„Wir haben Bock!“ auf dem Furth-Hof

Gwendolyn Manek betreibt ökologische Landwirtschaft

Gwendolyn Manek bietet ihren Ziegen viel Platz. FOTO: AS

Artikel vom: 15.06.2022

Hinnebeck - (AS) Auf dem Furth-Hof in Schwanewede: Hier gibt es Ziegen. Doch zu sehen, zu hören oder gar zu riechen ist davon: nix. Erst, als es mit Inhaberin Gwendoly Manek in den gepflegten, hohen, luftigen Stall geht, ist Ziegengemecker zu hören – die kleinen Kitze verlangen ihr Mittagessen.
Auffällig ist, wie unterschiedlich ihre Stimmen sind, ebenso verschieden sind auch Fellfarbe und -zeichnung. 70 Tiere sind es im Moment, und das eine oder andere büxt auch gern mal aus, als es zum Fotoshooting geht.
„Ende 2019 fiel für mich viel zusammen“, berichtet die Inhaberin, die je einen Masterabschluss in Betriebswirtschaft und Agrarwissenschaften vorweisen kann. Sie habe schon zu Schulzeiten auf einem Hof im Nachbarort gelernt, wie man Milchschafe hält, melkt, Käse herstellt und verkauft. „Ab in den Stall! Du kannst Käse nicht verkaufen, wenn du das Produkt nicht kennst“, habe es damals geheißen. Das habe ihr viel Spaß gemacht, so dass sie daran hängengeblieben sei, so die 35-Jährige.
Doch zunächst sei sie als Unternehmensberaterin international unterwegs gewesen – und am Wochenende ging es zu den Schafen. Durch die Arbeitsreisen habe sie unter anderem einen großen Schafbetrieb in Neuseeland, mit 30000 Tieren, besuchen können. Als sie später zwei tolle Jobangebote bekommen habe, sei ihr bewusst geworden: „Du verkaufst dich!“
Dem folgte ein Traineeprogramm Ökolandbau. Sie selbst habe bis dahin bäuerliche Landwirtschaft kennengelernt, nun studierte sie Ökolandbau „von der Pike auf“. „Es ist ein spannender Ansatz, Landwirtschaft anders zu denken“. Und so sei sie auch noch Landwirtin. Als „Fachberaterin für kleine Widerkäuer“ habe sie Landwirte vom Saarland und Rheinland Pfalz bis nach Schleswig Holstein beraten und betreut. Dabei habe sie auch mit Milchziegen zu tun gehabt. Etwa im Jahr 2000 sei Ziegenmilch und -käse in Mode gekommen. 80 bis 100 Prozent seien kleine Käsereien, die Milch gesucht hätten.
Doch was mit den Bockkitzen tun? Milchziegen bekämen Brüder, zirka 10000 im Jahr in Deutschland, die teuer und aufwendig in der Aufzucht seien und für deren Produkte es keinen Markt gebe, da Ziegenfleisch ein „komisches Image“ anhafte, so Gwendolyn Manek, die inzwischen hauptberuflich als Geschäftsführerin einer Tochtergesellschaft von „Bioland“ Forschungs- und Endtwicklungsprojekte betreut.
Also beschloss sie, einen Markt zu schaffen, hielt mit der Familie Rat, um sich deren Unterstützung zu sichern, kaufte den Furth-Hof, zog 2020 mit ihrer Schwester ein und fing im ersten Jahr mit 40 Tieren an. Dieses Jahr könnten es bis zu 85 werden.
Von einer Freundin, die Großmilchziegen hat, bekomme sie die Kitze. Dort würden in der „Lammzeit“ von drei Wochen zirka 200 Kitze geboren, „ein wahrer Lämmerregen“. Da fahre sie hin und helfe, und so kenne sie „ihre Jungs“ ab der Geburt. Wenn sie drei Wochen alt sind, kämen sie auf den Furth-Hof und blieben zirka 15 Monate. Die Alternative: ins Ausland in die Mast zu gehen oder als Tierfutter zu enden. Deshalb sei es ihr Ziel, alle Bockkitze und die weiblichen, die nicht in die Zucht gingen, aufzunehmen.
„Ich ziehe sie mit Milch auf. Nachts sind sie im Stall und tagsüber auf der Weide. Frühestens im September werden sie geschlachtet“, erklärt Gwendolyn Manek. Das sei der Deal, um die Milch zu haben. Dabei lege sie Wert auf ein sehr hohes Tierwohllevel und wertschätzende Verwertung. „Sie werden von mir gepampert“, schmunzelt die Hofinhaberin. Die Ziegen kosteten sie Futter, Arbeitskraft, tierärztliche Betreuung, Material, Liebe und Nerven. „Sie bekommen alles, was sie brauchen.“ Sie würden in der Region geschlachtet, bei Schöwe in Sandstedt, um weite Wege zu vermeiden.
„Ich versuche, so viel wie möglich zu verwerten“, erklärt Gwendolyn Manek. Aus der Keule entstehe Lachs und Kotelett, aus Bauch und Rippe Bratwurst oder Wurstsorten, wie Mortadella und Salami. Die Felle werden gegerbt und verkauft; angedacht sei, auch das Leder, beispielsweise zu Taschen, zu verarbeiten. „Es ist das gesamte Tier, was man nutzen darf, und das zu dem Preis, was es kostet: mit der Aufzucht unter Biobedingungen mit Platz und Leistung.“ Da lasse sie beim Preis auch nicht mit sich handeln.
Dafür stehe der Furth-Hof: Ziegen wertschätzend zu halten und zu vermarkten, ihre Produkte im Hofladen zu verkaufen, so dass Kunden regional und bewusst einkaufen sowie ökologische Landwirtschaft erleben und begreifen können.
Um einen Markt zu schaffen, rühre sie bewusst die Werbetrommel für das Fleisch und die Tiere. So würden Führungen, Kochkurse und Seminare zu bewusster Ernährung angeboten, was von kleinen und großen Gästen gut angenommen werde. Zudem könnten diese auch die Weidegänse und die Legehennen besuchen, die sich auf den zirka sechs Hektar Grünland tummeln. „Es ist ein Berg von Arbeit und ein Ausgleich zu meinem Hauptjob“, so Gwendolyn Manek, die froh darum ist, Unterstützung von der Familie und den Mitbewohnern zu bekommen. Inzwischen kämen Stammkunden schon aus Wilhelmshaven, Nienburg oder Hannover, um im Hofladen, Hinnebecker Furth 9, einzukaufen. „Wenn bei Kindern und Erwachsenen der ‚Aha-Effekt‘ eintritt, bekommt man viel zurück“, so die Landwirtin und BWLerin.
Sie schätze ihren tollen Hof in ihrem Heimatort Schwanewede, mit Familie und Freunden, der ganz unter dem Motto läuft: „Wir haben Bock!“
Weitere Infos gibt es unter Telefon 04209/9873727, 0162/4066446 oder info@furthhof.de und www.furthhof.de.


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