Silber für Deutschland
Der 18-jährige Elliot Belmadani vom Gymnasium Vegesack mit seiner Silbermedaille. Foto: rdr
Artikel vom: 24.05.2026
Vegesack (rdr) – Wie Elliot Belmadani zur Philosophie gekommen ist, weiß er noch ganz genau. „Ich saß in er neunten Klasse und musste einen Grundkurs anwählen“, erinnert sich der Vegesacker. Er habe gedacht, Philosophie sei ein „leichtes Schwafelfach“ und habe sich deshalb dafür entschieden. Als „Schwafelfach“ stellte sich der Kurs dann aber keineswegs heraus. Vielmehr als sehr anspruchsvoll. „Philosophie hat meine Wahrnehmung total verändert“, beschreibt Elliot Belmadani, wie sich seine Leidenschaft dazu entwickelt hat. Er würde so auch viel weniger unumstößliche Aussagen treffen.
2024 hat der Abiturient vom Gymnasium Vegesack das erste Mal beim Bundes- und Landeswettbewerb Philosophischer Essay teilgenommen. Mit seinem Essay zur Fragestellung „Gibt es moralische Tatsachen“ schaffte es Elliot Belmadani ins Bundesfinale in Münster. Dort wurde er Sechster. 2025 nahm er erneut teil und konnte sich wieder für das Bundesfinale qualifizieren. Dieses Mal auf dem dritten Platz. Weil der Erstplatzierte ausfiel, rückte Elliot Belmadani nach und durfte kürzlich nach Warschau reisen – zur Internationalen Philosophie-Olympiade, die als der weltweit größte und renommierteste Wettbewerb für Philosophie auf Schulebene gilt.
120 junge Menschen aus 56 Nationen wie Nigeria, Liechtenstein, Mexiko, Türkei, USA oder Indien traten dort beim Wettbewerb an. „Wenn man dann so viele unfassbar kluge Menschen trifft, dann ist man schon eingeschüchtert“, gibt der Vegesacker ehrlich zu. Er habe sich in der polnischen Hauptstadt mit zwei Kasachen darüber ausgetauscht, wie viele Sprachen man denn wohl sprechen würde. Die Jugendlichen aus Kasachstan nannten die Zahlen sieben und zwölf. „Tja. Und bei mir sind es eben deutsch und englisch“, sagt Elliot Belmadani. Und auf Englisch verfasste der 18-Jährige dann am vergangenen Sonntag auch sein Essay bei der Internationalen Philosophie-Olympiade, denn die Muttersprache ist beim Wettbewerb für alle Teilnehmer tabu. Selbiges gilt für Handy und Internet. Und so hatte Elliot Belmadani vier Zeitstunden, um seinen Beitrag zum Zitat „We live in a fantasy world, a world of illusion. The great task in life is to find reality” („Wir leben in einer Fantasiewelt, einer Welt der Illusion.Die große Aufgabe im Leben ist es, die Realität zu finden“) zu verfassen. Während andere Teilnehmer sich damit befasst hätten, wie man Zugang zur Realität erhält, habe er sich mehr mit der Ethik und den gesellschaftlichen sowie moralischen Aspekten dahinter befasst. Und das mit Erfolg, denn von den 120 Jugendlichen konnte sich der Vegesacker Platz zwei erkämpfen.
„Der Erfolg bedeutet mir persönlich sehr viel, und zugleich sehe ich ihn auch als ein positives Signal für Bremen. Gerade weil das Bremer Bildungssystem in öffentlichen Vergleichen häufig kritisch betrachtet wird, würde ich mich freuen, wenn auch Erfolgsgeschichten von Schülerinnen und Schülern aus Bremen stärker sichtbar gemacht werden“, erklärt der Silbermedaillengewinner. „Ich denke, dieser Erfolg ist nicht nur eine besondere Auszeichnung für Deutschland, sondern auch ein ermutigendes Zeichen dafür, welches Potenzial junge Menschen in Bremen haben.“ Der 18-jährige Vegesacker, der sich in vielen Bereichen für junge Menschen engagiert, will ihnen eine Stimme geben. „Ich interessiere mich total für die Bildung und Partizipation von Jugendlichen,“ so der Abiturient.
Er sei als Schüler oft von Menschen aus anderen Bundesländern stigmatisiert worden. „Haha, Bremer Abitur“, habe es geheißen. Das wird der 18-Jährige, der in seiner Philosophieprüfung gerade die Höchstpunktzahl 15 erreicht hat, wohl so schnell nicht mehr hören. Mit dem Gewinn einer Silbermedaille bei der Internationalen Olympiade, die von der UNESCO anerkannt und unterstützt wird, hat er alle Spötter Lügen gestraft.
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