Skepsis an Fernwärmenetzausbau
Das Kraftwerk im Kämmerei - Quartier verfügt über ausreichend Kapazitäten, um größere Betriebe und Einrichtungen sowie Wohngebiete mit Energie zu versorgen. Dafür wird ein großes Fernwärmenetz ausgebaut. F oto: th
Artikel vom: 30.11.-0001
Blumenthal – (th) Fernwärmenetze sind gefragte Energielieferanten. Im Stadtteil Blumenthal sind Anfänge gemacht, um möglichst Großabnehmer anzubinden. Als Wärmespender dient das ehemalige Kohlekraftwerk im Kämmerei-Quartier. Nun möchte die Gesellschaft enercity contracting den Ausbau des Fernwärmenetzes beschleunigen, berichteten Maria Böger zuständig für den Ausbau des Netzes und Dennis Witt, zuständig für den Vertrieb und die Kundenakquise, über den aktuellen Stand. In einem halben Jahr würden wichtige Verbindungsstraßen in dem Zentrum Blumenthals für die Verlegung der großen Rohre zuweilen gesperrt sein. Dazu zählt die zentrale Landrat-Christians-Straße. Claudia Schwinning, selbstständige Kauffrau vom Edeka-Center, erklärte, sie könne es sich nicht leisten, dass eine neue Baustelle vor ihrer Tür eingerichtet wird. „Was für Sie lukrativ erscheint, ist für mich eine Vollkatastrophe.“
Deutliche Kritik übte auch Herbert Dohrmann, Obermeister der Fleischer-Innung. „Sie legen mit der Sperrung die gesamte Straße flach.“ Sein Fleischerfachgeschäft benötige für Anlieferungen genaue Angaben über die Dauer der Sperrung des Straßenzuges und über Ausweichstrecken. Auch der Modellbauladen meldete sich zu der Thematik zu Wort sowie ein benachbartes Physiozentrum. Die Pläne können sich noch verändern, so Maria Böger. „Und wir können auch nichts vorher exakt erstellen. Wir werden mit der BSAG sprechen, dass Busse durchfahren können.“ Ortsamtsleiter Oliver Fröhlich sicherte zu, regelmäßig nach dem Stand der Planungen zu fragen. Er sei auch bereit, sich mit Firmenvertretern, Anwohnern und Mitgliedern des Beirates zusammenzusetzen. Darauf drängte auch Marc Pörtner (Grüne). Denn es würden kollaterale Schäden für Gewerbetreibende auftreten.
Das ehemalige Kraftwerk im Kämmerei-Quartier wurde 2004 umgestellt auf Ersatzbrennstoffe, bestehend aus Abfallprodukten. Es wurde eine Vereinbarung geschlossen, die erzeugte Wärme zu vermarkten. „Wir haben größere Kunden im Blick“, so Dennis Witt. Im ersten Bauabschnitt sind es das Klinikum und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in der Lindenstraße. Eine weitere geplante Trasse ist mit 2,6 Kilometer Länge bis zum Hafen Vegesack führen. Der Endausbau nach Blumenthal ist über die Landrat-Christians-Straße zum Bahnhof Blumenthal bis zum Busdepot der BSAG vorgesehen. Anschlüsse sind für Schulen an der Wigmodistraße, Eggestedter Straße und das SZ Blumenthal geplant.
Immer wieder würde man sich mit der BSAG und dem ASV abstimmen, um besser vorausplanen zu können. Gebaut wird in möglichst kleineren Abschnitten mit zwölf Meter langen Rohrstangen, ab einer Mindestlänge von 120 Metern. Für Kay Bienzeisler (SPD) ein spannendes Thema. Er fragte nach, ob private Haushalte miteingebunden werden? Nähere Details über die Dauer der Bauzeit wollte Hans-Gerd Thormeier (CDU) wissen. Dennis Witt berichtete, dass sich Anlieger der Lindenstraße, die direkt am Netz liegen, anschließen können. Die Leitung betrage eine Leistung von 15 Megawatt, es wäre ein Wärmevolumen für 12000 Wohneinheiten. Im Bedarfsfall könne man das Heizkraftwerk weiter ausbauen sowie eine Verbindung zum Kraftwerk an der Clamersdorfer Straße herstellen.
Für die geplante Bauzeit werden mindestens 14 Wochen nötig sein. Maria Böger sicherte zu, dass die Interessen von Gewerbetreibenden, aber auch Anwohnern, berücksichtigt. werden. Für einzelne Beiratsmitglieder blieben viele Fragen offen. So bezweifelte Christian Milpacher (SPD), dass Verkehrsteilnehmer Sperrungen auf kurzen Wegen umfahren werden können. Weitere Fragen wie beispielsweise von Holger Jahn (CDU) richteten sich nach Anschlussmöglichkeiten für Anwohner oder nach den Kosten, die von Makso Tunc und Kay Bienzeisler (beide SPD) eingebracht wurden, während Hans-Gerd Thormeier (CDU) fragte: „Wird es zu finanziellen Entschädigungen kommen?“
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