„Ich habe das Ende falsch gewusst“

Autor Henri Faber im Interview zu seinem neuen Thriller „Kaltherz“

Das Buch des niederösterreichischen Autors Henri Faber  erscheint heute. Foto: Gunter Gluecklich

Artikel vom: 20.05.2022

Region – (NAD) Heute erscheint der neue Thriller „Kaltherz“ von Henri Faber im dtv Verlag. Die fünfjährige Marie ist verschwunden. Kommissarin Kim Lansky muss ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und bekommt den Fall zugeteilt. Die Ermittlungen sind jedoch erschreckend . „Kaltherz“ ist nach dem Bestseller „Ausweglos“ der nächste Thriller des niederösterreichischen Autors, der heute in Hamburg lebt. Im Interview verrät er ein paar Hintergrundinfos zum Buch.

Das BLV: In Ihrem Thriller geht es um verschwundene Kinder. Wie haben Sie sich beim Schreiben mit dieser schwierigen Thematik auseinandergesetzt?

Henri Faber: Man versucht sich, dem Thema aus verschiedenen Richtungen zu nähern. Ich habe mir Zahlen und Statistiken angeschaut. Ich war baff, dass täglich 50 Kinder in Deutschland als vermisst gemeldet werden. Die meisten tauchen aber wieder auf. Ich habe über Podcasts, Porträts oder Biografien wie beispielsweise die von Natascha Kampusch recherchiert, damit ich bestmöglich verstehe, wie die Figuren ticken.

Das BLV: Die Geschichte wird aus der Sicht verschiedener Menschen erzählt. Ist es Ihnen schwergefallen, zwischen ihnen zu wechseln?

Henri Faber: Ja. Wenn ich in einer Rolle bin, bleibe ich meist über mehrere Kapitel hinweg in ihr, damit keine harten Gaps entstehen. Gerade der Wechsel zwischen der Kommissarin und dem Kind waren schwierig.


Das BLV: Wie gehen Sie vor, wenn Sie eine Figur erschaffen?

Henri Faber: In der Regel beginne ich mit der Grundproblematik des Buches. Die Charaktere und Figuren entwickele ich dann drumherum. Ich stelle ihr dann Fragen und überlege, wie die Figur tickt und was sie machen würde. Dadurch definiert sie sich besser und ich lerne sie kennen. Desto mehr nehme ich die Figur wahr und schätze sie. Irgendwann  bleibt sie schließlich und geht nicht mehr weg.

Das BLV: Gab es Passagen, die Ihnen schwerfielen, zu schreiben?

Henri Faber: Man hat Respekt vor den großen, wichtigen Schlüsselszenen, das Ende zum Beispiel. Erst hat man Angst, es zu verkacken, aber irgendwann fällt man in eine Art Schreibrausch.

Das BLV: Wussten Sie zu Beginn des Schreibens schon, wie genau die Geschichte enden soll?

Henri Faber: Ja, ich wusste es, aber ich habe es falsch gewusst. Beim Schreiben war die Figur und Dynamik eine andere, deshalb gab es eine leicht andere Wendung. Man lernt die Figuren kennen, und am Ende fühlt es sich dann nicht mehr richtig an, aber genauso ist es perfekt.

Das BLV: Hatten Sie den Titel des Buchs schon zu Beginn vor den Augen oder hat er sich im Laufe des Schreibprozesses entwickelt?


Henri Faber: Es hat sich entwickelt. Am Anfang gibt es einen Arbeitstitel. Der richtige Titel hat sich aber erst nach der Konzeptfassung nach 100 Seiten ergeben. Ich wollte einen Begriff finden, der ein roter Faden durch das Buch ist, aber nicht schon dutzende Male vorkam. Ein „kaltes Herz“ ist ein Grundthema, das durch das Buch führt. Mit dem Märchen hat es allerdings nichts zu tun.

Das BLV: Was fasziniert Sie an dem Thriller-Genre?

Henri Faber: Das Spiel mit der Spannung. Als Autor ist man so bisschen ein Tyrann, der dem Leser Gefühle aufdränge will. Dieser macht sich ein Bild von einer Figur und zwei Seiten später ändert es sich wieder. In einem spannenden Genre funktioniert das besser.

Das BLV: Arbeiten Sie schon an einer neuen Geschichte?

Henri Faber: Es gibt immer eine neue Geschichte, in der Regel zu viele. Aber eine Idee allein macht noch kein Buch.

Das BLV: Was lesen Sie in Ihrer Freizeit gerne?

Henri Faber: Auch sehr gerne Krimis und Thriller. Ich versuche, aber nicht nur in diesen Genres etwas zu lesen, sonst wirst du betriebsblind. Ich lese auch gerne zeitlose, ältere Bücher oder Kurzgeschichten. Teilweise auch Sachbücher, die mich interessieren oder Biografien, oft auch für meine eigenen Stoffe.

Das BLV: Vielen Dank für das Interview!


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