Das „Neue Bauen“ im Bremer Norden
Die Druckerei befand sich direkt neben dem 1957 errichteten Verlagsgebäude. Foto: Archiv DOKU Blumenthal
Artikel vom: 21.04.2026
BLUMENTHAL – (nik) Die große Zeit des „Neuen Bauens“, auch als Bauhaus-Architektur bezeichnet, fällt zeitlich mit der Weimarer Republik zusammen, wirkte stilistisch aber viel länger nach. „Form follows function“ bleibt bis heute ein Leitspruch, zumindest im Produktdesign. Ohne die Formensprache der Bauhaus-Architektur würden wohl auch viele kontroverse Entwürfe der heutigen Zeit anders aussehen.
Dass einer der Vertreter der architektonischen Stilrichtung, Ernst Becker-Sassenhof, in Vegesack gewirkt hat, war im vergangenen Jahr Thema einer Ausstellung im Heimatmuseum Schloss Schönebeck. Viele können ihm etwa das Bootshaus am Anfang des Stadtgartens zuordnen, Ernst Becker-Sassenhof hat aber viele weitere, auch weniger augenfällige Gebäude in Bremen-Nord entworfen und konnte den Stadtteilen so seinen Stempel aufdrücken. Zahlreiche von ihm entworfene Gebäude in Bremen standen aber nicht lang genug, um unter den Denkmalschutz zu fallen.
Das Verlagsgebäude des Pörtner Verlags hat er im Jahr 1957 entworfen. Man findet es an der Ecke der Kapitän-Dallmann-Straße und Zum Donaufleet. Als würfelförmiger, vierstöckiger Bau fällt es heutzutage weniger auf, muss aber zu seiner Bauzeit eines der modernsten Gebäude in Blumenthal gewesen sein. Die tragende Betonstruktur tritt nach außen hervor und gliedert die Fassade in Quadrate auf.
Die der Kapitän-Dallmann-Straße abgewandte Seite ist von der Formensprache her die interessantere: In drei Abschnitte gleicher Breite geteilt, werden die Panoramafenster in der Mitte links und rechts von Balkonen eingerahmt. Bis ins Jahr 2022 hatten hier nicht nur die Lokalredaktion und Anzeigenabteilung, sondern alles, was zur Blattproduktion gehört, seinen Sitz. Mit dem Wechsel des BLV zur neuen Weser Wochenblatt Verlagsgesellschaft kam der Umzug in die ehemaligen Räumlichkeiten des Weser Report in Vegesack. „Der Architekt, in den zwanziger Jahren einer der wenigen Exponenten des Neuen Bauens in Bremen, hat nach dem Krieg nur noch selten zu einer klaren modernen Formensprache gefunden. Dieses Bauwerk bildet eine der wenigen Ausnahmen“, wird das Gebäude im Architekturführer Bremen gewürdigt.
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