„Warum mähen die hier nicht?“

Wiesenflächen in Knoops Park sollen zur Biodiversität beitragen

Die Aktion ist ein Gemeinschaftsprojekt des Fördervereins Knoops Park, des Umweltbetriebs und des Biohofs Blumenthal.  Foto: nik

Artikel vom: 01.06.2026

St. Magnus (nik) – Bei der Zusammenarbeit zwischen dem Förderverein Knoops Park, dem Umweltbetrieb Bremen und dem Biolandhof Blumenthal gewinnen alle, besonders aber die Insekten. Zwei „extensiv bewirtschaftete Flächen“ sollen den Tieren als Lebensraum zur Verfügung stehen. Darauf weisen jetzt mehrere Informationstafeln hin, die in der vergangenen Woche aufgestellt wurden. Der Vorsitzende des Fördervereins, Christof Steuer, erzählt, dass „Woldes Wiese“ auch dank einer Gasleitung erhalten bleiben konnte, die darunter verläuft und einer Bebauung entgegenstand. Auf einer Karte, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts erstellt wurde, könne man den historischen Weg erkennen, der damals bereits dort entlangführte. Die Wiese fungiere nun als Ausgleichsfläche für das Siedlungsgebiet Billungstraße.

Das andere Areal sei früher als „Homanns Wiese“ bezeichnet worden, weil das aber kaum jemandem etwas sage, habe man beschlossen, sie „Knoops Waldwiese“ zu nennen. Das Biotop sei von Ökologen der Universität Bremen kartiert worden, die dort 60 verschiedene Pflanzenarten feststellen konnten. Durch zweckgebundene Spenden wurde ferner ein Vogelschutzprojekt ermöglicht, bei dem die Brutvögel im Park wissenschaftlich dokumentiert werden. Siegfried Eisend, von Haus aus Ökologe, vertritt die Initiative Artenvielfalt Nordwest. Er verweist auf die bekannte „Krefelder Studie“, der zufolge  binnen 30 Jahren 70 Prozent der Insektenmasse verloren gegangen seien. Der Nahrungskette entlang betreffe das ebenso Amphibien, Vögel und Säugetiere: „Hast du das eine nicht, fällt das andere weg.“ So habe man schon etliche Projektgebiete in Bremen, Flächen, bei denen er denke: „Man kann das ganz anders entwickeln.“

Weitere Studien hätten ergeben, dass ein Mahdzyklus 60 bis 70 Prozent der Insekten ausradieren könne. Als Lösung sieht er deshalb, was er eine „Mosaikmahd“ nennt, die es den Tieren ermögliche, von der einen auf die andere Fläche überzusiedeln. Das erste Mähen der Extensivfläche sei frühestens für den 6. Juni geplant.

In der Praxis ist das allerdings umständlich, gab Biobauer Ulli Vey zu bedenken: Zuerst suche man die Wiesen per Drohne mit Wärmebildkamera ab, um sicherzustellen, dass keine Rehkitze im hohen Gras übersehen werden. Erst dann könne das Mähwerk zum Einsatz kommen, danach müsse das Heu gewendet werden, bis es schließlich in Rundballen gepresst werden kann. Wirtschaftlich sei das nicht, weshalb ein politisches Förderprogramm dafür aufgelegt wurde. Seitens des Umweltbetriebs sei man froh, dass sich jemand um die Flächen kümmert und man die Pflegekosten einsparen könne.

Um den Insekten Möglichkeiten zum Überwintern zu verschaffen, helfe es ebenfalls, Bereiche ganzjährig sich selbst zu überlassen. Im Sinne der Biodiversität müssen die Pflanzen auch die Möglichkeit haben, auszusamen. Die Informationstafeln sollen aufklärend wirken und im besten Fall auch dazu beitragen, dass Hundehalter ihre Tiere nicht frei auf den Wiesen laufen lassen: „Es geht um das Verständnis füreinander.“ Man habe es geschafft, eine neue Hundewiese näher an der Lesum auszuweisen, die zuvor als Bolzplatz genutzt wurde. Für die Tafel an Woldes Wiese habe man einen guten Platz gefunden, an dem sich zwei Wege kreuzen und auch bereits eine Parkbank vorhanden ist. Die Tafeln laden deshalb dazu ein, innezuhalten, das Treiben der Falter und Bienen zu verfolgen und die besondere Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.


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