Gültige Gesundheitskarte gesperrt

Chronisch kranke Ritterhuderin kam nicht an dringend benötigte Medikamente

Die Gesundheitskarte von Tine Eichner ist eigentlich noch bis Ende September gültig – aber ihr Foto nicht.Symbolfoto: fr

Artikel vom: 02.08.2026

Ritterhude – (rdr)Kürzlich war BLV-Leserin Tine Eichner (Klarname ist der Redaktion bekannt) an einem Freitag in einer Apotheke, um ihre dringend benötigten Medikamente abzuholen. Obwohl auf ihrer Versichertenkarte ein Gültigkeitsdatum bis zum 30. September dieses Jahres aufgedruckt ist, erklärte die Apothekerin ihr, die Karte sei gesperrt.

   Die chronisch kranke Tine Eichner benötigt unter anderem Schilddrüsenmedikamente, blutdrucksenkende Mittel und Blutverdünner. Unterlässt sie die regelmäßige Einnahme drohen ihr Embolie oder Thrombose. „Die Apothekerin hatte zwar Verständnis für meine Situation, aber sie konnte nichts machen“, berichtet Tine Eichner. Vor Ort habe sie erfahren, dass schon mehrfach Versicherte der AOK Niedersachsen in jüngster Vergangenheit dieses Problem gehabt hätten und unverrichteter Dinge ohne Medikamente wieder weggeschickt worden seien.

   Noch am selben Tag erhielt Tine Eichner ein Schreiben der Krankenkasse. Darin hieß es unter anderem: „Wir möchten Ihnen so schnell wie möglich eine elektronische Gesundheitskarte ausstellen. Dazu ist alles vorbereitet – nur ein Foto fehlt noch.“ Dieses solle die Versicherte über einen Link hochladen. „Frech und nicht mitgliederfreundlich“, findet Tine Eichner das Vorgehen ihrer Krankenkasse. Die hätte sie frühzeitig informieren müssen, meint sie. „Chronisch Kranke stehen sonst doof da und haben keine Medikamente.“ Noch an besagtem Freitag habe sie bei der AOK Niedersachsen angerufen und sei auf Montag vertröstet worden. „Zum Glück hatte ich noch genug Medikamente über das Wochenende“, sagt die Ritterhuderin, die seit über 40 Jahren bei ihrer Krankenkasse versichert ist und entsprechend Beiträge zahlt. 

    Am Montag meldete sich Tina Eichner erneut bei der AOK Niedersachsen und konnte wenigstes erreichen, dass die Krankenkasse den Abrechnungsschein für ihre Medikamente an den Hausarzt von Tine Eichner schickte. Dessen Praxis wiederum musste das Dokument an die Apotheke übermitteln, damit die Medikamente ausgegeben werden konnten. Mittlerweile hat Tine Eichner ein neues Foto von sich im AOK-Portal hochgeladen. Auf Nachfrage sei ihr nicht bestätigt worden, dass dieses Bild auch angekommen sei. „Die maschinelle Nachversorgung ablaufender elektronischer Gesundheitskarten erfolgt regelmäßig über interne maschinelle Abfragen, so genannte Reports“, erklärt Nicola Dubacher, Sprecherin der AOK Niedersachsen. „Das System prüft mehrfach in der Woche, welche in den nächsten drei Monaten ablaufen und getauscht werden müssen. Bei einem dieser Reports kam es zu einem Fehler, sodass die Verarbeitung nicht vollständig erfolgte. Infolgedessen wurde die Versicherte nicht für die automatische Nachversorgung berücksichtigt.“ Der Fehler sei inzwischen behoben worden und die Nachversorgung von Tine Eichner sei bereits wieder gestartet, so die Sprecherin weiter. Eine neue elektronische Gesundheitskarte werde bei bestehender Mitgliedschaft automatisch drei Monate vor Ablauf neu erstellt. Deshalb dürften laut der Sprecherin nur in seltenen Fällen Verzögerungen entstehen. Dann würden im Einzelfall, wenn zum Beispiel ein Arztbesuch erforderlich sei, sogenannte Abrechnungsscheine zur Verfügung gestellt. „Hierfür prüft das System vorab, ob ein gültiges Lichtbild in unserem Bestand ist“, berichtet Nicola Dubacher. „Da wir nach den gesetzlichen Vorgaben Lichtbilder nach zehn Jahren löschen müssen, wurde hier erst ein neues Lichtbild angefordert, bevor eine neue elektronische Gesundheitskarte ausgestellt werden kann.“


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