„Viele Puzzlesteinchen fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen“

Bei Autorin Barbara Wendelken haben sich viele Zeitzeugen gemeldet

Barbara Wendelken freut sich über weitere Erzählungen. FOTO: FR

Artikel vom: 08.04.2022

Schwanewede – (NAD) „Es haben sich einige Leute gemeldet, die ihre ganz persönlichen Erinnerungen an die Ankunft in Schwanewede und die Nachkriegsjahre mit mir geteilt haben“, berichtet Barbara Wendelken, die in Ostfriesland lebt. Die Krimi- und Kinderbuchautorin recherchiert für einen Roman, der  von 1945 bis etwa 1948 in ihrer alten Heimat Schwanewede spielt und das Schicksal dreier Flüchtlingsfamilien behandeln soll (wir berichteten). Ein letztes persönliches Gespräch wird sie noch Anfang dieses Monats führen. Viele Zeitzeugen hätten sich nach dem Artikel Anfang des Jahres bei ihr gemeldet. Es werden weitere gesucht.
„Viele Puzzlesteinchen fügen sich inzwischen zu einem großen Ganzen zusammen“, sagt Barbara Wendelken. Eine Frau  habe beispielsweise erzählt, dass ihre Mutter aus Mehl- und Zuckersäcken Kleidung gestrickt habe, indem sie das Garn, aus dem die Säcke hergestellt waren, aufgeribbelt und wieder verwendet habe. „Ich konnte mir das kaum vorstellen, habe aber im Netz das Foto einer Babyjacke gefunden, die aus genau diesem Material gestrickt wurde. Unglaublich, wie mühevoll das gewesen sein muss.“
Fotos habe sie bisher nicht erhalten. „Ich nehme an, dass niemand einen Fotoapparat besaß. Und das ehemalige Barackenlager, in dem die amerikanischen Soldaten gewohnt haben, durfte man vermutlich auch gar nicht fotografieren.“ Sie freut sich aber über die vielen Rückmeldungen und möchte sich bei allen Zeitzeugen, die sich mit ihr in Verbindung gesetzt haben und zum Teil sehr Privates erzählt hätten, bedanken. Wer ihr noch weitere Erinnerungen mitteilen möchte, kann sich unter der Telefonnummer  04954/89223 melden. „Nach wie vor bin ich interessiert an Menschen, die sich an die Anfänge erinnern, als das Lager noch stand. Außerdem hat es sich durch die Geschichte so ergeben, dass eine Familie anfangs in einem Bremer Sammellager leben musste. Gibt es jemanden, der darüber etwas weiß?“, fragt die Autorin.
Derzeit ruhe das Buch, berichtet sie. Ihre Literaturagentur hat die ersten 150 Seiten mit auf die „London Book Fair“ genommen, einer Buchmesse in der britischen Hauptstadt, die bis zum morgigen 7. April stattfindet. Dort will sie es anbieten. Auf der Messe kann über Rechte verhandelt werden. „Ich war noch nie dort, nehme aber an, dass es ähnlich wie in Frankfurt oder Leipzig zugeht. Die Verlage
präsentieren sich auf großen Ständen, die Literaturagenten haben eine eigenen Halle mit winzigen Arbeitsplätzen. Die Manuskripte  werden ,gepitcht‘,  das heißt  so kurz und knackig wie möglich zusammengefasst, um sie anbieten zu können.“ Wer Interesse hat, der erhält eine ausführlichere Leseprobe. „Alle sind ständig unterwegs und rennen ihrem übervollen Terminkalender hinterher. Was wird gesucht, was wird angeboten, welcher Titel könnte wo ins Programm passen? Entscheidungen fallen  eher  nicht während der Messe. Die Lektoren haben verständlicherweise weder Zeit noch Energie, abends im Hotelzimmer zu lesen.“ Anders sehe es bei den großen Namen aus, wenn es um richtig viel Geld geht. „Da werden die Rechte gern an den Meistbietenden versteigert.“
Barbara Wendelken ist ganz froh, dass sie sich gerade nicht mit ihrem Buch beschäftigen muss. „Dieser entsetzliche Krieg macht es nicht gerade leicht, über Kriegszeiten zu schreiben“, sagt sie im Hinblick auf die Geschehnisse in der Ukraine.


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