Begegnungen in Lidice
Bernd Kuschnerus, Kirchenpräsident der BEK, besuchte gemeinsam mit Detlev Hansing und Albrecht Uhl (v.li.) die Ortschaft Lidice und nahm am Gedenktag der Massaker mit anschließender Kranzniederlegung teil. Foto:th
Artikel vom: 22.06.2026
Bremen-Nord – (th) Eine Gruppe aus Bremen besuchte kürzlich die Ortschaft Lidice in Tschechien. Mit Bernd Kuschnerus, Kirchenpräsident der Bremischen evangelischen Kirche, Anne und Albrecht Uhl und Detlev Hansing aus Blumenthal wurden die bestehenden Verbindungen auf einer freundschaftlichen Basis vertieft. Gastgeberin und Bürgermeisterin Veronika Kellerová aus Lidice erinnerte an die Zeit, „an dem die Geschichte den tiefsten Abgrund menschlicher Grausamkeit erreicht hat. Die Nazis wollten nicht nur Gebäude und Mauern der Ortschaft zerstören, sondern den Namen Lidice von der Landkarte tilgen“.
Am 10. Juni 1942 machten die Gestapo und die SS alles dem Erdboden gleich, ermordeten 178 Männer und deportierten 195 Frauen in das KZ Ravensbrück. Von den ursprünglich 100 Mädchen und Jungen wurden 86 im KZ Kulmhof ermordet und insgesamt neun zur „Germanisierung“ zwangsadoptiert. Die Auslöschung von Lidice erfolgte als „Vergeltungsmaßnahme“ für das durchgeführte Attentat auf den Gestapochef Heydrich, der auf brutalste Weise als „Henker von Prag“ rücksichtslos inhaftieren und morden ließ. Nur 143 Frauen konnten in ihre Heimat zurückkehren und nach intensiver Suche 17 Kinder. In Sichtweite der verlorenen Häuser wagten die Frauen mit Stärke und Mut einen neuen Anfang. Unweit der Hauptstadt Prag gelegen, ist aus der völlig zerstörten Ortschaft inzwischen eine pulsierende moderne Gemeinde entstanden. Bürgermeisterin Veronika Kellerová bezeichnete den Ort als Leuchtfeuer der Hoffnung, „an dem Geschichte und Gegenwart miteinander verschmelzen“. Am wichtigsten sei heute das Lachen der neuen Generation von Kindern aus Lidice. Zum Auftakt der Gedenkfeiern fand am Vorabend des Jahrestages des Massakers ein Konzert mit dem Hauptorchester der Armee Tschechiens statt. Das umfangreiche Programm setzte sich aus Kompositionen tschechischer Komponisten und weiterer Weltautoren zusammen. Zuvor stellten zahlreiche Besucher Kerzen an den Orten auf, an denen sich ursprünglich die Gebäude befanden. Der Gedenktag begann mit einem Gottesdienst, wo sich die Kirche befunden hat. Da die Bevölkerung spürbar altert, rief der Pfarrer dazu auf, Familien zu gründen, um die gegenwärtig sinkende Geburtenrate im Land abzumildern. Inzwischen hatten sich Regierungs- und Botschaftsvertretungen in Tschechien sowie zahlreiche Organisationen zur Kranzniederlegung aufgestellt, begleitet von dem Musikkorps der Prager Burg. In einem gemeinsamen Abschlussgottesdienst mit Pastor Zdenek Turek in der benachbarten Stadt Kladno erinnerte Bernd an die grausame Vergangenheit, vor der man am liebsten seine Augen verschließen möchte. Doch Lidice wurde nicht aus dem Gedächtnis gelöscht. Er zeigte sich dankbar und tief bewegt, dass die Versöhnung und Freundschaft einen hohen Stellwert genießt, die er seit einigen Jahren miterleben darf. Es sei ein großes Geschenk. 1979 wurde die Lidice-Initiative in Bremen maßgeblich gegründet von dem früheren Pastor Ernst Uhl aus Lüssum.
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