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  17.08.2019 - 16:32 Uhr

  

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„Wie ein Detektiv auf Zeitreise“

Silke Böschens Debütroman führt die Leser nach Bremerhaven und Amerika


Silke Böschen ist gebürtige Bremerhavenerin. FOTO: FR

Region – (NAD) Ein sonniger Wintermorgen im Jahr 1875 in Bremerhaven: Johanne Claussen will sich mit ihrer Familie von ihrem Bruder verabschieden, der in die USA auswandert. Plötzlich gibt es eine Explosion. Johanne verliert fast ihre ganze Familie. Cecelia Thomas, Witwe des Verbrechers, der Schuld am Unglück hat, flieht. Auf Grundlage dieser wahren Begebenheiten hat Silke Böschen das Unglück in ihrer Geburtsstadt recherchiert und ihren Debütroman geschrieben. Die Fernsehreporterin lebt heute in Hamburg. Sie war unter anderem Moderatorin der „ARD-Sportschau“ und das Gesicht des Politik-Magazins „Kontraste“.

Wie haben Sie von dem Unglück erfahren, das Grundlage Ihres Romans ist?
Ich habe meiner Tochter Fanny nach ihrer Geburt 2009, als sie ein paar Wochen alt war, vorgelesen, damit sie einschlafen konnte. Weil sie zu dem Zeitpunkt noch so klein war, habe ich als Lektüre ein Buch gewählt, das mich interessiert. Die Wahl fiel auf eine alte Stadtchronik von Bremerhaven von 1927. Das Buch ist ziemlich langatmig geschrieben – und hat eher mich als meine Tochter schläfrig gemacht–, bis ich auf die „Thomas-Katastrophe“ stieß. Ich hatte nie zuvor davon gehört und fand das Thema total interessant.

Wie lange und wie ausführlich mussten Sie dafür recherchieren?
Die Recherche war sehr aufwändig und zog sich über Jahre hin – hat aber gleichzeitig viel Spaß gemacht, Ich fühlte mich manchmal so ein bisschen wie ein Detektiv auf Zeitreise...

Wieso haben Sie gerade Johanne Claussen und Cecelia Thomas als Protagonisten gewählt?
Ich wollte nicht meine Tage am Schreibtisch mit einem Massenmörder verbringen. Über William King Thomas gab es zwar auf den ersten Blick ungleich mehr Material und mehr Quellen, ich fand aber die Rolle seiner Ehefrau Cecelia vielschichtiger – kann man es tatsächlich nicht merken, wenn der eigene Mann ein Kapitalverbrechen plant? Oder war sie wirklich so unwissend und unschuldig, wie sie in den Vernehmungen behauptet hat? Das grausame Schicksal der Familie Etmer aus Bremerhaven hat mich berührt. Und als ich dann mehr über die überlebende Etmer-Tochter Johanne herausgefunden hatte, wollte ich sie „begleiten“ von der Katas-trophe zu einer hoffentlich glücklicheren Zukunft.

War es für Sie schwierig, sich in das Leid der Menschen hineinzuversetzen?
Die Zeitungsberichte aus jener Zeit sind sehr ausführlich in den Beschreibungen des Schreckensszenarios. Heute würde man Bilder sehen, damals hat man alles haarklein aufgeschrieben. Wenn dann beinahe nüchtern berichtet wird, dass ein übel zugerichteter Leichnam nur am Ehering zu identifizieren war, kann man sich vielleicht ausmalen, wie schrecklich der Anblick gewesen sein muss. Beim Schreiben von Johannes Entwicklung aber auch von manchen Episoden in Cecelias Leben nach der Katastrophe kamen mir selbst die Tränen. Aber ich kann natürlich nicht das Leid erfassen, wenn beinahe die gesamte eigene Familie getötet wird und man selbst (in dem Falle Johanne) auch noch eine Hand verliert. Das ist schon sehr dramatisch. Möglicherweise hat der christliche Glaube in jener Zeit eine andere Rolle gespielt als heute.

Haben Sie sich während des Schreibens Gedanken gemacht, wie Sie mit solch einem Schicksalsschlag umgegangen wären?
Das ist schwer zu beantworten. Mir hat gefallen, wie Johanne – durch ihre Tochter, durch ihr Umfeld und durch ihre eigene innere Stärke –weitergegangen und nicht verzweifelt ist, obwohl sie allen Grund dazu gehabt hätte. Dass sie das Vertrauen – das eigene Selbstvertrauen – nicht verloren hat, fand ich toll. Vielleicht hätte ich diese innere Stärke in Teilen auch, ich kann es aber letztlich nicht beurteilen. Mein Glaube an Gott würde mir hoffentlich helfen.

Was hat Sie an Ihrem Roman am meisten bewegt?
Viele Aspekte. Menschlich fand ich natürlich Johannes’ Weg total bewegend. Wie aus einer jungen, unbekümmerten Frau plötzlich eine versehrte Witwe und Waise wird. Und auch das Thema Neid, mit dem sie sich in Bremerhaven herumschlagen muss trotz der menschlichen Verlus-
te. Aber auch Cecelia Gang nach Amerika fand ich mutig und bewegend. Was ich außerdem bewegend fand, war die Situation dieser geradezu „neuen“ Stadt Bremerhaven, die es damals erst 50 Jahre gab. Dieser Schaffensdrang und der Pioniergeist, den man auch an Johannes Schwiegervater, Georg Claussen, sieht, finde ich toll. Bremerhaven ist häufig in den Negativ-Schlagzeilen – als arme Schwester von Bremen, und das ist nicht gerechtfertigt – sage ich als ehemalige Bremerhavenerin. Was in dieser Stadt schon alles bewegt wurde – gerade im 19. Jahrhundert -– hat mich beeindruckt, und ich habe viel dazugelernt.

Haben Sie sich als Schöpferin der Handlung manchmal Gedanken gemacht, ob Sie Ihren Figuren zu viel zumuten?
Nein. Viele Aspekte habe ich mir gar nicht ausgedacht, die habe ich recherchiert. Das Leben schreibt manchmal die besten Geschichten.

Wie stehen Sie zu dem Rollenbild der Frau, das sie in Ihrem Roman beschreiben und es zu der Zeit gab?    
Ich bin heilfroh, dass ich selbst im Jahre 2019 und nicht 1875 unterwegs bin. Frauen waren nicht geschäftsfähig – immer übernahm ein Mann die Entscheidungen. Heute für uns unvorstellbar! Und auch wie sehr Frauen verwehrt wurde, sich zu bilden. Und trotz all dieser Widrigkeiten gab es natürlich tolle Frauen, die es irgendwie geschafft haben, halbwegs selbstbestimmt, ihren Weg zu gehen. In meinem Buch gehören Johanne und Cecelia dazu.


Artikel vom 13.08.2019

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