„Der Campus muss kommen“

Klares Bekenntnis für den nördlichsten Stadtteil

Die Themenliste war lang. Die gut besuchte Bürgerversammlung mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte in der Aula der Egge endete nach dreieinhalb Stunden.  Foto: th

Artikel vom: 07.12.2025

Blumenthal – (th) Der begrenzte politische Handlungsspielraum wurde auf dem angekündigten Bürgergespräch spürbar deutlich. Lang war die Wunschliste der zahlreich erschienenen Bürgerinnen und Bürger in der Aula des Schulzentrums Eggestedter Straße. Kritik fiel eher spärlich aus. Ein klares Bekenntnis für die Ertüchtigung und Belebung des nördlichsten Stadtteils lieferte Bürgermeister Andreas Bovenschulte gleich zum Auftakt. Blumenthal müsse vorangebracht werden, selbst wenn es nicht in einem Zug zu schaffen ist. Der Campus auf dem ehemaligen BWK-Gelände genieße eine hohe Priorität. 

„Wir benötigen die Ressourcen. Es ist ein harter Kampf, um die Prioritäten durchzusetzen.“ Schließlich sei Blumenthal am härtesten vom Strukturwandel betroffen. Der gesamte Abend entwickelte sich zusehends zu einer informativen Bürgerversammlung, so wie es sich Ortsamtsleiter Oliver Fröhlich in seinen Begrüßungsworten gewünscht hatte. Bereits zum zweiten Mal nahm Andreas Bovenschulte an dieser Veranstaltungsform teil und sicherte sein Durchhaltevermögen zu, indem er keiner Wortmeldung auswich. Es sei die wichtigste Eigenschaft, dass man zuhört und sich mit anderen Meinungen auseinandersetzt. Es dürften wiederum positive Entwicklungen nicht ausgespart werden. Blumenthal verfüge über zwei Gesichter, einem dörflichen Charakter stehe eine großstädtische Struktur gegenüber. Das spiegele sich in einer deutlichen Überalterung und dem Zuzug vieler junger Familien wider, überwiegend aus fremden Ländern. „Sie fordern uns heraus, indem neue Kitas und Schulen benötigt werden.“ Nicht ohne Stolz verwies Bovenschulte auf das Dillener Quartier, wo neue Schuleinrichtungen entstehen. Nach einem Verlust von 100 000 Einwohnern hätte das kleine Bundesland 50 000 neue hinzugewinnen können. Unverzichtbar für Bremen, weil das Land das größte Wirtschaftswachstum verzeichne. Die Liste der Fragen war lang. Gleich zum Auftakt meldete sich Peter Nowack vom Blumenthaler SV zu Wort. Das gut durchgeplante Projekt für den Bildungs- und Sportpark würde vom Sportamt gestoppt. Das sei für den Verein unverständlich, weil man junge Menschen für den Sport begeistern möchte. 

Dringender Handlungsbedarf sei geboten. Nowack erinnerte an einen Sentsbeschluß, den Antrag des BSV ganz oben auf die Liste zu setzen. Um den Zeitplan zu erfüllen, wurden die entstenden Plaungskosten zielgenau verwendet. Mithilfe des Sondervermögens könne man mehr bewegen, antwortete Bovenschulte. Man stehe im Wettbewerb mit anderen Antragsstellern. Unstrittig sei es, dass ein neuer Kunstrasenplatz und eine neue 3-Feld-Halle errichtet werden müsse. Die beantragte Tribüne würde gegenwärtig keine Berücksichtigung finden. Für den Verein sei sie unverzichtbar, weil sie zugleich über Räumlichkeiten verfüge und Teilbereich einer Multifunktionshalle sei. Im Namen des Beirates sprach sich Sprecher Hans Gerd Thormeier (CDU) für das Anliegen des Vereins aus, weil von einem positiven Bescheid weitere Vereine und Institutionen profitieren würden. Er plädierte für eine Komplettlösung und untrerstrich sein Interesse, mit dem Sportamt zu sprechen, um den Breitensport zu fördern. Auch Marc Pörtner (Grüne) plädierte dafür, den vorliegenden Antrag zu bewilligen.

Immer wieder tauchte an dem Abend das Thema 30 km/h - Zonen auf. Während es Stimmen für eine Ausweitung gab, votierten weitere Teilnehmer für eine zeitliche Befristung bis in die frühen Abendstunden. Andreas Bovenschulte befürwortete Geschwindigkeitsbegrenzungen. Zusätzliche Blitzer müssten eingesetzt werden. Auch Ampeln und Zebrastreifen würden Sinn machen, so einzelnen Bürger. Die Zukunft des Freibades Blumenthal bleibt offen. Bovenschulte sprach sich für einen Neubau in Vegesack aus, mittig gelegen im Bremer Norden. Ausreichende Parkplätze standen auf der Wunschliste, während viele Anwohner sich über zugeparkte Straßenabschnitte beschweren. Illegale Müllanlagerungen bleiben ein ständiges Ärtgernis. Es müsse eine einheitliche Zuständigkeit für die Müllentsorgung her, so Bovenschulte. Zugleich sprach er sich für eine Verpackungssteuer aus, um zugleich den Reiningungsdienst zu entlasten. Einzelne Containerplätze müssen in kürzeren Abständen geleert werden. Ein weiteres Thema: bessere Versorgung mit pädagogischen Kräften an Schulen und Kitas. Personal müsste für die Schulen motiviert werden, wo sich Bedarfe abzeichnen, wie es Marc Pörtner (Grüne) vorschlug. Unzureichende Unterstützung gebe es für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen.

Bovenschulte verwies auf die großen Anstrengungen, zusätzliche Assistenzen zu schaffen, weil die Nachfrage erheblich gestiegen sei. Allein für die Unterrichtsversorgung mussten bis zu 60 neue Schulklassen errrichtet werden. Inzwischen wären im Kitabereich nahezu genügend Plätze geschaffen worden. Sprachförderungsmassnahmen müssen zur Pflicht werden. Auf Zugverspätungen hätte das Land Bremen keinen Einfluss. „Wir schreiben aus, die Bahn muss liefern“. Auch das Verlegen von Kabeln bleibe in den Händen einzelner Firmen, die sich auf dem freien Markt bewegen. Für das veraltete Gebäude der FF Blumenthal müsse eine Regelung getroffen werden, versprach der Bürgermeister. Längere Wartezeiten in der Notaufnahme des Klinikums hänge mit fehlendem Personal zusammen. Aber die Abteilung bleibe bestehen. Die Zahl unbegleiteter Flüchtlinge richte sich nach der Quote. Diejenigen, die unter 18 sind, müssen zunächst verpflichtend in Obhut genommen werden.


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