Constructor-Uni beruft Nobelpreisträger

Sir Konstantin Novoselov zum Präsidenten der Privathochschule ernannt

Sir Konstantin Novoselov (links) wurde von Dr. Serg Bell als neuer Präsident der Privatuni vorgestellt.   Foto: nik

Artikel vom: 06.03.2026

Grohn – (nik) Der Nobelpreisträger Sir Konstantin Novoselov wird der nächste Präsident der Constructor University. Das gab der Vorstand der privaten Hochschule, Dr. Serg Bell während des „Constructor Start Demo Day“ bekannt, einem Wettbewerb für Startup-Unternehmen. Er folgt auf Dr. Serguei Kouzmine, der die Position seit März 2025 innehatte.

In einem kurzen Vortrag stellte er sich vor und gab einen Ausblick auf die geplante Ausrichtung der Hochschule unter seiner Präsidentschaft. In Anlehnung an eine Kette von Spielwarenläden gab er das selbstbewusste Motto „Quantum R Us“ (Quantum sind wir) aus und gab eine Einschätzung zur Forschung auf dem Gebiet ab. Die Entwicklung nutzbarer Quantencomputer sei ein notwendiger Schritt: Herkömmliche Computerchips seien ausentwickelt. Moore‘s Gesetz, demzufolge sich integrierte Schaltkreise alle paar Jahre in ihrer Größe halbieren, habe seine Gültigkeit verloren. In Quantencomputern wird mit sogenannten „Qubits“ gerechnet:  Während übliche Bits nur die definierten Zustände Null oder Eins kennen, werden bei verschränkten QuBits die Werte Null und Eins aus einer Vielzahl möglicher Zustände ermittelt.

Die Herausforderung sei, diese Quantenzustände präzise ansteuern und interpretieren zu können. Novoselov sprach sich für einen „probabilistischen“ Ansatz aus, bei dem die Quantenzustände um die Einbeziehung von Wahrscheinlichkeiten ergänzt werden. Diese Systeme setzen spezielle physikalische Bedingungen wie Vakuum und sehr niedrige Temperaturen voraus. Dazu nannte er verschiedene Konzepte, bei denen etwa Ionen in einen „magnetischen Tunnel“ oder in ultradünnen Nano-Drähten eingesperrt werden. Ein photonischer Ansatz macht sich hingegen Lichtsignale zunutze. Solche Computer wären also in ihrer Funktionsweise weit von Schaltkreisen auf Siliziumplatten oder elektrischem Strom in Kupferdrähten entfernt. Novoselov zufolge müsse man nun das Ziel verfolgen, eine möglichst große Zahl solcher verschränkten Qubits nutzbar zu machen.  Bisherige Quantencomputer taugen zwar als Modelle, haben aber bei weitem zu wenig Qubits unter Kontrolle, um damit mehr anzustellen als mit herkömmlichen Rechnern.

Den Physik-Nobelpreis hatte Novoselov im Jahr 2010 für seine Forschung zu Graphen erhalten. Das ist eine Kohlenstoff-Struktur, die als zweidimensionaler Kristall beschrieben werden kann und damit die dünnste bekannte Form ist, in der ein Stoff vorliegen kann. Auch über das Graphen hinaus habe er sich um die Materialwissenschaften verdient gemacht. In einer Pressemitteilung bezeichnet die Constructor University es als „historic first“ für Bremen, dass eine Hochschule von einem Nobelpreisträger geleitet wird. Auch Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte gratulierte der Hochschule in einem Statement.


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