Fetziger Fusion-Rock mit levantinischen Klängen

Mitreißendes Konzert von Selin Sümbültepe zum Abschluss der Reihe „Women in (E)-Motion

"We must speak up more about Palestine" erklärte sich Selin Sümbültepe mit der Bevölkerung im Gazastreifen solidarisch.   Foto: nik

Artikel vom: 03.10.2025

Vegesack – (nik) Über den vergangenen Monat hinweg fand in Bremen und umzu die Konzertreihe „Women in (E)-Motion“ statt. Zum Abschluss trat am Dienstag Selin Sümbültepe mit ihrer Band im Kito auf. Sie ist eine türkischstämmige Songwriterin und kann als Flötistin ein Studium am Konservatorium von Istanbul vorweisen. Ihre Lieder vermengen türkische und arabische/levantinische Einflüsse mit funkigem Fusion Rock. „I am working between the Genres“ sagt sie dazu. Damit gelang es ihr schnell, das Publikum von den Stühlen zu reißen. Ihre EP „Hemhal“ wurde von Zeid Hamdan produziert, der laut CNN zu den einflussreichsten kulturellen Köpfen des Libanon zählt. Hier werden also Brücken gebaut. Wir haben vor dem Konzert mit Selin sprechen dürfen und sie unter anderem nach den Bremer Stadtmusikanten gefragt.

Das BLV: Ist das dein erster Aufenthalt in Deutschland?

Selin Sümbültepe: Es ist nicht mein erster Aufenthalt hier, aber jeder Besuch fühlt sich ganz anders an, je nach Stadt, Publikum und Atmosphäre. Im Frühjahr 2025 hatten wir zwei Konzerte in München, und jetzt freue ich mich sehr, zum ersten Mal in Bremen zu sein. Die Stadt ist Teil meiner ersten Europatournee, die auch Konzerte in der Schweiz und in Frankreich umfasst.

Magst du uns ein wenig darüber erzählen, wo du herkommst und wie du zur Musik gefunden hast?

Ich komme ursprünglich aus Hatay, einer multikulturellen Stadt im Süden der Türkei am Mittelmeer. Dort leben viele Kulturen und Religionen zusammen, und das hat mich sehr geprägt. In Istanbul habe ich Querflöte studiert, doch mit der Zeit habe ich meine eigene Stimme als Singer-Songwriterin gefunden: eine Mischung aus Folk-Wurzeln, Pop und Klängen aus dem Nahen Osten.

Was hat dich nach Bremen zu diesem kleinen Festival geführt?

Mir gefällt der Geist von „Women in E-motion“ sehr. Es gibt den Stimmen und Geschichten von Frauen Raum, und das bedeutet mir viel. Hierher zu kommen, bedeutet für mich nicht nur aufzutreten, sondern auch zu teilen und sich zu verbinden.

Das müssen wir fragen: Sind unsere Bremer Stadtmusikanten auch in der Türkei bekannt?

Ja, die Bremer Stadtmusikanten kennen in der Türkei viele, vor allem als Kindermärchen. Viele von uns sind mit dieser Geschichte aufgewachsen, und deshalb fühlt es sich ein wenig an, als würde ich in die Heimat eines Märchens eintreten.

Du hast dein Album mit Zeid Hamdan produziert, der in den Medien als eine der führenden Persönlichkeiten der Kultur im Libanon bezeichnet wird. Wie kam die Zusammenarbeit zustande, und wird er auch bei dem Konzert mitspielen?

Ich hatte schon lange den Traum, ein Album zu machen, das türkische und arabische Einflüsse verbindet. Ich habe Zeid direkt über Instagram kontaktiert, und dann haben wir per E-Mail weitergeschrieben. Er hörte sich meine Demos an, und gemeinsam haben wir einen Plan entwickelt. Später verbrachten wir vier intensive Tage im Studio in der Türkei, in denen die ersten Entwürfe der EP entstanden. Durch Zeid kam auch die Verbindung zum Label MDLBEAST zustande, und so hat sich vieles weiterentwickelt. Zeid hat die Songs produziert, aber wir haben noch nie zusammen auf der Bühne gestanden. Dennoch ist seine Energie immer in der Musik spürbar.

Danke, dass dur dir die Zeit für uns genommen hast. Ich bin nun richtig gespannt!

Wonach wir Selin Sümbültepe leider nicht gefragt haben: Hatay im Süden der Türkei ist die Region, die 2023 durch ein verheerendes Erdbeben verwüstet wurde. Auf der Bühne betonte sie das mehrmals und erzählte, dass viele Menschen, sie eingeschlossen, Verwandte und Freunde verloren hatten.  Ein Lied darüber könne man auch als Anklage an die Politik verstehen. Ein sehr trauriges Lied war zudem dem Leid der Menschen in Gaza gewidmet: „We must speak up more about Palestine“ forderte sie ein.

Ein fetziger Song über großstädtischen Stress in der Liebe kann auf Deutsch als „Das Gift von Istanbul“ betitelt werden. Zu den Liedern der EP „Hemhal“ hat sie mehrere Musikvideos produziert, etwa das Video zu „Ma Ureedu“ das vor Lebensfreude sprüht und das orientale Lebensgefühl spürbar macht. Sie erzählt, das Lied baue auf etwas auf, was sie ihre Urgroßmutter in der Küche singen gehört hatte. Beim Übersetzen einiger Passagen muss sie online nachschlagen, wie denn der Sirup heißt, der aus den Schoten des Johannisbrotbaums hergestellt wird.

Nach dem Auftritt gehe die Europa-Tournee direkt nach Frankreich weiter. Wer den Abend im Kito verpasst hat, kann es sich schonmal im Kalender eintragen: Das Konzert wurde für den Hörfunk aufgezeichnet und soll am 13. Dezember auf Bremen zwei gesendet werden.


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