„Talk um 8“ zu Kommunalwahlen
Moderator Lars Cohrs fühlte Matthias Sobotta und Christina Jantz-Herrmann auf den Zahn. Foto: GV Schwanewede
Artikel vom: 06.09.2026
Schwanewede – Am kommenden Sonntag finden in Niedersachsen die Kommunalwahlen statt. Für das Bürgermeisteramt in Schwanewede kandidieren Amtsinhaberin Christina Jantz-Herrmann für die SPD und Ratsmitglied Matthias Sobotta für die CDU. Bei der Veranstaltung „Talk um 8“ des Gewerbevereins Schwanewede sprachen die Kandidaten über sich selbst und ihre Ziele für die Gemeinde. In seinen einleitenden Worten verglich der Vereinsvorsitzende Björn Ohlandt die Wahl mit einem Roulette: Man müsse auf Rot oder Schwarz setzen. Dann übernahm Radiomoderator Lars Cohrs und stellte zunächst einige persönliche Fragen. Bürgermeisterin Christina Jantz-Herrmann ist Verwaltungsfachwirtin und verfügt über einen Masterabschluss in Entscheidungsmanagement. Sie ist 47 Jahre alt und hat zwei Kinder. Matthias Sobotta ist seit 2021 im Gemeinderat und als erster Vorsitzender des TV Schwanewede bekannt. Auch er hat zwei Kinder und ist um ein Jahr jünger.
Lars Cohrs fragte beide Kandidaten, welcher Moment sie am meisten geprägt habe. Christina Jantz-Herrmann erzählte aus ihrer Zeit im Bundestag, wie Frank-Walter Steinmeier, gerade zum Außenminister ernannt, sie in den Arm genommen habe und gefragt habe, wie es ihr gehe. Das habe ihr gezeigt, wie wichtig es sei, „Mensch zu bleiben“. Matthias Sobotta sprach von seiner familiären Prägung: Sein Vater habe ihm ehrenamtliches Engagement vorgelebt, und er wolle nun „hauptamtlich in der Politik was reißen.“ Auf die Frage, worauf die Bürgermeisterin besonders stolz sei, nannte sie die Verhandlungen mit der Bundesimmobilienanstalt, die es der Gemeinde ermöglichten, das Bundeswehr-Konversionsgelände zu kaufen. Matthias Sobotta ist stolz auf sein Ehrenamt beim Turnverein, den er „in trockenen Fahrwassern“ gehalten habe, sowie auf die parteiübergreifend ruhige Zusammenarbeit im Rat. Lars Cohrs wollte etwas über die Kandidaten in Erfahrung bringen, was man bisher noch nicht wisse: „Was würde dein Mann sagen?“ Die Bürgermeisterin meinte, er würde sie humorvoll nennen, was durchaus auch einen Sinn für schwarzen Humor umfasse. Matthias Sobotta outete sich als sehr organisiert bis hin zum Ordnungsfanatiker. Die nächste Frage war: „Was an dir treibt andere in den Wahnsinn?“ Christina Jantz-Herrmann nannte ihre Tierliebe und erwähnte ihr 33-jähriges Islandpony, auf das sie nichts kommen lasse, sowie die Kaninchen in ihrem Garten. Matthias Sobotta brachte es mit dem Wort Pünktlichkeit auf den Punkt.
Im Folgenden stellte sich das Konversionsgelände als zentrales Thema für die Gemeindepolitik der kommenden Jahre heraus. Matthias Sobotta wünscht sich dort ein Gemisch aus verschiedenen Wohnformen mit Sport, Freizeitangeboten und Gastronomie, was sich harmonisch in die Gemeinde einfügen soll. Dazu sprach er sich für ein Limit von 500 Wohneinheiten aus. Christina Jantz-Herrmann ist es wichtig, Einigkeit zu erzielen. Zu ihren Prioritäten zählen ein Sportpark für Vereine und seniorengerechte Wohnungen. Der Ankauf sei gelungen, man sei mit den To-Dos im Zeitplan und habe einen Vorentwurf für den Bebauungsplan. Weniger gelungen sei: Die neu gegründete Entwicklungsgesellschaft sei eine 1:1 Tochtergesellschaft, sodass man keine privaten Investoren, Sparkassen oder Volksbanken an der Entwicklung beteiligen könne.
Matthias Sobotta sagte, er wäre froh gewesen, wenn mehr Zug in der Sache gewesen wäre. Während des „Dornröschenschlafs“ des Areals seien Biotope entstanden, die nun die Nutzung einschränken würden. Darauf erwiderte die Bürgermeisterin, man wolle das ja grün gestalten und den Baumbestand erhalten. Ein Landschaftspark sei Teil ihres Konzepts. In den nächsten 18 Monaten will Matthias Sobotta den Bebauungsplan vorantreiben, Bauabschnitte festlegen und sich über die Verkehrssituation Gedanken machen. Für Christina Jantz-Herrmann ist der Verkehr eine Grundlage des Bebauungsplans. Die neue Schnellbuslinie S60 habe man von vornherein so geplant, dass sie in einer Schleife durch das Gelänge geführt werden könne. Auf die Anteile von Mietwohnungen, Eigentumswohnungen und geförderten Wohnraums wolle sie sich nicht festnageln lassen, sondern sich an den Bedarfen orientieren. Beteiligungsformate seien dabei elementar.Matthias Sobotta möchte auf keinen Fall eine Betonwüste, keinen „Ort im Ort“. Die Pläne müssten Akzeptanz in der Bevölkerung finden, die Gebäude sollten nicht höher als vier Stockwerke werden.
Natürlich wurde auch über Finanzen gesprochen: Nach Einsparmöglichkeiten gefragt, befand die Bürgermeisterin, es sei gesellschaftlich geboten, freiwillige Leistungen zu erhalten. Matthias Sobotta antwortete, er wolle vor allem zusätzliche Einnahmen erzielen: würden sich mehr Unternehmen ansiedeln, könne man auch mehr Gewerbesteuern einnehmen. Wenn man Investitionen stärker über Kredite finanziere, laufe man in eine Schuldenfalle. Er sprach sich dafür aus, an allem ein wenig zu sparen, statt etwas kaputtzusparen. Die wirtschaftliche Ansiedlung laufe schon, sagte die Bürgermeisterin mit Verweis auf Neuenkirchen, bis zu sichtbaren Resultaten dauere es ein paar Jahre.
Das nächste Thema war der Busverkehr: „Sind wir da schier?“ wollte Lars Cohrs wissen. Christina Jantz-Hermann verwies hier auf den neuen Osterholz-Takt, während Matthias Sobotta Schlaglöcher priorisieren und nicht zugunsten der Radwege Straßen verkommen lassen wolle.
Aus dem Publikum wurde nach Fördergeldern von Land und Bund gefragt. Matthias Sobotta sagte, der Haken daran sei, dass es solche Gelder nicht ohne einen Eigenanteil der Gemeinde gebe. Zudem wollte man konkrete Quadratmeterpreisen für die neuen Wohnungen wissen: Die sollen im Bereich neun bis zwölf Euro liegen. Noch aktive Truppenübungen auf den Bundeswehrflächen kommentierte Lars Cohrs trocken: „Niemand hat die Absicht, eine Kaserne zu bauen.“ Die Bundeswehr solle auch ihre infanteristischen Übungen im Gebiet aufgeben, meinte die Bürgermeisterin.
In ihrem Schlussplädoyer betonte sie, dass sie gerne Entscheidungen treffe und: „Mir liegt Schwanewede sehr am Herzen.“ Matthias Sobotta sagte, er wolle frischen Wind ins Rathaus bringen und mehr agieren als reagieren. Dazu wolle er „die Ärmel hochkrempeln und Schwanewede etwas zurückgeben.“
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