnar Sgolik, dass es dem Ordnungsamt nicht möglich gewesen sei, der Einladung zu folgen und einen Referenten zu entsenden. Jan Müller, Leiter der Polizeiinspektion Nord-West, betonte, wie wichtig es sei, dass bei Straftaten Anzeigen erstattet würden. Jörn Gieschen, Geschäftsführer vom Vegesack Marketing, berichtete von einem Runden Tisch mit Akteuren aus Vegesack, zu dem er kürzlich eingeladen hatte.

Bei den etwa 15 Teilnehmern habe er nach den Themen Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit gefragt. Müll sei dabei als größtes Problem benannt worden. Zudem habe das Vegesack Marketing Schnellmeldeformulare verteilt, damit von Diebstahl betroffene Kaufleute ohne größere Umstände Strafanzeige erstatten können. Mehrfach sei auch das Stadtbild mit einigen Obdachlosen angesprochen worden, berichtete Jörn Gieschen weiter. Würden diese in Hauseingängen, also auf privatem Grund, campieren, dann hätte das Ordnungsamt keine Handhabe. Das Vegesack Marketing wende sich nun mit einem Formular an die Eigentümer, die damit Wohnungslosen das Belagern dieser privaten Flächen untersagen können.

Jörn Gieschen betonte, man wolle damit keine Verdrängungseffekte erzielen, sondern auch den Betroffenen mögliche Alternativen aufzeigen. Bettelei in der Fußgängerzone sei ebenfalls ein großes Thema, so Jörn Gieschen weiter. Thomas Kötteritzsch, Revierleiter in Vegesack, erklärte, es gebe Grenzen beim Einschreiten durch Polizei oder Ordnungsamt. In der Regel werde in Vegesack nicht aggressiv gebettelt. Obdachlose, Alkoholiker und Bettler würden zur Gesellschaft gehören und seien zum Teil krank. Kaufmann Thorsten Michaelis von Lederwaren Michaelis berichtete von einem versuchten Einbruch in sein Geschäft vor einigen Wochen. Davor hätten es Täter vor 25 Jahren versucht. Grundsätzlich fühle er sich recht sicher.

Julia Riske, Leiterin der Geschäftsstelle des NABU in Bremen-Nord, erklärte, sie fühle sich recht sicher, was mögliche Einbrüche betrifft. In der Dunkelheit beschleiche sie in der Fußgängerzone allerdings ein mulmiges Gefühl. „Die Angst ist da“, sagte sie. 

Ein Schausteller berichtete von seiner Mutter, die als Angestellte in der Vegesacker Innenstadt arbeitet. Diese sei in den vergangenen Jahren mehrmals überfallen worden, als sie Tageseinnahmen zur Bank bringen wollte. „Sie fühlt sich nicht mehr sicher.“ Für ihn selbst gelte das nicht. Ines Schwarz, CDU, merkte an, dass ihr Sicherheitsgefühl nicht groß sei. Ferner störe sie sich an der Bettelei.

Ingo Schiphorst, „Stimme Vegesacks“ sagte, dass er in der Vegesacker Fußgängerzone jeden Tag aggressiv angebettelt würde, wenn er sie frequentiere. Norbert Arnold von der SPD meinte, in seinem Umfeld habe er noch nie vernommen, dass sich jemand unsicher oder bedrängt fühle. Auch von einer Vermüllung wollte er nichts wissen. „Wir haben ein Goldstückchen als Fußgängerzone“, meinte der Sozialdemokrat.

Der Beirat fasste schlussendlich einen einstimmigen Beschluss. Darin wird unter anderem gefordert, dass das Ordnungsamt in einer weiteren Sitzung vorstellig werden soll. Ferner sollen durch das Vegesack Marketing und das Ortsamt weiterhin präventive Maßnahmen umgesetzt werden.


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