Auf dem Weg zum Abitur

Erste erfolgreiche Schulabschlüsse an der Willkommensschule Bremen-Nord

Helin Naz Mol und Josh Jean Botchey gehören zu den Besten des ersten Abschlussjahrgangs.  Foto: nik

Artikel vom: 19.07.2026

Bremen-Nord – (nik) Hinter Helin Naz Mol und Josh Jean Botchey liegen zwei herausfordernde Schuljahre. Die beiden gehören zum ersten Abschlussjahrgang der Willkommensschule Bremen-Nord, die 2024 gegründet wurde. Der von ihnen erworbene Abschluss ist der MSA-GO, das bedeutet Mittlerer Schulabschluss, der zum Besuch der gymnasialen Oberstufe qualifiziert: Sie haben ihn als zwei der Besten geschafft.

Helin Naz Mol ist bis zur zehnten Klasse in der Türkei zur Schule gegangen. Sie ist bald 19 Jahre alt und lebt seit drei Jahren mit ihrer Familie in Deutschland. Sie sagt, lieber wäre sie in der Türkei geblieben, weil sie dort ihren Freundeskreis zurücklassen musste. Sie hält aber weiter den Kontakt: „Die Türkei ist ja auch nicht so weit entfernt, deshalb hoffe ich, sie in den Ferien wiederzusehen.“ Nach sechs Monaten an der OS Eggestedter Straße ist sie auf die Willkommensschule gewechselt. Für sie war das eine anstrengende, aber gute Erfahrung. 

Weil an der Willkommensschule alle unterschiedliche Sprachen sprechen, sei für alle die Motivation zum Deutschlernen groß, um sich untereinander verständigen zu können. Der Spracherwerb stand natürlich im Vordergrund, doch es findet Fachunterricht statt wie überall sonst: „Wir hatten Biologie, Chemie, Mathe und Physik. Es war ein Ganztagsprogramm.“

„Am Anfang war es ganz schwer, mit niemandem sprechen zu können“, blickt Josh Jean Botchey auf die Zeit zurück, bevor er die Basis der Sprache beherrschte. Der ebenfalls 18-Jährige ist bis zur siebten Klasse in Ghana zur Schule gegangen. Dort werde hauptsächlich englisch gesprochen, afrikanische Sprachen gibt es mehrere. Akan heißt die Sprache, die Josh in der Familie gelernt hat. In Bremen hat er zunächst einen Vorkurs an der OS Lerchenstraße besucht. Josh betont besonders, wie sehr ihm das Fach „Darstellendes Spiel“ beim Spracherwerb geholfen habe. Dort musste man viel Text auswendig lernen und dann auch überzeugend vortragen können. So habe er nun Übung darin, selbstbewusst zu sprechen. Denn die Unsicherheit in der neuen Sprache hat besonders für Jugendliche hemmende Wirkung, man möchte sich nicht blamieren. Umgekehrt sei es genauso: „Das Ding ist, die wollen nicht Englisch sprechen“, hat Josh bei seinen Altersgenossen festgestellt. Er spielt Fußball im TSV Lesum, und hat sich auch deshalb große Mühe gegeben, schnell zu lernen, weil er sich mit den anderen unterhalten wollte. 

Dass ihre Lehrer den Unterricht konsequent auf Deutsch durchgezogen haben, konnte auch irritierend sein: „Ich fand das erst unfair: Auf Englisch wäre es ganz einfach gewesen!“ Für diejenigen, die Englisch konnten, sei es in jedem Fall von Vorteil gewesen, im Zweifel darauf zurückgreifen zu können. An den Bremer Willkommensschulen werden die Altersgrenzen der Jahrgänge nicht so eng gesehen. Das Ziel ist zwar der Übergang in die Regelschule, aber bei den Jahrgängen, die nicht mehr weit vom Abschluss entfernt sind, hält man es für sinnvoll, den Abschluss dann auch dort zu machen. Sowohl Helin als auch Josh haben mehrere Geschwister, von denen sie die Ältesten sind. Nach ihren Zukunftsplänen gefragt, zögern sie keinen Moment: Die beiden haben das feste Ziel, als nächstes das Abitur zu machen, um dann ein Hochschulstudium aufnehmen zu können.

Die Willkommensschulen sind eine spezifisch bremische Antwort auf gestiegene Herausforderungen bei der Integration. In Bremen-Nord wurden zunächst Räume an der Oberschule Helsinkistraße genutzt, nach dem Umzug der Grundschule Fährer Flur in einen Neubau soll dann in Zukunft die Willkommensschule das alte Schulgebäude nutzen. Helin und Josh wohnen in Blumenthal, weshalb die tägliche Busfahrt über mehr als 20 Haltestellen eine zusätzliche Herausforderung war.


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