Trauer um Ulla Deetz
Ulla Deetz. Foto: fr
Artikel vom: 02.11.2026
Vegesack – (rdr) Die hiesige Kulturszene ist um eine beeindruckende Persönlichkeit ärmer: Die Malerin Ulla Deetz ist nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Einst war die Malerin im Kito Ausstellungsleiterin, dann kämpfte sie mit anderen Künstlern um den Güterschuppen, der abgerissen werden sollte und heutzutage den Kulturbahnhof beherbergt.
Im Jahr 1999 machte sich die Kreative, deren Markenzeichen der blonde Wuschelkopf war, als Malerin selbstständig. Ihre erste Ausstellung wurde am prägnanten Datum 9.9.1999 eröffnet – und zwar in allen Bremer Standesämtern. Gemälde mit Herzen zierten die dortigen Wände, und noch heute hängt eines ihrer Werke im Trauzimmer in Bremen-Nord. Mit dieser ersten Ausstellung startete die Karriere von Ulla Deetz so richtig. Sie konzipierte Projekte mit Gemeinden, Städten oder Einrichtungen. Die 1953 geborene Malerin sprudelte nur so vor kreativen Ideen.
Zum Festival Maritim startete sie einst das Projekt „Angelandet“ mit Kindern und Senioren, bei dem ganz viele Fischbilder entstanden, die die Weserpromenade im Stadtgarten zierten. Auf dieses Projekt wurde man auch in Cuxhaven aufmerksam, wo 2014 das „Windstärke 10 - Wrack- und Fischereimuseum“ ebenfalls mit von Ulla Deetz und Kindern in Schulen gestalteten Fischobjekten eröffnet wurde.
„Sie war sehr kreativ, aber auch sehr kritisch und unglaublich engagiert, wenn sie von einer Sache überzeugt war“, sagt Ehemann Reiner Kammeyer. Und so startete Ulla Deetz dann auch eine besondere Aktion unter dem Titel „Handeln“.
Denn handeln wollte die Künstlerin und nicht verzagen, als es zahlreiche Leerstände in der Vegesacker Innenstadt gab. Zwölf Installationen präsentierte die Malerin damals mit anderen Künstlern in der City. Und dort, wo in der Alten Hafenstraße heutzutage der Martinsclub beheimatet ist, eröffnete Ulla Deetz, die Gründungsmitglied des Statt Theaters war, das erste Vegesacker Kunstkaufhaus. Eines der ersten seiner Art bundesweit. Maler und Bildhauer konnten da ihre Werke anbieten, und man kam auch im dortigen Café ins Gespräch. Dann zog das Kunstkaufhaus in den alten Speicher, also ins heutige Geschichtenhaus. Ein gutes Vierteljahr lang wechselte dort 14-tägig die Ausstellung, was in diesem Zeitraum rund 10000 Besucherinnen und Besucher anzog.
Ulla Deetz war auch die Erfinderin der „Kunstwerke in Liegestühlen“ in Bremerhaven. 80 Liegestühle gestaltete sie dafür mit ganz unterschiedlichen Motiven. Auch in ihrem Haus auf Kreta hat die Nordbremerin gemalt, und zwar mit toller Resonanz. Bei zwei Ausstellungen auf der Insel konnte sie rund dreiviertel ihrer Werke mit den griechischen Motiven verkaufen. Ihr Eigenheim in Vegesack räumte sie hingegen mit Unterstützung auch schon mal kurzerhand aus und lud Künstler aus ganz Deutschland ein. Da waren dann durchaus bis zu 400 Personen an einem Wochenende zu Gast und verwandelten das ganze Haus in ein Atelier.
Eine weitere Leidenschaft verband Ulla Deetz mit Tai Chi. In dieser alten Kampfkunst war sie 30 Jahre lang ausgebildete Lehrerin. Noch bis vor zwei Monaten leitete die Nordbremerin eine Gruppe. Die Künstlerin hat zu Lebzeiten immer darauf geachtet, dass ihre Familie über allem steht. Sie war so bunt wie ihr Leben, aber auch eine Frau der Stille, die sich auch mal komplett zurückzog. Ulla Deetz hinterlässt nicht nur in der Welt der Kulturschaffenden eine große Lücke.
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