Wohnungsbau wird beschleunigt
Die Leitlinien für den Bau-Turbo sehen ein beschleunigtes Verfahren vor, um den Wohnungsbau zu fördern. Symbolfoto: th
Artikel vom: 26.04.2026
Ritterhude – (th) Die Gemeinde Ritterhude möchte den Wohnungsbau beschleunigen. Dafür verabschiedete der Gemeinderat eine umfangreiche Tischvorlage, die Leitlinien für den Bau-Turbo zum Inhalt hat.
Nach Ablauf einer Frist von drei Monaten gilt eine Zustimmung als erteilt
Auf diese Weise wird eine festgelegte Frist dafür Sorge tragen, dass nach Eingang eines Bauantrages oder einer Bauanfrage innerhalb von drei Monaten automatisch eine Zustimmung erfolgt, sofern vom zuständigen Bauamt keine Stellungnahme eintrifft. „Die Bundesregierung hat das Vorhaben auf den Weg gebracht“, so Michael Keßler, Leiter des Bauamtes. Dafür wurden in der Gemeinde zwei Workshops mit Gutachter durchgeführt, um die Leitlinien auszuarbeiten. Unmittelbar daran beteiligt waren aus dem Sachgebiet Bau, Planung und Umwelt Hannah Schröter und Lasse Rosenow. Für die Bearbeitung der Leitlinien sorgte die BPW Stadtplanung aus Bremen.
Vom Grundsatz bleibt der Gemeinderat für die Erteilung einer Zustimmung einer Baumaßnahme zuständig, die er bei Bedarf auf die Verwaltung übertragen kann. Für sämtliche Anträge, die nach dem Turbo-Bau-Verfahren infrage kommen, hat die Gemeinde entsprechende Leitlinien entwickelt.
Erhalt des Ortsbilds spielt eine Rolle
Die Basis dafür bilden Vorschläge, die im Kommunalverbund Niedersachsen / Bremen und im Rahmen der Strategischen Zielplanung der Gemeinde zum Thema Wohnen entwickelt wurden.
Dabei spielt der Erhalt des Charakters des Ortsbildes, Steuerung des Wohnungsmarktes und die optimale Nutzung der vorhandenen Freiflächen durch eine Verdichtung eine entscheidende Rolle. Zugleich nehmen eine klimaschonende Innenentwicklung eine größere Bedeutung ein, um ein ausgewogenes Verhältnis von Nachverdichtung und dem Erhalt von Grünflächen sicherzustellen.
Einem Turbo-Bau wird nur zugestimmt, wenn mindestens eine neue Wohneinheit geplant ist. Darunter fallen auch zusätzliche EinfamilienhäuserFortsetzung von Seite 1
sowie Wohnungen in Senioreneinrichtungen und Wohnheimen für Auszubildende, Senioren und Studenten.
Für Vorhaben im Außenbereich besitzt ein Verfahren nach dem Turbo-Bau Prinzip keine Gültigkeit. Daher bildet die Innenentwicklung von freien Grundstücken ein wichtiges Kernstück. Dafür können sich Baumaßnahmen von bis zu zwölf Wohneinheiten infrage kommen, vorbehaltlich der städtebaulichen Leitlinien. Auch die Teilung von Grundstücken in zweiter Reihe werden berücksichtigt.
Neuem Wohnraum in Gewerbegebieten auf ausgewiesenen Flächen finden jedoch keine Zustimmung, während in Mischgebieten eine Einzelfallprüfung möglich sei. Für ein Turbo-Verfahren kann eine Zustimmung wiederum mit Bedingungen verbunden werden. Denn es muss die städtebaulichen Vorstellungen der Gemeinde im Sinne einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung erfüllen. Daher spielen eine klimaschonende Gestaltung der Freiflächen eine wichtige Rolle.
Versiegelung in Vorgärten wird begrenzt
So muss eine Versiegelung der Vorgärten auf ein Minimum begrenzt werden, Stellplätze an der Grenze zur Straße durch eine Hecke umgeben sein und Zufahrten zur rückwärtigen Grundstücken eine maximale Breite von drei Metern aufweisen.
Eine Dachbegrünung von Carports und Garagen beziehungsweise offenen Stellplatzflächen sowie eine Fassadenbegrünung von Gebäuden sind Inhalt einer weiteren Vorschrift. Mit einem positiven Bescheid ist zugleich eine Bauverpflichtung verbunden, mit der innerhalb von drei Jahren begonnen werden muss.
Ab zwölf Wohneinheiten wird die Öffentlichkeit beteiligt
Bei einer Baumaßnahme ab zwölf Wohneinheiten wird die Öffentlichkeit beteiligt, so dass auch die Nachbarschaft gefragt ist. Das ist auch der Fall für Häuser, die in der zweiten Reihe vorgesehen sind oder durch ihre Größe das vorgesehene Maß deutlich überschreiten.
Aus den Reihen der einzelnen Fraktionen im Gemeinderat wurde für das Vorhaben einhellig Zustimmung signalisiert. Wolfgang Goltsche (Grüne) freute sich außerordentlich über das Gesamtergebnis, zumal die Landschaft nicht zersiedelt wird.
Als eine Fleißarbeit würdigte Uwe Lindemann (SPD) das Vorhaben. „Wir haben mit allen Parteien und Gruppen diskutiert und sie miteinbezogen. Es ist ein sehr gutes Dokument erstellt worden.“ Auch der Freidemokrat Wilfried Guttmann (Team Ritterhude) lobte das Resultat. „Wir sind dabei, es umzusetzen. Um gegebenfalls nachzusteuern, werden die Leitlinien nach einem Jahr wieder angesehen.“
Bürgermeister Jürgen Kuck (SPD) dankte allen Beteiligten für die engagierte Arbeit. „Wir haben uns schnell entschieden und gleich auf den Weg gemacht.“ Es sei eine Sisyphusarbeit gewesen, so Jürgen Kuck. Der Gemeinderat gab abschließend ein einstimmiges Votum ab.
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