„Liebe und Krieg“

Die Feldpostbriefe der Eltern von Egbert Heiß

Egbert Heiß hat die Feldpostbriefe seiner Eltern, die sie sich von 1940 bis 1945 geschrieben haben, zusammengefasst. Foto: AS

Artikel vom: 23.01.2022

Bremen-Nord – (AS) Dies sei sein Projekt während des Corona-Lockdowns gewesen, berichtet der Nordbremer Egbert Heiß. Er hat über 1500 Feldpostbriefe, 5000 Seiten, seiner Eltern gesichtet und daraus ein Buch erschaffen.

Einfach nur leben, sich lieben und beisammen sein – das wünschten sich die Eltern von Egbert Heiß. Es dauerte Jahre, kostete viel Mut und ein halbes Bein, bevor sich ihr Wunsch erfüllte. Erst Monate nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sie ihr gemeinsames Leben beginnen und ihre beiden Söhne, Kriegskinder, aufziehen.
Hoffnung, Zuversicht und Liebe stehen im Mittelpunkt, manchmal auch Verzweiflung, Mutlosigkeit und Trauer. Er, Toni, Soldat, sie, Resi oder auch Peter, erst berufstätig, als Mutter dann Hausfrau, berichten einander von ihrem Alltag und dokumentieren dabei einen Teil des Geschehens an der Front und zu Hause. Besonders ist ihre Kameradschaft, ihr Zusammengehörigkeitsgefühl, das gegenseitige Mut geben in Zeiten eines von Deutschland ausgegangenen Krieges.
90 Prozent der Menschen, mit denen er über das Thema gesprochen habe, berichten, dass ihre Eltern nichts über die Zeit erzählt hätten. „Was ist in diesen ganz normalen Durchschnittsmenschen vorgegangen?“, habe er sich gefragt, und: „Wie waren sie damals drauf?“
Die Geschichte sei authentisch, weil es sich um Briefe handele. Für ihn seien sie sehr empörend gewesen, aber auch sehr anrührend. Er hat die Briefe erläuternd zusammengefasst und „in die Zeit geordnet“. Mehrfach schreibt er beispielsweise, dass das Stichwort „Juden“ lediglich drei Mal in ihrer Korrespondenz – und auch eher am Rande – vorkommt. Und Toni glaubt erst an den Krieg gegen die Sowjetunion, als er direkt vor seiner Nase beginnt.
„Alle gut gemeinten Tugenden wie Idealismus und Vaterlandsliebe, Treue und Ehre, Tapferkeit und Kameradschaft, Opferbwereitschaft und Nächstenliebe wurden missbraucht und ad absurdum geführt“, schreibt Egbert Heiß in seinem Resümee.
Neben den Abbildungen einiger Originalbriefe sind auch Fotos aus dem Leben seiner Eltern zu sehen. Eine Chronologie und ein persönliches Nachwort ergänzen das Buch.
„Liebe und Krieg – Die Feldpostbriefe meiner Eltern 1940 bis 1945“ umfasst 492 Seiten. Das gebundene Buch ist beim Kellner Verlag Bremen erschienen und im Buchhandel für 24,90 Euro erhältlich. Eine Lesung mit Egbert Heiß, gemeinsam mit Christa Präger, ist für Donnerstag, 12. Mai, 19.30 Uhr, im Vegesacker Geschichtenhaus, Zum Alten Speicher 5A, geplant. Eintrittskarten gibt es für fünf Euro in der Buchhandlung Otto&Sohn, Breite Straße, Telefon 0421/6611610.


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