„Das gelbe Fett von Blumenthal“

Von Bremen-Nord in die weite Welt

Eine lange Kooperation existierte zwischen der BWK und dem Beiersdorf-Unternehmen ín Hamburg. Für die Herstellung der Fett- und Feuchtigkeitscremes wurde das aus der Schafswolle gewonnenen Wollwachs verwendet.   Foto: th

Artikel vom: 09.06.2026

Blumenthal (th) - Eine enge geschäftliche Beziehung zwischen dem Haus Beiersdorf und der Bremer Baumwoll-Kämmerei existierte bis ins das Jahr 2009. Mit der Betriebseinstellung des Blumenthaler Unternehmens endete zum beiderseitigen Nutzen eine lange währende Zusammenarbeit. Detlef Gorn von der Initiative Kämmereiquartier erinnert an eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Sie nahm im Jahr 1911 ihre Anfänge, als am 23. Oktober gegen 11 Uhr ein Telegramm aus Hamburg in der Telefonzentrale der BWK eintraf. Es trug die Unterschrift von Dr. Oscar Troplowitz, Inhaber des Hauses Paul C. Beiersdorf. Kurz zuvor war es seinem damaligen Top-Chemiker Dr. Isaac Lifschütz gelungen, den Emulgator „Eucerit“ aus dem Wollwachs der gewonnenen Schafswolle zu isolieren. So entstand mit seiner Mithilfe die weltweit erste stabile geeignete Fett- und Feuchtigkeitscreme.

Aufgrund des industriell hergestellten Produktes nahm die NIVEA ihre einzigartige Erfolgsgeschichte auf und entwickelte sich schnell zur Weltmarktführerin in der Hauspflege. Den erforderlichen Rohstoff lieferte fortan das Wollwachs, das täglich aus der in Blumenthal gewaschenen Schweißwolle von täglich bis zu 70000 Schafen anfiel. Mit dem Telegramm verbunden war ein Besuch des früheren Einkaufsleiters von Beiersdorf. Ferdinand Ullrich, der Direktor der BWK, begrüßte den Gast aus Hamburg, für den das aufstrebende Unternehmen in Blumenthal ein Begriff war, da es einen weltweit anerkannten Namen besaß. Auf dem Werksgelände existierten bereits die „Chemischen Betriebe“, eine weitere wichtige Adresse für das Beiersdorf-Unternehmen. Doch mit dem Besuch in Blumenthal konnte sich eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung entwickeln, die bis zur Betriebseinstellung der BWK sich positiv entwickelte, bis die letzten blauen Fässer, mit Wollwachs gefüllt, im Jahre 2009 das letzte Mal dem Transportweg nach Hamburg gelangten.

Damit endete die Lieferung des „Gelben Golds von Blumenthal“, hat Detlef Gorn in seinen Aufzeichnungen festgehalten. In seinen umfangreichen Berichten zur Geschichte der BWK geht er auch auf den Verarbeitungsprozess der Rohwolle näher ein. Nach der Sortierung musste das Produkt gründlich gewaschen werden, das von Natur aus verschmutzt, verklebt und fettig ist. Die Wolle durchlief bis zu sieben große Behälter. Die Hauptwäsche erfolgte bei ca. 50 Grad unter Zuführung von Seifenlauge und Soda.  Dabei wurde „weiches Wasser“ verwendet, das die BWK aus zehn Tiefbrunnen in Wätjens Park und einem Wasserturm gewinnen konnte. Aus dem Brauchwasser wurden mittels Zentrifugen das ausgewaschene Wollfett entzogen. In weiteren Schritten wurde das „Lanolin“ gewonnen, als ein Ausgangsprodukt für Haut- und Babycremes sowie Lippenstifte.

Das unraffinierte Wollfett war im Übrigen nicht nur bei den Betriebsangehörigen beliebt. Auch bei vielen Blumenthalern war es heiß begehrt als Wundcreme für die Haut und bei manchen Gartenfreunden. Bereits kurz nach der Betriebsaufnahme zog die chemische Fabrik von Dr. Hensel von Lesum nach Blumenthal, die später von der BWK übernommen wurde. Die „Chemische“, so wurde sie gern betitelt, spezialisierte sich auf die Gewinnung von Wollfett, Kernseife und schlammdünger für die Landwirtschaft. Durch die Waschvorgänge wurden wasserlösliche Salze in der Chemiefabrik eingedickt und zu Pottasche, ein mineralisches Salz und traditionelles Backtriebmittel, verarbeitet. Die gewonnene Seife gelangte wieder in die Waschvorgänge. Dafür war ein Seifenmeister zuständig, der alles im Blick behielt.


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