Gut besuchte Premiere in der Stadtbibliothek

Gastgeber Sprache: Ein abwechslungsreiches Literaturfestival für den Norden

Eine gut besuchte Veranstaltung erlebten die Gäste in der Stadtteilbibliothek Vegesack. Alle Autorinnen und Autoren hatten eigene Texte für den Abend ausgearbeitet. Bildmitte Regisseurin Franziska Mencz, 5. von links Martin Renz, Leiter der Stadtteilbibliothek. Foto: TH

Artikel vom: 15.04.2024

Vegesack (TH) – „Es gibt Menschen, die nicht nur kreativ sind, sondern Lust haben, ihre Geschichten zu erzählen“. Martin Renz, Leiter der Vegesacker Stadtteilbibliothek, begrüßte im Foyer zahlreiche Gäste, die zur Eröffnungsveranstaltung des Literaturfestivals für Bremen-Nord gekommen waren.

Die einladende Veranstaltungsform „Gastgeber Sprache“ lebt von der Initiative und dem Engagement aller beteiligten Autorinnen und Autoren, so Renz. Alles sei von unten gewachsen, so dass ein lebendiges Netzwerk entstanden ist.

Sämtliche Beiträge wurden extra für diesen Premierenabend verfasst. Die Zahl aller Mitwirkenden fiel hoch aus. Anne Achner, Peter Hoops, Eva Hütter, Rega Kerner, Cornelia Knösel, Gerhard Koopmann, Maren Schmidt, Gabriele Stein, Christa Thiekötter, Heide Marie Voigt und Jochen Windheuser hatten sich für diese Eröffnungslesung überwiegend dem Thema Reisen verschrieben, die – wie im Leben – nicht immer problemlos verlaufen. 

Das würde schon bei den Verspätungen anfangen, so dass der Zug am Umsteigebahnhof bereits abgefahren ist, weil die betreffenden konkurrierenden Züge nicht miteinander kommunizieren. Auf der Fahrt zu Tochter und Enkelin nach Leipzig kann die örtliche Pioniereisenbahn nicht fahren, weil ein Hochwasser es unmöglich macht. Dann macht die Grenzziehung ein Wiederkommen unmöglich. Im hohen Alter kann die Großmutter ihre Angehörigen in der Messestadt nicht wiederfinden. Eine Rundfahrt im ICE 1. Klasse führt Gesa aufgrund von Verspätungen plötzlich über Hamm. Zwischen Mainz und Koblenz bleibt der Zug wegen einem Lokschaden stehen. Das Ziel wird in Heidelberg erreicht. „

Ich werde mich trennen“, erfährt ein Lebenspartner per sms. „Sie hat einen neuen Lover“, denkt er und beabsichtigt einen Neubeginn. „Doch da war so viel, was uns verbindet.“ Aber das Bild, das er in sich trägt, entpuppt sich als Traum. „Schlaf gut“ – sagt der Traummann zu Judith, der heldenhaften Witwe, die neben ihm liegt. Sie solle sich ihren Wunschtraum erfüllen. Das tut sie auch und denkt an Mord. 

Eine weite Reise zu einem Ödlandbauern führt nach Island. „Selbstständig und unabhängig leben“, so sein Lebensziel, trotz bitterster Armut. Er muss seine wertvolle Kuh schlachten. Darüber hatte Halldór Laxness 1934 ein Buch veröffentlicht, in dem er über die Rückständigkeit vieler Bauern berichtete. 

Eine weitere Handlung beschrieb einen Internatsalltag, das ein Mädchen als tolles Erlebnis empfindet, um nie wieder allein zu sein, selbst wenn es dort Strafen gibt, aber dafür keine Prügel mehr. Heute sei der Ort für sie noch existent, als Seniorenstift. 

In der Nachkriegszeit steht für Anna und Luise fest, Schauspielerinnen zu werden. Nach 50 Jahren sehen sie sich wieder und gehen zögerlich aufeinander zu. Lust und Last ihres Lebens stehen abends im Mittelpunkt ihrer Erzählungen. Doch umso herzlicher wird die Umarmung, als sie sich am Zug verabschieden und wiedersehen wollen. 

„Ich wechsele die Perspektive und träume über mich selbst, als halbierte Seele“, so der nächste Kurzbeitrag. Es kommt ein Sturm auf und erfasst die Schwestern, umgeben von großen Monsterwellen. Selbst wenn sie dem Sturm ins Auge blicken konnte, würde sie nie zu einer Welle werden, verrät die Träumerin und wird in eine Schiffskabine geschleudert. 

Die Mona Lisa sei verschwunden, wird dem Direktor zugetragen. Nicht das Gemälde, sonders das berühmte Lächeln, nachdem es jahrhundertelang an der Wand hing. Auch der Direktor bemerkt eine Wesensänderung. Plötzlich hörte er auch Mona Lisas Stimme und trennt und befreit ihr Portrait aus dem Rahmen. In der Psychiatrie trifft er später eine seltsam anmutende Frau. Sie ist ihm sehr dankbar. 

Ein umfassender Leseabend erfordert natürlich eine Struktur. Da ist die Stadtbibliothek zu nennen, aber auch die Schauspielerin und Regisseurin Franziska Mencz, die im Vorfeld alle Schreibenden bei ihren Vorbereitungen mit vielfältigen Ideen inspirierte und unterstützte. Das DOKU in Blumenthal stellte wiederum seine Räumlichkeiten zur Verfügung. 

Weitere Lesungen im Rahmen von „Gastgeber Sprache“ sind geplant. Bis zum 17. Mai finden Veranstaltungen in Bremen-Nord statt. Näheres unter www.gastgebersprache.info


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