„Ich muss einfach Arbeit finden!“
Ali Abdalhamid und Gudrun Chopin haben sich im Sprachcafé der methodistischen Kirche kennengelernt. Foto: rdr
Artikel vom: 31.05.2026
Bremen-Nord (rdr) – Ali Abdalhamid stammt aus Syrien. Der 38-Jährige hat vier Jahre lang in Damaskus studiert. Zusätzlich hat er vor dem Studium ein Diplom für Computertechnik erworben.
Ali Abdalhamid arbeitete unter anderem im Libanon und in Dubai, um dem Militärdienst unter dem damaligen Assad-Regime zu entfliehen. In Dubai war er zuletzt verantwortlich als Veranstaltungstechniker in einem großen Hilton Hotel mit 610 Zimmern und 20 Restaurants tätig. Mittlerweile blockiert Dubai die Aufnahme von Syrern. Seit knapp fünf Monaten ist Ali Abdalhamid nun in Deutschland. Der 38-Jährige, dessen ausländische Qualifikation hier anerkannt wurde, lebt in einer Wohngemeinschaft in Marßel. Seine Kenntnisse entsprechen dem Bachelor in Informationstechnologie. Ali Abdalhamid verfügt über die Chancenkarte, die für maximal ein Jahr erteilt wird. Für ein halbes Jahr konnte er seinen Lebensunterhalt aus Ersparnissen bisher selbst sichern. Für eine Verlängerung für weitere sechs Monate fehlt der Fachkraft das Geld. Denn eine wichtige Voraussetzung für die Chancenkarte ist der Nachweis über die eigene Sicherung des Lebensunterhalts hierzulande.
Ali Abdalhamid spricht fließend Englisch und lernt in rasantem Tempo deutsch. Das Gespräch zu diesem Artikel konnte vollständig in deutscher Sprache geführt werden. „In ganz Bremen gibt es 44 Sprachcafés“, berichtete der 38-Jährige, der so viele davon wie möglich besucht. Sein Terminkalender im Handy ist voll von entsprechenden Eintragungen. Dazu bringt sich Ali Abdalhamid die Sprache per YouTube-Kanal und mit Hilfe von Apps bei.
Inzwischen läuft der Fachkraft die Zeit davon. Der IT-Experte müsste bis spätestens Ende Juni eine Arbeitsstelle in seinem Bereich gefunden haben oder einen Antrag auf Verlängerung seiner Chancenkarte stellen, was aus finanziellen Gründen aber nicht möglich ist. „Ich brauche Arbeit und möchte eine Karriere aufbauen“, sagt Ali Abdalhamid. Er sucht eine Vollzeitstelle beispielsweise als Veranstaltungstechniker. Auch für den IT-Support, Level I und II, ist der Syrer qualifiziert.
Als Alawit einer religiösen Minderheit angehörend, wäre Ali Abdalhamid in seiner Heimat in großer Gefahr. Zurück will er deshalb nicht. Bisher waren alle seine Bewerbungen in Deutschland nicht von Erfolg gekrönt. „Ich liebe Bremen, und ich muss einfach Arbeit finden!“, so Ali Abdalhamid voller Optimismus. Vor gut zwei Wochen hat er Gudrun Chopin im Sprachcafé kennengelernt, die 1981 die Initiatorin der Ökumenischen Initiative für Flüchtlinge Schwanewede war. Nun hat sie es erstmals mit einer Fachkraft zu tun. „Wenn Ali eine Chance bekommt, wird er alles dafür tun. Er ist überaus motiviert und engagiert“, sagt Gudrun Chopin, die ihren neuen Bekannten unterstützt, wo sie nur kann. Die noch nicht perfekten Deutschkenntnisse des Syrers sollten auf Dauer kein Problem sein, so Gudrun Chopin. „Es ist total beeindruckend. Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand so schnell eine Sprache lernt.“
Wer Ali Abdalhamid und seine Leistungsbereitschaft kennenlernen möchte, kann sich per Mail unter ali.abdalhamid.sy@gmail.com, gchopin@gmx.de oder redaktion@das-blv.de melden.
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