Zwangsurlaub im Krisengebiet
Thomas Hannemann und Angelika Hirschmüller Hannemann – noch auf der MSC Euribia – vor der Kulisse von Doha. Foto: fr
Artikel vom: 08.03.2026
Blumenthal – (rdr) Thomas Hannemann und seine Frau Angelika Hirschmüller Hannemann hatten sich lange auf einen Traumurlaub gefreut. Am 20. Februar startete die Reise per Flug ab Hamburg. Auf der MSC Euribia ging es für das Paar dann übers Meer von Doha nach Bahrain, Abu Dhabi zur Privatinsel Sir Bani Yas und dann nach Dubai. Mit Start der Angriffe zwischen den USA, Israel und dem Iran gerieten die Hannemanns dann aber plötzlich in eine riskante Situation. Eigentlich hätten die Eheleute am 28. Februar in Richtung Heimat abfliegen sollen, aber dazu kam es nicht.
Am Flughafen angekommen, erhielt das Blumenthaler Paar 20 Minuten vorm Boarding die Nachricht, dass sich der für 15 Uhr Ortszeit geplante Abflug um zwei Stunden verschiebt, dann wurde er ganz gecancelt, weil der Luftraum aus Sicherheitsgründen komplett geschlossen wurde. Für die Hannemanns begann eine Odyssee – immer mit der Frage: Wie geht es weiter? Beide mussten unter anderem ihre Koffer wiederfinden und sich einen Voucher für ein Hotel besorgen sowie nach langer Wartezeit in einen Bus steigen, der sie zweimal zu einem jeweils ausgebuchten Hotel brachte. Auf dem Weg zum zweiten Hotel im Bus dann ein Schreck: Die Regierung löste einen Generalalarm aus. Auf allen Handys, die online waren, schrillte ein Ton. Zusätzlich wurde per Textnachricht vor Wrackteilen von Raketen gewarnt, die in der Luft abgeschossen wurden.
Um 5 Uhr morgens, also erst im dritten Anlauf, wurden Thomas Hannemann und Angelika Hirschmüller Hannemann dann tatsächlich in einem Hotel untergebracht. Am 1. März dann ein erneuter Schock: Das Paar saß zum Essen auf der Terrasse des Hotels, als es im Abstand von etwa zehn Minuten zweimal fürchterlich knallte. Trümmerteile einer abgefangenen israelischen Drohne waren auf das weltberühmte Burj Al Arab gefallen, was ein Feuer verursacht hatte. „Kein Flug in Sicht, aber angeblich wird alles getan“, so die Blumenthaler. Thomas Hannemann, der die Eindrücke auch auf Social Media dokumentiert, erklärt, er erlebe bei sehr vielen der Menschen im Netz völlige Empathielosigkeit. „Ich bin wütend und geschockt. Haben doch selber schuld, ist noch ein harmloser Satz“, berichtet der Blumenthaler.
Langsam bekomme man Lagerkoller, sagt Thomas Hannemann. „Es ist irgendwie kein Urlaub, obwohl man in einer der schönsten Ecken ist. Wir wollen nur nach Hause.“ Es gebe auch ganz viele Nachrichten und Anteilnahme von Freunden, Familie und den meisten Nachbarn. „Alle sprechen uns Mut zu und hoffen, dass wir heil nach Hause kommen.“ Das hoffen die Hannemanns natürlich auch. Am vergangenen Freitagmorgen hatte das Paar erneut gehofft, ein Flugzeug nach Deutschland nehmen zu können, aber auch das klappte wieder nicht. „Aber meine Tochter Dana Hannemann hat jetzt alles eigenständig von Deutschland aus geregelt!“, sagt Thomas Hannemann stolz. Danach soll das Paar am heutigen Sonntag um 3 Uhr früh Ortszeit von Dubai nach Frankfurt fliegen.
„Bloß weg hier“, sagt der Blumenthaler, bei dem am Freitagmittag erneut der Alarm auf dem Handy losging und er darüber vor Raketenangriffen gewarnt und aufgefordert wurde, sich ins nächstgelegene Gebäude zu begeben und sich fern von Türen und Fenstern zu halten. Sein Arbeitgeber sei zum Glück entspannt, sagt der Diplomingenieur Elektrotechnik über den ungewollt verlängerten Urlaub in der Krisenregion, der am heutigen Sonntag nach über einer Woche voller Ungewissheit enden könnte. Wir drücken die Daumen!
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