„Sicherheitsgefühl steht auf dem Spiel“
Die Anwohner machen sich Sorgen und wünschen sich eine aktivere Rolle der Polizei. Symbolbild: fr
Artikel vom: 06.10.2026
Vegesack – (rdr) „Das Thema erhitzt die Gemüter“, befand Vegesacks Ortsamtsleiter Gunnar Sgolik am Dienstagabend. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Beirat zu einer Sondersitzung zusammengefunden und sich unter anderem mit einem Bürgerantrag von Michaela Sandmann befasst, bei dem es um die Verbesserung des Sicherheitsgefühls der Vegesacker, den Drogenkonsum Suchtkranker und die damit verbundene Beschaffungskriminalität ging.
Marco Perin, Leiter des Polizeikommissariats Nord, erklärte, er habe sich mit den Sorgen der Bürgerinnen und Bürger befasst. Er könne deren Wahrnehmungen bestätigen, wobei es in Bremen-Nord eine Lage gebe, die laut polizeilicher Kriminalstatistik „normal“ sei. Dass die Qualität der Straftaten sich verändere, „das alarmiert uns!“. Insbesondere der Anstieg der Delikte – darunter zahlreiche Einbrüche in den Monaten von Juni bis August, hätten die Polizei veranlasst, verschiedene Fachbereiche zusammenzuziehen, um sich ein zusätzliches Konzept und weitere Maßnahmen zu überlegen. Dabei arbeite man eng mit dem Ortsamt Vegesack zusammen. Marco Perin betonte, dass es ein No Go sei, wenn Täter das Gefühl hätten, sie könnten machen, was sie wollen. Auch Hehlerstrukturen aufzudecken sei ganz wichtig.
Marieke Pfender-Hanke erläuterte besagtes Konzept und machte deutlich, dass die örtliche Drogenszene dauerhaft beobachtet würde. Man wolle die Dealerstruktur erkennen und bestenfalls durchbrechen. Die Präsenz der Polizei – uniformiert und in zivil – werde erhöht, dürfe aber nicht zu Verdrängung der Szene führen. Gewerbekontrollen seien angesagt, um die Logistikstrukturen der Täter zu erkennen, die möglicherweise Diebesgut in Geschäften zu Geld machen könnten.
„Unser Sicherheitsgefühl steht massiv auf dem Spiel“, machte Christdemokrat Andreas Kruse deutlich. Die Politik müsse Geld in die Hand nehmen, um Suchtkranken so schnell wie möglich niedrigschwellige Angebote zu unterbreiten. „Ich fühle mich hier auch unwohl.“ Sein Parteikollege Maximilian Neumeyer gab einen Hinweis auf mutmaßlichen Drogenkonsum auf einem Spielplatz im Stadtteil und fragte, warum es bei Wiederholungstätern oftmals nicht zu einer Inhaftierung komme.
Für Sozialdemokratin Heike Sprehe war das Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung nachvollziehbar. Der parteilose Ingo Schiphorst befand, dass es am Ende darauf ankomme, was aus einer Konzeption gemacht würde. Fakt sei allerdings, dass rote Linien überschritten würden. Auch ihm fehle die Information dazu, warum Wiederholungstäter nicht inhaftiert würden. Marco Perin konnte dazu nur auf die Zuständigkeit von Justiz und Staatsanwaltschaft verweisen. „Wir werden auf jeden Fall unseren Job machen!“, betonte er. Norbert Arnold von der SPD wollte wissen, wie die Situation am Szenetreff zu optimieren sei, während Thomas Pörschke, Grüne, nach möglichem Auftragsdiebstahl von Gewerbetreibenden fragte.
Bürgerinnen und Bürger machten vor allem darüber ihren Unmut laut, dass eine Anzeigenerstattung in der Regel unergiebig sei. Eine Frau, die im Einzelhandel tätig ist, berichtete davon, zahlreiche Anzeigen wegen Diebstahls erstattet zu haben, ohne dass sich die Situation verbessert hätte. Ein Mann berichtete gar davon, dass ihm nach einer Nötigung von einer Anzeigenerstattung von der Polizei abgeraten worden sei.
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