Kompetenzen für die Zukunft
Die Constructor University möchte das kritische Bewusstsein ihrer Absolventen trainieren. Foto: nik
Artikel vom: 13.10.2026
Grohn – (nik) Zu allen Zeiten mag für junge Menschen ungewiss gewesen sein, was die Zukunft bringt. Immer drängender stellt sich heutzutage aber die Frage, welche Fähigkeiten sie brauchen, um diese ihre Zukunft erfolgreich zu meistern. Für eine zeitgemäße Bildungspolitik ist es deshalb elementar, eine Antwort auf diese Herausforderung zu finden. Das geht schon an den Grundschulen los, hier soll es heute aber um die Hochschulbildung gehen. Das alte Ideal vom „Universalgelehrten“ musste einer zunehmenden Spezialisierung weichen. Vom Ingenieurswesen bis zur Biochemie: Viele Studiengänge an der Constructor University sind sehr technisch orientiert. Um den Anspruch zu verwirklichen, kritische Professionelle auszubilden, werden alle diese Studiengänge durch den sogenannten „Constructor Track“ vervollständigt. Dieser umfasst Module im kritischen Denken, Methodik und der deutschen Sprache.
Die Philosophin Dr. Marina Christodoulou, unseren Lesern bereits bekannt, hat mit ihren Kursen: Philosophie in der Wissenschaft, Logik, Ethik, Kausalität und Korrelation, Handeln und Verantwortung an diesem Programm einen wesentlichen Anteil. Sie findet das Lehrkonzept großartig und sagt, es sei auch der Hauptgrund gewesen, dass sie an die Constructor-Uni berufen wurde. Die Philosophie solle einen zentralen Platz in der Universität einnehmen, weshalb diese Kurse zum Pflichtprogramm gehören. „Das als optionale Ergänzung zu betrachten, würde dem Konzept dahinter widersprechen.“ Es gehe darum, die Studenten zu befähigen, die Argumentationsstruktur hinter der Wissenschaft zu verstehen. Wissenschaft werde oft als objektiv wahrgenommen, doch Objektivität sei nur ein Ideal, auf das man hinarbeite. Die Fehlbarkeit gehöre zum Erkenntnisprozess, der offen ausgehandelt werden müsse. Experimente, die von Menschen gemacht werden, müssen immer im Rahmen der menschlichen Erfahrung beurteilt werden. Hier sei deshalb intellektuelle Bescheidenheit maßgeblich.
Die unmittelbare Verfügbarkeit von Wissen resultiere in einem Mangel an Geduld: Wenn alles auf Knopfdruck abrufbar sei, verleite das zu einer gewissen Arroganz. Den Wert von Lebenserfahrung zu erkennen und zu respektieren und die Einsicht in die eigene Fehlbarkeit müssten daher gelernt werden. Sie nimmt Bezug auf ein klassisches Sokrates-Zitat: „Je länger du suchst, desto eher wirst du wissen, was du alles nicht weißt“ Das sei heutzutage aktueller denn je. Denn Menschen würden dazu neigen, das zu glauben, was ihnen ein gutes Gefühl gibt. In Freiheit zu leben, sei immer Segen und Fluch zugleich.
Gutes Argumentieren sei eine Fähigkeit, die nicht nur in der Wissenschaft, sondern generell im täglichen Leben hilfreich sei. Viele Streitpunkte entstünden durch unpräzise Argumente, wenn Wörter und Konzepte genutzt werden, ohne zu klären, was damit gemeint ist. Nur an den Kursen teilzunehmen, mache noch niemanden zum kritischen Denker, aber die Studenten würden dadurch verstehen, warum diese Themen wichtig sind. So sollen die Kurse im breitesten Sinne dabei helfen, mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Kompetente Individuen könnten als „moral agents“ also moralisch Handelnde, verantwortliche Entscheidungen treffen.
Über die verschiedenen Fachrichtungen hinweg nehmen bis zu 400 Studenten an Constructor-Track-Kursen teil, die daher als Online-Kurse stattfinden. Marina Christodoulou würde sich dennoch wünschen, zumindest einige Veranstaltungen in Präsenz abhalten zu können. Vor dem Hintergrund der Erweiterungspläne der Privatuniversität, sei es ein günstiger Zeitpunkt, auch dieses Programm zu expandieren.
Dr. Mandi Larsen lehrt Sozialwissenschaften und Methodik und ist für die tägliche Koordination der Kurse verantwortlich. Sie beschreibt die inhärente Herausforderung, den Lernbedürfnissen der jungen Menschen entgegenzukommen und sie dabei zugleich mit Ideen in Berührung zu bringen, die über ihre eigenen Interessen hinausgehen. Das vor vier Jahren begonnene Lehrkonzept werde dafür kontinuierlich weiterentwickelt.„Wir können nicht alle Antworten vermitteln, sondern das Handwerkszeug, um zu dem Antworten zu gelangen.“ sagt sie. Mit den Jahren würden die jungen Menschen verstehen, welch große Bedeutung das für ihr Leben habe.
„Studenten kommen an die Universität, um sehr unterschiedliche Fächer zu studieren, doch es gibt bestimmte Denkmethoden, die sie alle verbinden sollten.“ sagt Dr. Frazer Cairns, Provost der Constructor-Uni: „Das Verständnis von Evidenz, Kausalität, Ungewissheit, Argument und Sprache bildet ein gemeinsames, disziplin-übergreifendes intellektuelles Fundament. Unser Constructor Track gewährleistet, dass wir nicht einfach nur hoffen, dass die Studenten das unterwegs aufschnappen, sondern wir diese Fähigkeiten bewusst allen Graduierten vermitteln.“
Der Constructor-Track mache mit 45 Kreditpunkten etwa ein Viertel des Curriculums aus. Die Methodik-Module unterscheiden sich dabei je nach Studiengang. Akademische Betreuer unterstützen die Studenten individuell dabei, den Überblick zu behalten. Zum Constructor-Track gehören nicht zuletzt Module in Deutschunterricht. Diese sollen zum einen das interkulturelle Bewusstsein der Studenten stärken, aber vor allem gute Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt eröffnen. Denn berufliche Perspektiven für die Absolventen haben hohe Priorität. Auch für die verpflichtenden Praktika in deutschen Firmen sind gewisse Deutschkenntnisse häufig eine Voraussetzung. Eine so international durchmischte Studentenschaft findet nicht von selbst zusammen: Recruitment Teams sind bereits in Schulen aktiv, um weltweit Jugendliche für ein Studium hier in Bremen zu begeistern. Das Lehrkonzept Constructor Track ist dabei ein wesentlicher Baustein dieser Strategie.
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