„Was bleibt, ist der Wandel“
Nobelpreisträger Sir Konstantin Novoselov hielt als Präsident der Privatuni die Eröffnungsrede. Fotos: nik
Artikel vom: 29.09.2026
Grohn – (nik) Ein „Open Campus Day“ an der Constructor University bildete den Höhepunkt des Jubiläumsjahrs: Vor 25 Jahren wurde im Beisein von Altkanzler Helmut Schmidt die „International University Bremen“ aus der Taufe gehoben. Auch wenn man hier konsequent auf die Zukunft hinarbeitet, bot das Fest Anlass für einen Blick zurück. Im Vordergrund standen jedoch zahlreiche Impulsvorträge der Wissenschaftler über ihre jeweiligen Fachgebiete. Dazu zählten beispielsweise die Quantenphysik, Glücksforschung, Mikrobiologie, Robotik und verschieden spezialisierte Ingenieurswissenschaften. Auch junge Besucher konnten bei „Science for Kids“ chemische und biologische Experimente durchführen. Nicht zuletzt konnten sich die Modelleisenbahnfreunde Bremen, die ihrerseits 20-jähriges Bestehen feiern, an dem Open Campus beteiligen.
Der Nobelpreisträger Sir Konstantin Novoselov, seit dem Frühjahr Präsident der Privatuni, betonte in seiner Ansprache, dass 25 Jahre „nicht wirklich eine lange Zeit“ wären: Das entspreche dem Durchschnittalter der Studenten hier. Er sei stolz darauf, in dieser hanseatischen Stadt zu sein, und man arbeite hart daran, „dass Bremen auch stolz auf uns sein kann.“ Man sei hier besser auf die Zukunft vorbereitet als irgendwer sonst. Er wolle aber zunächst auf die Vergangenheit zurückblicken: 2027 könnte man das 100-jährige Jubiläum der Quantenmechanik feiern.
Die wissenschaftliche Ära der Einzelgenies mit bahnbrechenden Theorien sei nach dem Zweiten Weltkrieg von einer stärkeren Institutionalisierung abgelöst worden, mit vielen neu gegründeten Universitäten. In den 1980er Jahren seien private Unternehmen mit kommerziell orientierter Forschung immer einflussreicher geworden, sodass es mittlerweile schwer geworden sei, dort noch mitzuhalten. Die Ergebnisse seien zudem immer unvorhersehbarer geworden. Als Antwort darauf stellte er das Konzept der vier „Constructor-Säulen“ vor: „Knowledge, Labs, Tech, Capital“. Seine Vision für 2030 sei globale Anerkennung in der High-Tech-Industrie. Abschließend zitierte er Helmut Schmidt, der gesagt habe, Deutschland brauche unbedingt Universitäten wie diese.
An der Gründung der damaligen „International University“ hatte die Rice University in Houston, Texas, einen maßgeblichen Anteil. Als Ehrengast sagte daher auch der jetzige Präsident dieser Hochschule, Dr. Reginald Desroches, einige Worte. Er sprach von der deutschen Tradition, Forschung und Lehre eng zu verzahnen, an der man sich seinerseits in Houston orientiere.
Überraschend war der Auftritt von Tshering Tobgay, Premierminister des Königreichs Bhutan: „Das erste Mal habe ich von Bremen im Kindergarten gehört.“ Die weltweit bekannte Geschichte der Stadtmusikanten habe ihm den Wunsch eingegeben, einmal im Leben Bremen zu besuchen. Er betonte seine persönliche Freundschaft zu „SB“, wie Dr. Serg Bell, faktischer Besitzer der Privathochschule, hier häufig genannt wird. Den habe er anfangs für verrückt gehalten, doch seine Motivation sei mitreißend, er habe eine Vision und gehe damit „All-in“. Daraufhin kam der Premierminister auf eine eigene Mission zu sprechen: In Bhutan habe der Monarch eine „Mindfulness City“ genannte Sonderwirtschaftszone begründet, in der eine „grüne Stadt der Zukunft“ entstehen solle, die Prosperität und Nachhaltigkeit in Einklang bringen soll. Seine ausufernde Beschreibung lief auf eine Einladung hinaus, die Privatuni dorthin zu expandieren.
Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion mit den Vorgenannten sowie Alt-Vizekanzler Philipp Rösler gab Serg Bell in dem ihm eigenen trockenen Humor des Überlegenen Auskunft: „Verrückt nicht nur im guten, auch im schlechten Sinn, keine Sorge.“ Dieses Gespräch währte nur kurz, bevor die Feier draußen mit einem Höhenfeuerwerk ihren Abschluss fand.
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