Erinnerung an Gräueltaten

Vertreter aus Bremen-Nord besuchten Lidice

Anne Uhl, Detlev Hansing und Bernd Kuschnerus (von links), mit dem Kranz, der niedergelegt wurde.Foto: th

Artikel vom: 29.06.2025

Bremen-Nord - Seit 1979 existiert die Lidice Initiative. Erst Uhl, ehemaliger Schriftführer der Bremischen Ev. Kirche (BEK), setzte die Anregung von dem Evangelischen Kirchtag 1979 in Nürnberg um, sich für Verbesserung des Verhältnisses zwischen Tschechen und Deutschen einzusetzen. Das Arbeiterdorf Lidice, 20 Kilometer westlich von Prag, wurde 1942 von einem deutschen Besatzungskommando dem Erdboden gleich gemacht. Alle Männer wurden ermordet. Auch Frauen und Kinder wurden umgebracht; insgesamt 340. Mit der Zerstörung des Ortes reagierten die Nazis auf ein Attentat, bei welchen Heydrich, der „stellvertretende Reichsprotektor von Böhmen und Mähren“, tödlich verletzt wurde, obwohl keiner der Attentäter nachweislich in Lidice lebte. 

   1947 wurde der Grundstein für ein neues Lidice gelegt, 300 Meter vom ursprünglichen Ortskern entfernt. Ernst Uhl, Pastor der ev. Kirchengemeinde Lüssum-Bockhorn, brachte 1989 die Idee ins Rollen, das Haus „Oaza“ zu bauen und dafür zu sammeln. An den Spenden beteiligten sich auch die Kirchen und die Bundesregierung. In dem Haus befinden sich kleine Wohnungen für zehn bis zwölf Senioren, eine Sozialstation und ein kleinerer Saal mit Cafeteria als Treffpunkt. Jedes Jahr findet in Lidice ein zentraler Gedenktag statt. Zu diesem Anlass legten Detlev Hansing von der Kirchengemeinde Blumenthal, Anne Uhl, Thorsten Nix und Gerhard Frey-Reininghaus einen Kranz nieder. Auch Bernd Kuschnerus, Schriftführer der BEK, nahm teil. Der Tag begann mit einem Gottesdienst auf dem Grundstück, wo sich die St. Martins-Kirche von 1352, das älteste Gebäude befunden hat. Warum sind wir Menschen zornig, neidisch, missgünstig, so die biblische Erzählung über Kain, der seinen Bruder Babel erschlägt. Warum hat er nicht dem Bösen widerstanden? Zdenek Wasserbauer, Weihbischof aus Prag, stellte eindringlich diese Frage. Anschließend setzte sich zur Kranzniederlegung ein Zug in Bewegung, mit Vertretungen von über 100 Botschaften und Abordnungen, angeführt von Petr Pavel, Staatspräsident der Tschechischen Republik und Veronika Kellerova, Bürgermeisterin der Gemeinde Lidice. Zahlreiche Begegnungen warteten auf die deutschen Gäste, auch mit Jiri Pitin, einem noch lebenden Bewohner, der beim Überfall der deutschen sieben Wochen alt war. Während seine Mutter im KZ verstarb, wurde sein Vater hingerichtet. Festlich gedeckt waren die Tische im Restaurant Lidicka Galerie, als Bürgermeisterin Veronika Kellerova und Hanna Pokorna von der Gedenkstätte Lidice ein paar Willkommensworte sprachen, während sich Familie Jirka Cerny auch an den Folgetagen um die Bremer Gruppe kümmerte. Mit einem Gottesdienst begann der letzte Tag. In der Kirche der Evangelicka-Sror Gemeinde Kladno hielten Paula Zetkova und Bernd Kuscherus diesen gemeinsam. Dafür waren Lieder ausgesucht worden, die in deutscher und tschechischer Sprache gesungen werden konnten. Bernd Kuschnerus stellte den Korintherbrief zwei Vers 13 in den Mittelpunkt seiner Predigt. „Es steht uns vor Augen, was Krieg bewirkt hat“. Es sei mit einer unvorstellbaren Wut verbunden gewesen, wie mit Menschen in Lidice verfahren wurde. „Haltet Frieden, so wird der Gott des Friedens bei euch sein“, so seine mahnenden Worte. Mit einer kurzen Rundfahrt durch die Bergarbeiterstadt Kladno, die über über Kohlegruben und ein großes Stahlwerk verfügte, endete der Aufenthalt in Lidice. 


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