„Maritimer Charakter Vegesacks leidet“
Andreas Groß ist Vorsitzender des Vereins „Rettet Vegesack Maritim“. Foto: rdr
Artikel vom: 15.02.2026
Vegesack – (rdr) Der Verein „Rettet Vegesack Maritim“ wurde 2023 gegründet. Anlass waren die Pläne zur Bebauung des Strandlust-Areals. Der Vorsitzende Dr. Andreas Groß berichtet darüber, wie der Verein sich aktuell positioniert.
Das BLV: Dr. Groß, wie stehen Sie zu dem Projekt?
Dr. Andreas Groß: Das Strandlustgrundstück ist das wahrscheinlich sensibelste Gebiet in Bremen-Nord. Es ist ein zentrales Element. Aus Sicht unseres Vereins war es von der damaligen Bausenatorin (Dr. Maike Schaefer, Anmerk. d. Redaktion) politisch dumm, dieses Grundstück für eine Massivwohnbebauung zu verbrauchen. Dadurch wird schlichtweg die Sichtbarkeit des maritimen Vegesacker Erbes aufgegeben Das, was man als maritimen Charakter Vegesacks bezeichnet, wird zur touristischen Worthülse. Es gibt genügend Städte, Orte und Gemeinden, die bei so einem einzigartigen Erbe alles daransetzen würden, es zu hegen und pflegen, um es für die Bevölkerung und Touristen weiterzuentwickeln.
Der Hochwasserschutz ist ja immer wieder Thema...
Da würden wir gerne wissen, wie das gesetzeskonform realisiert werden soll, wenn die Großwohnanlage – wir schätzen mit etwa 90 Wohnungen – gebaut wird. Nach dem alten Bebauungsplan waren dort nur Hotellerie, Gastgewerbe und Wohnungen für das Personal erlaubt. Wie können die Menschen im Notfall bei Hochwasser erreicht werden? Die Frage ist ja auch: wie wird der Verkehr geleitet? Die Straße Zur Vegesacker Fähre ist ja eine Sackgasse mit Wendekreis. Und der Zugang zur Fähre muss gewährleistet bleiben. Wo sollen die Bewohner parken; es gibt doch jetzt schon einen hohen Parkdruck. Es ist doch eine kindliche Idee, dass in Zukunft alle aufs Lastenrad umsteigen werden.
Sie kritisieren als Verein, dass ihnen konkrete Informationen fehlen...
Uns fehlt die Transparenz im Verfahren. Das Einzige, was wir aufgrund veränderter Hochwasserschutzbestimmungen und verschärfter Hochwassergefahr schlussfolgern können, ist die Tatsache, dass sich die beschönigende Darstellung der veröffentlichen Designergrafiken wohl deutlich verändern dürfte. Und um es klar zu sagen: Wir lehnen Wohnbebauungen ja nicht grundsätzlich ab – aber bitte nicht an dieser sensiblen Stelle.
Was bereitet Ihnen Sorgen?
Das Projekt wird marketingtechnisch wie eine Monstranz seitens der Beteiligten vor sich hergetragen. Worin besteht denn die Maritimität der Bauweise? Der maritime Charakter Vegesacks wird so zur marketingtechnischen Folklore.
Sie haben einen Bürgerantrag für die öffentliche Beiratssitzung am Montag, 16. Februar, 18.30 Uhr, im Bürgerhaus gestellt. Darin fordert der Verein die Einberufung einer Einwohnersammlung.
Erstmal sind wir gespannt, ob der Beirat dem Antrag zustimmt. Bei einem Nichtzustimmen würde sich der Verdacht erhärten, dass engagierte Bürger sich besser nicht zu dem Vorhaben äußern sollen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, zu der Sitzung zu kommen. Denn, wenn unserem Antrag nicht zugestimmt wird, ist das die letzte Gelegenheit, sich im öffentlichen Raum zu äußern.
Welche Rolle spielt die Politik im Zusammenhang mit dem Strandlust-Projekt?
Die Bürgerschaftsabgeordneten aus Bremen-Nord schaffen es nicht, Bremen-Nord eine deutliche Stimme zu verleihen. Personell sind sie – wenn man bedenkt, dass in Bremen-Nord etwa 105000 Menschen leben – ohnehin unterrepräsentiert. Wir werden hier kleingehalten, und die ‚Rathausblase‘ nimmt die Historie von Vegesack überhaupt nicht wahr oder will sie nicht wahrnehmen.
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