Besuch aus Lidice im Bremer Norden
Eine große Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern aus Lidice besuchte das Land Bremen. Dabei standen auch Begegnungen in Blumenthal auf dem Programm.Foto: th
Artikel vom: 27.05.2026
Blumenthal – (th) Das Besuchsprogramm gestaltete sich umfangreich. Mit einem großen Reisebus hatten sich über 30 Gäste aus Lidice in Tschechien auf die über 600 Kilometer lange Reise nach Bremen gemacht. Während ihres fünftägigen Aufenthaltes gab es Zeit und Gelegenheit für einen herzlichen und intensiven Gesprächsaustausch.
Bernd Kuschnerus, Kirchenpräsident der Bremischen Evangelischen Kirche, begrüßte die Gäste im Lidice-Haus auf dem Stadtwerder in Bremen. Dabei drückte er seine Freude aus, die Rolle als Gast einnehmen zu können, weil sich die Reisegruppe um die Ausrichtung eines gemütlichen Grillabends gekümmert hatte, bei zünftiger Bratwurst und tschechischem Bier. Rückblickend hatte er es nicht gedacht, dass sich der Kontakt so zu einer Herzensangelegenheit entwickelt, da sich unter den Gästen auch die Bürgermeisterin Veronika Kellerová und ihr Stellvertreter Tomás Skála befanden. Auf bremischer Seite nahmen teil die Geschwister Anne und Albrecht Uhl, Tochter und Sohn des früheren Schriftführers Ernst Uhl, Detlev Hansing und Thorsten Nix aus Blumenthal sowie einzelne Pädagogen und junge Pastorinnen.
Während ihres Aufenthaltes besuchte die Gruppe den Stadtteil Blumenthal. Der Weg führte zur früheren Wirkungsstätte von Ernst Uhl, der Ev. Kirche Bockhorn, und zu seiner Grabstelle auf den Friedhof Am Godenweg. Auf dem weiteren Programm standen Besichtigungen der Bunkeranlage Valentin, der Stadt Oldenburg und des Heideparks Soltau. Auf ein großes Interesse stieß ein Besuch des Weserstadions.
Bereits seit 1969 bestehen die Kontakte nach in die Ortschaft Lidice, in der Nähe der Stadt Kladno, 25 Kilometer von Prag entfernt. Die dunkelsten Stunden ereigneten sich 1942, als Lidice dem Erdboden gleich gemacht wurde. Die Nationalsozialisten regierten auf brutalste Weise auf das Attentat auf Reinhard Heydrich, dem stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, in Prag. Lidice wurde komplett niedergebrannt und zerstört, die Männer ermordet und viele Frauen in Konzentrationslager verschleppt. Die Kinder wurden in Kladno zusammengetrieben, viele von ihnen in Konzentrationslagern getötet, zum Teil auch in deutschen Familien zwangsadoptiert. Lidice wurde wieder neu aufgebaut, die ursprüngliche Fläche ist heute eine zentrale Gedenkstätte, auf der sich die Kirche, Schule, Handwerksbetriebe und Wohnhäuser befanden. Die ersten Kontakte nach Lidice führen auf das unermüdliche Wirken von Ernst Uhl zurück. 1979 kam es zur Gründung der Lidice-Initiative, die unter dem Kontext stand: „Völkerverständigung, Vertrauensbildung, Abrüstung“. Viele Vorbehalte mussten ausgeräumt werden. Doch zahlreiche Begegnungen, auch das Engagement des Landes Bremen, führten in der Hansestadt zur Einrichtung des „Lidice-Hauses“ und einem Denkmal in den Wallanlagen. Und in Lidice entstand das Begegnungszentrum „Oáza“, für das Ernst Uhl um Gelder und Spenden geworben hatte. Für sein Wirken und stetiges Bemühen – er hatte inzwischen die tschechische Sprache erlernt – wurde ihm die Ehrenbürgerschaft übertragen. Damit verbunden war eine Verbindung zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder und ein enger Kontakt mit der Ev. Kirche in Kladno. Heute setzt Detlev Hansing die inzwischen freundschaftlichen Beziehungen mit der Ortschaft Lidice fort, so dass es zu weiteren Kontakten und Begegnungen, auch mit Jugendgruppen, kommt. Bereits im Juni wird eine Gruppe am zentralen Gedenktag teilnehmen und einen Kranz niederlegen.
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