40 Jahre gelebte Freundschaft
Gunnar Sgolik, Patrizia Zanasi, Henning Scherf, Valter Cardi und Marco Eggert (von links). Foto: th
Artikel vom: 09.06.2026
Vegesack (th) – Ein Projekt feierte im Bürgerhaus kürzlich „40 Jahre gelebte Freundschaft“. Am Treffen nahmen Bürgerinnen und Bürger aus den beteiligten Kommunen Marzabotto und Vegesack teil. Im Namen der Internationalen Friedensschule begrüßte Ekkehard Bohne die Gäste, unter ihnen Valter Cardi, Präsident des Regionalkomitees für die Ehrung Gefallener in Marzabotto, Bremens Bürgermeister a.D. Henning Scherf und Marco Eggert von der Deutsch-Italienischen-Gesellschaft. Grußworte wurden von dem früheren Bürgermeister Andrea de Maria verlesen, während Patrizia Zanasi aus Marzabotto ihre Begrüßung mit Bildern aus den vergangenen Jahren unterlegte. Mit einem flammenden Appell warb Henning Scherf für einen Frieden in Europa.
In der Gemeinde Marzabotto und Umgebung ließ die SS-Panzergrenadierdivision Ende September 1944 insgesamt 770 Menschen ermorden, darunter Kinder, Frauen und ältere Menschen. Sämtliche Bauernhöfe wurden in Brand gesetzt, berichtete Valter Cardi. „Heute feiern wir 40 Jahre gemeinsamen Weges, gegenseitigen Verständnisses, gemeinsamer Geschichten, Begegnungen, Projekte und vor allem die Begegnung von Menschen, die sich Tag für Tag dafür entschieden haben, zusammenzuhalten“, würdigte er die bestehende Freundschaft. Es sei eine zentrale Aufgabe, die Erinnerung an die Ereignisse lebendig zu halten und sie an die junge Generation weiterzugeben. Bewegende Worte richtete Henning Scherf an die Festgesellschaft. Sowohl seine Eltern als auch jene von Hans Koschnick wurden aufgrund ihrer Haltung in der Nazizeit eingesperrt und mussten ums Überleben kämpfen. Die Massenmorde der Nazis dürften nicht vergessen werden. Henning Scherf bekannte sich zu seiner klaren Entscheidung, den Kriegsdienst verweigert zu haben. „Wir dürfen nicht aufgeben, für eine Welt ohne Mordtaten zu werben, Freunde zu finden und füreinander da zu sein“, sagte er.
Die Anfänge der bestehenden Freundschaft reichen in das Jahr 1986 zurück, als ein Bus aus Vegesack zu einem Workcamp in Marzabotto eintraf, um die Gedenkstätte zu pflegen. Ein Jahr später kam eine Gruppe aus Italien, um auf der Bahrsplate einen Rosengarten anzulegen. Es entwickelte sich ein Dialog, der auf Achtung der Menschenrechte, der gemeinsamen Erinnerung und der Idee eines demokratischen Europas basiert.
Die Bürgermeister in Marzabotto konnten erreichen, dass mit Johannes Rau und Frank-Walter Steinmeier zwei deutsche Bundespräsidenten der Kommune einen Besuch abstatteten. „Beide haben mit eindringlichen Worten um Vergebung gebeten und uns daran erinnert, wie wichtig es ist, die Verantwortung für die eigene Geschichte und das zugefügte Leid anzuerkennen“, so Patrizia Zanasi. 1991 entstand die Städtepartnerschaft. Für Marco Eggert ein großes Anliegen, die Kontakte zu pflegen. Es sei wichtig, dass es stets genügend Aktive und Förderer gibt. Heiko Dornstedt, ehemaliger Ortsamtsleiter in Vegesack, zähle dazu. Sein Nachfolger Gunnar Sgolik würdigte die bestehende Partnerschaft, die von Menschen lebe, die sie mit Herzblut füllen. Abschließend ließ Anne Kuhn Geschichten aus den Workcamps Revue passieren. Dabei spielen Begegnungen von Jugendlichen im Lidice-Haus eine wertvolle Rolle. Ohne die Friedensschule wäre das Projekt nicht zustande gekommen.
Weitere interessante Artikel








