Viele Cracksüchtige sind gestorben
Suchtkranken Menschen zu helfen, sei wegen der häufig fehlenden Einsicht in das eigene Problem herausfordernd, so die Fachleute. Symbolfoto: fr
Artikel vom: 21.09.2026
Vegesack – (as) Der so genannte Szenetreff am Aumunder Heerweg war Thema in der Sitzung des Beirats. Die Einrichtung mit zwei Containern befindet sich zwischen der Christuskirche, dem Jugendfreizeitheim sowie der Stadtbibliothek.
Die Droge Crack habe die Situation stark verändert, befand Ortsamtsleiter Gunnar Sgolik in einleitenden Worten. „Auch Suchtkranke sind Teil dieser Gesellschaft.“
Seit 16 Jahren besteht der Szenetreff, der seit eben so langer Zeit von Gimmy Wesemann betreut wird. Seit vier Jahren hat sie dabei Unterstützung. Etwa 20 bis 50 Menschen würden den Treffpunkt pro Tag aufsuchen. Die Sozialarbeiterin der Inneren Mission berichtete von etwa 35 Crack- wsowie fünf, sechs oder sieben Heroinkonsumenten. Die Suchtkranken im Alter zwischen 18 und 70 Jahren kämen von Schwanewede bis Lesum, so Gimmy Wesemann. Dadurch, dass es Crack auf dem Markt mittlerweile in großen Mengen gebe, habe sich die Situation verschlechtert. Nur noch etwa 15 von 50 Personen seien in der Lage, sich um persönliche Dinge wie den Wohnungserhalt zu kümmern.
Ingmar Gärtner vom Suchthilfezentrum Nord erklärte, dass Konsumenten teilweise nur zehn Minuten ansprechbar seien. Dann sei der Suchtdruck wieder da. Man bräuchte niedrigschwellige Entgiftungsangebote. „Aber die gibt es nicht.“
Eine entsprechende Klinik gebe es in Oberneuland. Die Wartezeit für einen Entgiftungsplatz betrage zehn bis zwölf Wochen. Axel Brase-Wentzell, Bereichsleiter bei der Inneren Mission, erklärte, einige der Drogenabhängigen würden aus verschiedenen Gründen aus dem Leistungsbezug fallen und seien dann nicht einmal mehr krankenversichert.
Selbst dabei könne man ihnen nicht immer helfen, da bei manchen eine Mitwirkungsunfähigkeit bestehe. Man werde weiterhin massiv suchtkranke Menschen im Stadtbild haben, prognostizierte er. Ein großes Thema sei eine Notunterbringung. Dafür suche man eine Immobilie.
Beatrix Meier, geschäftsführende Leiterin der Ambulanten Suchthilfe Bremen, führte aus, dass sich die Problemlage geändert habe. Viele Suchtkranke seien aufgrund des Dauerkonsums in einem Ausnahmezustand mit wenig Schlaf und der Nähe zu einer Psychose. Man halte am Standort fest und hoffe, dass im nächsten Jahr ein Ärztemobil vor Ort sein kann, so Beatrix Meier. Man habe viele Menschen in diesem Jahr verloren. „Die sind gestorben.“
Thomas Pörschke, Grüne, erklärte, das Modell Szenetreff habe lange funktioniert – bis das Crack kam.
Heike Sprehe, SPD, kritisierte die Lage des hinteren Containers. Der sei schlecht einsehbar und sehr nah am Nachbargrundstück. Maximilian Neumeyer, CDU, fragte nach einer langfristigen Strategie und auch seine Parteikollegin Ines Schwarz erklärte, sie wünsche sich einen Masterplan. „Wir verlieren in einer relativ kurzen Zeit eine ganze Handvoll Menschen.“ Ingo Schip-horst, „Stimme Vegesacks“, fragte, ob man bezüglich einer Notunterkunft mit Immobilien Bremen oder der Wirtschaftsförderung im Gespräch sei. Das ehemalige Polizeirevier am Sedanplatz sollte bei der Suche nicht außen vor sein. Angebote für eine niedrigschwellige Entgiftung seien wichtig.
Der Beirat dankte allen Beteiligten für ihre Arbeit mit den Suchtkranken. Das kommunale Parlament forderte mehrere Senatsressorts auf, Lösungen, beispielsweise hinsichtlich Indoor-Angeboten, eines Konsumraum oder einer Notunterkunft zu entwickeln. Weiterhin waren niedrigschwellige Hilfsangebot ein Anliegen des Gremiums.
Weitere interessante Artikel








