Brennen bei über 1200 Grad

Liz Kapala aus Schwanewede über den Flow und die Kreativität mit Keramik

Liz Kapala hat sich eigentlich nur für das Foto in Montur geworfen und an die Scheibe gesetzt, doch nach nur wenigen Minuten war bereits eine Tasse in Form.    Fotos: nik

Artikel vom: 30.11.-0001

Schwanewede – (nik) „Ich liebe einfach Meeresbiologie!“ sagt Liz Kapala. Besucher des Kunsthandwerker-Markts im Bauhaus-Bootshaus beim Festival Maritim im August könnten sich erinnern, was sie meint: Viele sind allein wegen ihrer „Waltasse“ gekommen. „Ich bin Bremen-Norderin, von daher fühl ich das auch. Ich bin als Kind auch auf dem Wal in der Fußgängerzone herumgeturnt.“ Sie hat Mathematik und Biologie in Oldenburg studiert, wo die Meeresbiologie einen besonderen Schwerpunkt bildet. Nun ist sie Lehrerin an der Oberschule an der Egge, wo sie selbst ihr Abitur gemacht hat. Dort kann sie als Praxisangebot im neunten Jahrgang auch mit den Jugendlichen töpfern. 

2021 hat sie die Töpferscheibe gekauft, ein halbes Jahr später den Brennofen. Der war nicht ganz billig, aber ihr Freund hatte sie bestärkt: „Wenn du ihn früher kaufst, hast du ihn länger.“ Das sei allein schon deshalb notwendig, weil sie herausgefunden habe, dass Besitzer eines Brennofens ungern Sachen von anderen Leuten brennen: Denn Lufteinschlüsse können die Objekte zum Platzen bringen, dabei gehe alles andere auf der Ebene auch zu Bruch. Im sogenannten „Hochbrand“ erreicht der Ofen über 1200 Grad Celsius, daher braucht er einen Starkstromanschluss. Das Brennen dauert 24 Stunden, weshalb man schon ungeduldig werden könne, bevor man das Resultat sehe. Überhaupt muss das Ganze sorgfältig getaktet werden: Nach dem Drehen müssen die Arbeiten eine Woche trocknen, den Trocknungsprozess könne man mit Frischhaltedosen steuern.  

Gebrannt werde erst, wenn der Ofen auch voll ist. Nach dem Schleifen und Waschen ist dann das Glasieren an der Reihe. Unterschiedliche Farbpigmente ergeben den persönlichen Stil und machen die Werke zu Unikaten: Die Glasuren erinnern farblich daran, wie sich Wellen schäumend in der Brandung brechen. Nach dem Glasieren wird dann ein zweites Mal gebrannt. Sie arbeitet mit schwarzem und weißem Ton und mehreren Schichten Glasur. 

Zuletzt experimentierte sie auch mit Porzellan, eine ganz eigene Herausforderung: „Porzellan verhält sich auf der Scheibe wie Frischkäse, es ist ganz weich und fällt schnell zusammen.“ Schwieriger werde es, „je dünner man dreht“ Die Porzellantassen bemalt die 35-Jährige von Hand mit Motiven wie Hummern und Tintenfischen. Tassen und Becher zu drehen, sei einfacher ohne Henkel: Um den anzubringen, muss der Ton aufgerauht werden, was eine Oberflächenvergrößerung erwirkt: Ein weiterer Begriff aus der Biologie. „Den Schülern sage ich auch, das funktioniert wie ein Klettverschluss.“ In der Schule kommt man mit nur einer Drehscheibe nicht weiter, daher wird dort die „Plattentechnik“ angewandt: Der Ton wird wie Keksteig ausgerollt und dann etwa über eine Schüssel gestülpt. Diese Technik habe sie auch auf die Idee für „Babybauch“-Schüsseln und Vasen gebracht: Dabei wird ein Abdruck vom Babybauch gemacht, der eine bleibende, physische Erinnerung an diese Zeit bewahrt.

Gemalt und genäht habe sie auch schon, doch der praktische Nutzwert der Arbeiten gebe dem Hobby eine zusätzliche Dimension: „Es ist auch einfach ein toller Ausgleich für kopflastige Arbeit. Man fühlt das, wenn man den ‚Flow‘ erreicht.“ 

Eines ihrer nächsten Ziele ist die Kooperation mit einer Barista, die demnächst ein neues Café eröffnen will. Dort möchte sie die Tassen verwenden und auch verkaufen, außerdem könnten Töpferkurse im Café stattfinden. „Ich gebe jetzt Kurse, aber habe noch nie einen Kurs gemacht“ lacht Liz Kapala. Kreativität und Fremdbestimmung schließen sich nicht aus, doch dass die Wal-Tassen so beliebt sind, bedeute, dass man immer mehr davon mache, das sei aber dann eine extrinsische Motivation.

Das Festival Maritim war ihr allererster Kunsthandwerkermarkt, am 1. November wird sie bei „Unikates“ im Kulturbahnhof dabeisein. Viel läuft mittlerweile auch über Instagram, erzählt sie. Wer jetzt also neugierig geworden ist, kann sich unter www.instagram.com/lottikeramik einen Eindruck verschaffen.


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