„Ich muss beweisen, was ich habe“
Bärbel Möller möchte eine Selbsthilfegruppe für chronisch Schmerzkranke gründen. Symbolfoto: fr
Artikel vom: 30.09.2026
Bremen-Nord – (rdr) Bärbel Möller (Name von der Redaktion geändert) leidet seit Jahren unter starken Schmerzen. Ich habe lange versucht, das zu ignorieren. Irgendwann funktionierte das nicht mehr. Sie war beim Psychologen, in der Schmerzambulanz und hat 15 Orthopäden „durch“, wie sie selbst sagt. „Es gibt kaum eine Therapie, die ich nicht probiert habe“, so die Vegesackerin. Bei ihrem Arbeitgeber stößt sie auf Unverständnis. „Es hat mich umgehauen, dass es meinen Arbeitgeber nicht interessiert, wie es mir geht“, sagt Bärbel Möller. Sie wünschte sich fast, lieber einen Herzinfarkt gehabt zu haben als die unerträglichen orthopädischen und psychischen Schmerzen. Dann würde man ihr Leiden sehen und eine Versetzung wäre selbstverständlich. „Ich muss immer beweisen, was ich habe.“
Beruflich war sie sehr stark belastet, und so sei ihr Nervensystem nicht mehr in der Lage, Stress zu filtern. Das führe dazu, dass sie sich zeitweise nicht mehr rühren könne. Bärbel Möller berichtet, dass sie versuche, ihr Schmerzgedächtnis zu überschreiben. Nach zwei Versuchen der Wiedereingliederung arbeitet sie seit Januar gar nicht mehr. Sie habe ihrem Arbeitgeber „Atteste von allen möglichen Ärzten“ vorgelegt. Trotzdem habe es keine Versetzung gegeben, und das Arbeiten im Home Office sei ihr auch untersagt worden. Mittlerweile soll sie vom Amtsarzt untersucht werden. „Bis dahin war es ein langer Kampf“, sagt Bärbel Möller. „Ich brauche einen Arbeitsplatz, an dem ich nicht mehr mit Krisensituationen konfrontiert werde.“
Sie hat sich dazu entschlossen, die „Selbsthilfegruppe chronisch Schmerzkranke Bremen-Nord“ zu gründen. Dafür hätte das Gesundheitsressort bereits die Finanzierung zugesagt. Die Gruppe trifft sich ab dem 12. Oktober an jedem zweiten und vierten Montag im Monat im Bürgerhaus in der Zeit von 17.15 bis 19.15 Uhr. Wer sich dafür anmelden oder sich informieren möchte, kann sich an Imke Boidol, Telefon 0421 / 704581 oder imke.boidol@netzwerk-selbsthilfe.com, wenden. Bärbel Möller möchte eine Anlaufstelle für Menschen schaffen, die nicht mehr können. Sie und ihre Mitstreiter wollen ein „Hafen“ sein und anderen Menschen die Kraft geben, weiterzumachen. „Es soll ein Angebot für alle sein, die Schmerzen haben“, sagt Bärbel Möller. „Nur jemand, der betroffen ist, weiß wie sich das anfühlt.“
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