„Verganges ist nicht tot“

Walter Sassenberg hat sein Leben von der Geburt bis zum Erwachsenwerden aufgeschrieben

Walter Sassenberg vor einem von ihm selbst gemalten Bild seines Großvaters Karl Heinrich Tönjes Sassenberg. Foto: rdr

Artikel vom: 10.03.2025

Vegesack – (rdr) „Ich schreibe gerne“, sagt Walter Sassenberg. Und so hat der 84-Jährige auch schon die Lebensberichte von Vater und Großvater verfasst. Beide Werke sind im Dokumentationszentrum Blumenthal untergebracht. „Vergangenes ist nicht tot“, findet der 84-Jährige, der nun seine eigene Lebensgeschichte aufgeschrieben hat. 

   Los geht es mit seiner Geburt am 8. April 1940 – mitten im Zweiten Weltkrieg. Als die Wehen bei seiner hochschwangeren Mutter Anna einsetzten, sei diese allein von Hammersbeck über Löh- und Lindenstraße bis zum damaligen Hartmannsstift gegangen. Der Vater Wilhelm war zu der Zeit beim Wehrdienst in Husum.

Walter Sassenberg wuchs als jüngstes von drei Geschwistern in der Bokelbergstraße in Fähr-Lobbendorf auf – an einem Ende befand sich Semkens Wiese, an dem anderen die Schillerschule. Zunächst ohne Badezimmer und Toilette, welche erst später eingebaut wurden. Für die Nachtwäsche diente eine Porzellanschüssel, und unterm Bett stand das Nachtgeschirr. In seiner frühen Kindheit habe es oft und häufig nachts Fliegeralarm gegeben. „Dann musste es schnell gehen“, sagt Walter Sassenberg. „Geschlafen wurde deshalb angezogen.“ Der Vater des Vegesackers geriet in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst am 27. Juli 1945 heim. 

In einem der Hungerjahre nach dem Krieg sei der Gemüsegarten hinterm Haus zum Tabakanbau zweckentfremdet worden. In Heimarbeit wurden Zigaretten hergestellt, die bis zur Währungsreform als Werteinheit galten. Der 84-Jährige erinnert sich an das Rattern der Vulkan-Niethämmer während seiner Kindheit und an den Geruch, wenn bei entsprechendem Wind Schafwolle auf der Wollkämmerei gewaschen wurde. 

Er erinnert sich an das Gerhard-Rohlfs-Denkmal im Grünzug der Schulkenstraße und an die ehemalige „Wolfs Bude“, wo es Tabakwaren und Süßigkeiten gab. Bereits in jungen Jahren habe der Vegesacker Markt ihn angezogen, und dort insbesondere die Sankt- Moritz-Bahn mit der Delle in ihrem Rundkurs, berichtet sich Walter Sassenberg. Er kann sich auch entsinnen, wie der Sedanplatz immer wieder bauliche Veränderungen erfahren hätte – beispielsweise durch den Bau des Bürgerhauses und des Finanzamts. Von reichlich Gewerbe an dieser Stelle spricht der Vegesacker rückblickend und zählt beispielhaft zwei Gaststätte auf, die von Schorse Wichards und Bonifacio Pradella betrieben wurden. Ab Ecke Bermpohlstraße folgte die Gaststätte Steengrafe. In Richtung Fährgrund habe es Foto Maak nebst Tabakwaren Bender gegeben und weiter unten den Bierverlag von Harald Lausen. Heute wie damals gebe es dort Taschen und Koffer bei Lederwaren Michaelis. Walter Sassenberg beschreibt die heutige Fußgängerzone, die nicht immer eine war, und dass dort die Busse der Linien N, O und S in beide Richtungen durchgefahren seien. Zwei Kinos habe es an der Stelle gegeben, wo Woolworth heutzutage Geschäfte macht.

Den Bericht über seine Kindheit bis zum Erwachsenwerden hat Walter Sassenberg 2024 verfasst. Wer Interesse an der Lektüre oder am Austausch mit dem 84-Jährigen hat, kann sich unter Telefon 0421 / 66 19 69 bei Walter Sassenberg melden. 


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