„Ihr Computer ist nicht zu alt“

Ehrenamtliche Digitaltrainer unterstützen beim Umstieg auf Linux

Das Startmenü unter Linux: Ein umfassendes Umlernen ist nicht erforderlich.   Foto: nik

Artikel vom: 31.03.2026

Vegesack – (nik) Schon seit mehreren Monaten werden die Nutzer von Windows-10-Computern mit bildschirmfüllenden, ominös formulierten Hinweisen darauf aufmerksam gemacht, dass „der Support ausläuft“, man möglicherweise „ungeschützt“ sei, daher ein Update zu Windows 11 anstehe, das Gerät dafür aber möglicherweise nicht die Anforderungen erfülle. Unverhohlen wird der Kauf eines neuen Rechners nahegelegt. Nur weil Microsoft nicht mehr die Gewährleistung für sein Betriebssystem übernehmen will, werde ein völlig funktionales Gerät aber nicht plötzlich zu Schrott. 

Davon sind die ehrenamtlichen Digitaltrainer des Modellprojekts „Digital im Alter“ überzeugt. Für Klaus Martin, Andreas Matzner und Manfred Severit ist das nur ein weiteres Argument, auf Open-Source-Lösungen wie Linux Mint umzusteigen. Etwa 50 Menschen waren der Einladung zu ihrer Informationsveranstaltung ins Stadthaus Vegesack gefolgt, wo der Sitzungssaal vom Ortsamt zur Verfügung gestellt werden konnte. Räume für die Kurse und Sprechstunden zu finden, bleibt eine der Herausforderungen für das Projekt insgesamt, das mit Tablet- und Smartphone-Kursen für ältere Menschen vor etwa vier Jahren begann.

Das zentrale Umstiegsargument, das auch Microsoft in seinen Hinweis-Popups bemüht, sei die Sicherheit: Die Windows-Plattform basiere seit 1993 auf derselben Grundlage: „Das ist wie ein Auto mit einem Motor von 1993.“  Im direkten Vergleich sei Linux deutlich weniger anfällig. An der Open-Source-Software arbeiten Programmierer aus aller Welt mit, die entdeckte Lücken schnell schließen können. Sicherheitslücken wurden auch bei Windows bislang durch Updates geschlossen, Microsoft wolle nun aber mit der neuen Windows-Version Geld verdienen. Das führt zum zweiten Argument für den Umstieg: Der Kostenfaktor. Die Lizenz für die neue Windows-Version koste 145 Euro, was beim Kauf eines neuen PC enthalten sei. Microsoft Office wurde auf ein Abo-Modell umgestellt und kostet 69 Euro im Jahr. Die entsprechende Open-Source-Alternative LibreOffice sei bei Linux Mint bereits mit enthalten und völlig kostenlos, wie das Betriebssystem selbst.

Die Benutzeroberfläche biete eine vertraute Umgebung: Das Startmenü sei ähnlich angelegt, wie man es von Windows kenne, auch die Taskleiste und die Bedienelemente der Programme erfordern kein grundsätzliches Umlernen. Beim ersten Hochfahren könne man alles Punkt für Punkt einrichten. Interessant sei, dass Windows 11 seinerseits einiges von Linux abgeschaut habe.

Der Anwendungsmanager sei mit dem App-Store oder Playstore vergleichbar und biete eine große Auswahl an kostenlosen Programmen für alle Anwendungsbereiche. Die populärste Photoshop-Alternative sein ein Programm namens Gimp. Es sei aber wichtig drauf hinzuweisen: Programme für Windows, die man käuflich erworben habe, könnten wertlos unter Linux sein. 

Natürlich wurde irgendwann gefragt: „Gibt es denn auch Nachteile?“ Beim Verbinden mit einem Android-Handy habe er Schwierigkeiten gehabt, berichtete Klaus Martin. Mithilfe der Linux-Onlinecommunity habe er das lösen können, indem er einfach eine Befehlszeile in das sogenannte Terminal kopiert habe. Auch bei den Druckertreibern für Multifunktionsgeräte könne es Probleme geben: Dann ist der Drucker zwar installiert, aber der Scanner funktioniert nicht.

Die Anforderungen an das Gerät seien nicht besonders hoch: Zwei Gigabyte Arbeitsspeicher würden bereits ausreichen, damit es flüssig laufe, besser seien allerdings vier. Auch sieben oder acht Jahre alte Geräte kommen problemlos infrage. An Festplattenspeicher sind etwa 20 GB erforderlich. Es biete sich daher auch die Möglichkeit, vor einem kompletten Umstieg das System auf einem Altgerät auszuprobieren. Die Installation erfolgt über USB-Sticks, von denen man das Betriebssystem auch testweise starten kann. Vor dem Installationstermin müssen die eigenen Daten auf einer externen Festplatte gespeichert werden. Eine solche Sicherungskopie sei ohnehin zu empfehlen. Aktuell gibt es eine Warteliste für die Installationen, in Zukunft sollen daher weitere Termine stattfinden. Es werden auch weiterhin dringend Freiwillige gesucht, die das Team ehrenamtlich verstärken wollen. Den Kontakt und die anstehenden Termine findet man unter www.dia-bremen.de.


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