Aus alt wird neu im alz

Wie Möbeln, Textilien und vielem mehr ein zweites Leben eingehaucht werden kann

Jeder Besuch im alz zeigt neue, verblüffende Ideen. Hier werden altmodische Teelöffel zu Griffen für ein Schubladenschränkchen.    Fotos: nik

Artikel vom: 14.07.2026

Grohn – (nik) In einer immer schnelllebigeren Konsumgesellschaft kann der Blick für dauerhafte Werte verlorengehen. Besonders deutlich wird das bei der Kleidung, aber auch Möbel sind so billig geworden, dass sie in immer kürzeren Abständen neugekauft werden. Das ist nur einer von vielen Aspekten, bei denen das Arbeit und Lernzentrum (alz) Beispiele für eine nachhaltigere Lebensweise aufzeigt. Seit über 40 Jahren wird hier hochwertigen Möbelstücken und Textilien ein zweites Leben eingehaucht, wie Betriebsleiterin Katharina Lischka das nennt. Sie selbst hat seit 17 Jahren daran mitgewirkt, das alz zu dem zu machen, was es heute ist. 

Sie führt uns zunächst durch die Tischlerwerkstatt, in der 18 Mitarbeiter an den Werkbänken aus alten Möbeln neue machen. Bei der Anlieferung wird beurteilt, was mit welchem Aufwand aufgemöbelt werden kann und wo es sich nicht mehr lohnt. Aus Spanplatten lässt sich etwa nicht viel machen, wenn es sich aber um Echtholz handelt, bietet sich die Möglichkeit, etwas Neues aus den Teilen herzustellen. Einer der Mitarbeiter zeigt ein besonderes Talent dafür, die frisch lackierten Möbel von Hand mit Blumenmustern zu verschönern. Alles, was die Werkstatt durchläuft, erhält so eine einzigartige, persönliche Note.

In der Textilwerkstatt sind überwiegend Frauen tätig. Sie sortieren die angelieferten Kleidungsstücke und prüfen, ob sie sich für den Secondhand-Verkauf eignen. Wo das nicht möglich ist, kommen Schere, Nadel und Faden zum Einsatz, und es entstehen Taschen und Beutel, Kissen oder ganz neue Kleidungsstücke, in jedem Fall Unikate. Vor dem Hintergrund von „Fast Fashion“ könne man überrascht sein, wie gut sich Kleidungsstücke im Wiederverwert-Laden verkaufen. Viele seien auch auf der Suche nach Stücken, die eben nicht aktuellen Moden gehorchen. Der Wiederverwert-Laden mit Möbellager ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 9 bis 15 Uhr. Unter www.moebellagernord.de/onlineshop/  kann auch im Angebot eines eigenen Online-Shops gestöbert werden. 

Im Mahlzeit-Restaurant zentral auf dem Gelände wird täglich frisch gekocht, ein wöchentlich wechselnder Mittagstisch kann vor dem Besuch online unter www.moebellagernord.de/bistro-mahlzeit/#wochenkarte eingesehen werden. Viele Mitarbeiter umliegender Firmen verbringen hier gern ihre Mittagspause. Ab 8 Uhr gibt es Frühstück, der Mittagstisch wird zwischen 12 und 14.30 angeboten. Bei Sonnenschein bietet es sich an, sich im Außenbereich niederzulassen.

Die Mitarbeiter im alz nutzen arbeitsmarktpolitische Fördermaßnahmen wie AGH und die Teilhabeförderung nach Paragraphen 16i und 16e. Das hilft vielen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt längerfristig nicht weiterkommen konnten. Die Möglichkeit wird über Bremen hinaus wahrgenommen, es gibt auch Teilnehmer, die aus dem Umland und bis aus Bremerhaven kommen.   Insgesamt können derzeit 78 geförderte Arbeitsplätze angeboten werden. Ein einfacher Weg, im alz anzufangen, sei, den persönlichen Berater im Arbeitsamt selbst darauf anzusprechen, statt am x-ten Bewerbungstraining teilzunehmen. So kann man sich neue, praktische Fertigkeiten aneignen, neue berufliche Perspektiven auftun und nicht zuletzt die eigene Kreativität entfalten und Spaß dabei haben. 


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