„Wir haben Zeit für dich!“

pro familia bietet eine offene Sprechstunde für Jugendliche und junge Erwachsene an

Maren Kick lädt Jugendliche und junge Erwachsene zum Gespräch ein.  Foto: as

Artikel vom: 22.07.2026

Bremen-Nord – (as) „Über das eigene Leben zu bestimmen, ist ein kostbares Gut, dem immer wieder droht, beschnitten zu werden“, sagt Maren Kick von der pro familia Beratungsstelle Bremen-Nord.

„Wir haben Zeit für dich!“, bietet sie ab sofort Jugendlichen und jungen Erwachsenen an. In der offenen Sprechstunde könne es um Liebeskummer, Stress mit den Eltern, um Fragen der Identität, Träume, Sexualität und mehr gehen. „Es soll ein Angebot sein, das nichts mit der Schule zu tun hat und wobei die Eltern nicht involviert werden“, unterstreicht Maren Kick.

Sie ist seit 25 Jahren Beraterin bei pro familia. Auf die sozialen Medien schaut sie mit einem besonderen Blick. Sie weiß, Jugendliche wollen zu Gruppen dazugehören, anerkannt und geliked werden. Dabei blieben sie oft in den Nächten wach und seien in den sozialen Medien unterwegs und verlören so das Gefühl dafür, herunterzufahren und abzuschalten.

Abgesehen von fragwürdigen „Challences“ – Herausforderungen, von denen die Jugendlichen meinen, sich ihnen stellen zu müssen – und der Gefahr, von Älteren ausgenutzt zu werden, hätten sie Zugang zu pornografischem Material und bekämen so ein falsches – oft gewaltvolles – Bild von Sexualität.

„Sie können die Bilder nicht verarbeiten. Das ist psychische Vergewaltigung!“, so die Sexualtherapeutin. Es sei fahrlässig, ihnen den Zugang zu diesen Inhalten zu gewähren.

„Dieses unkontrollierte Überfallenwerden, von Menschen, die das ausnutzen! Sie sind den ganzen Tag beschäftigt, sich zu schützen. Und wir wissen, wie wichtig Schlaf ist.“ Sie fordert die Eltern auf, den Zugang zu Social Media frühestens ab 14 Jahren zu ermöglichen und Sperrfunktionen zu verwenden.

Doch die Eltern seien überfordert, den Schutz herzustellen und mit einem Verbot sei es nicht getan. Social Media gehöre in der heutigen Zeit zu den Kernkompetenzen, wie Mathe oder Deutsch. In der Politik sollten die Bildungs- und Gesundheitsressorts mehr zusammenarbeiten. Social Media müsse als Unterrichtsfach eingerichtet werden. „Wir hätten vor 25 Jahren schon loslegen können. Jetzt hängen wir 15 Jahre auf jeden Fall zurück“, unterstreicht Maren Kick und schlägt einen Bogen zur jüngeren Geschichte: wie pro familia 1952 für schwangere Frauen gegründet wurde, wie Anfang der 1960er Jahre die Pille zum Meilenstein in der Selbstbestimmung der Frauen geworden sei, wie und wo sie wieder in ihren Rechten eingeschränkt werden.

„Das hat etwas mit Demokratie zu tun. Wenn es Flucht gibt, hat es etwas mit totalitären, frauenfeindlichen, männerdominierten Systemen zu tun. Sexuelle Selbstbestimmung ist politisch. Es gilt, dafür ein Bewusstsein zu schaffen“, so Maren Kick.

Die offene Sprechstunde findet jeden zweiten Dienstag von 15 bis 16.30 Uhr in der pro familia Beratungsstelle Bremen-Nord, Meinert-Löffler-Straße 6a, statt.

Sie ist kostenlos und anonym, die Beraterin habe Schweigepflicht, auch bei Minderjährigen.

Weitere Informationen gibt es unter Telefon 0421 / 654333 und bremen-nord@profamilia.de. Anmelden könne man sich auch mit dem QR-Code oder spontan vorbeikommen.

Mehr über die Beratungsangebote von pro familia vor Ort gibt es unter www.profamilia.de/bremen-nord.


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