„Lesum Mitte“ entschieden abgelehnt
Bereits jetzt ist es eng auf dem Geh- und Radweg vor der Polizei in der Hindenburgstraße. Foto: as
Artikel vom: 05.10.2026
Burglesum – (as) Für Erstaunen sorgte bei der jüngsten Beiratssitzung die Idee, die Bushaltestellen „Kirche“ beim Ortsamt ein paar Meter weiter in Richtung Bremen zu verlegen: auf Höhe der Polizei. Hintergrund ist der geplante Aus- oder Umbau von Bushaltestellen der BSAG zu barrierefreien Haltepunkten. Das vor sechs Jahren geplante Liniennetz sei heute nicht mehr sinnvoll, führte Lars Degen von der BSAG aus. Aktuell sei man in der Findungsphase. Und im Lesumer Zentrum seien nun drei Haltestellen für den barrierefreien Ausbau vorgesehen. Am Bahnhof sollen die Haltestellen um die Ecke in die Rotdornallee verlegt werden, hieß es seitens der beauftragten BPR Ingenieure GmbH & Co. KG. Bei „Stehnckenshoff“ soll eine Seite komplett neu werden. In „Lesum-Mitte“ würden auf Höhe der Polizei beidseitig Bäume und die Parkbuchten wegfallen.
„Ich weiß nicht, was Sie in Lesum-Mitte vorhaben“, ergriff Niels Heide (SPD) nach den Ausführungen das Wort. Die Parkbuchten dort seien sehr eng, die Straße abschüssig. Vor dem Ortsamt sei mehr Platz. Eine minimale Verlegung sei die deutlich bessere Lösung.
Martin Hornhues (CDU) bemängelte, dass das Liniennetz noch nicht fertig sei. Durch den geplanten Umbau gebe es am Bahnhof Lesum Einschränkungen für Fußgänger und Radfahrer, bei der Haltestelle Mitte fielen Parkplätze weg, kritisierte auch er, zumal seien Fuß- und Radweg dort schmal. Das habe nur negative Auswirkungen.
Ortsamtsleiter Florian Boehlke sagte, wenn man einen gut funktionierenden Einzelhandel haben will, würden Parkplätze gebraucht. Er schlug vor, die Haltestelle „Lesum Kirche“ so darzustellen, dass sie barrierefrei ist. „Die Stärkung des Einzelhandels ist uns wichtig!“, unterstrich er. Maren Wolter (SPD), die die Barrierefreiheit begrüßte, erklärte, an der Polizeiwache sei es zu eng, und man könne da auch keine Wartehäuschen mit Sitzmöglichkeiten aufstellen. Helga Lürssen, CDU, hakte nach, wie man Barrierefreiheit an einer abschüssigen Straße herstellen will – die Steigung für die Rampe auf der gegenüberliegenden Seite bei den Arkaden liege bei sechs Prozent – und wollte wissen, was der Landesbehindertenbeauftragte sage.Dieser habe noch keine Stellungnahme abgegeben, so Florian Boehlke. Er fügte an, dass die Streckenplanungen der BSAG vielleicht nach den Herbstferien vorgestellt werden könnten.
Seitens des Publikums hieß es, dass es für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer nicht einfacher werden würde. „Leihen sie sich einen Rollstuhl, fahren Sie diese Strecke“, wurde empfohlen. Fielen die Parkplätze weg, seien die E-Lade-Parkplätze noch häufiger zugeparkt als jetzt, lautete eine andere Meinung.
Svenja Esch, erste Vorsitzende des IGEL e. V., erinnerte an den Kampf um den Erhalt der Infrastruktur und des Einzelhandels. Würde man weitere Parkplätze „rasieren“, gebe es keine alternativen Parkmöglichkeiten. Sie plädierte an den Beirat, die Planungen abzulehnen, sonst gebe es in fünf bis zehn Jahren einen Leerstand von 50 Prozent in Lesum. Letztendlich lehnte der Beirat „Lesum Mitte“ entschieden ab. „Der damit verbundene Wegfall von sieben Parkplätzen an der Hauptstraße in unmittelbarer Nähe zum Einzelhandel ist nicht hinnehmbar und würde diesen empfindlich schwächen, da eine unmittelbare Kompensation nicht möglich ist“, hieß es. Zudem gebe es dort Konflikte mit dem Radverkehr und Einschränkungen der Barrierefreiheit wegen der Straßenneigung.
Die Haltestelle „Lesum Kirche“ soll nahe der bisherigen Lage beibehalten und geprüft werden, ob sie barrierefrei ausgebaut werden kann – mit Wartehäuschen und Sitzflächen. Bäume, die gefällt werden müssten, sollten in der Nähe ersetzt werden. Dem Ausbau der Haltestelle „Stehnckenshoff“ wurde zugestimmt, aber in beide Fahrtrichtungen. Die Haltestelle „Bahnhof Lesum Nord“ soll zurückgestellt werden, „bis dem Beirat die Planung zur künftigen Buslinienführung vorgestellt worden ist“.
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